Bericht über Killerspiele: Zwei Jahre alt, aber zeitgemäß

Ich habe vor Kurzem das Archiv der Lokalzeitung durchwühlt, bei der ich volontiert habe, um ein paar Arbeitsproben zu kopieren. Dabei bin ich auch auf meinen Bericht über Killerspiele gestoßen, der mit lediglich einer Erwähnung von Winnenden heute wieder erscheinen könnte.

Der Einstieg in den Text ist zwar ziemlich mau, aber den Bericht an sich finde ich weiterhin lesenswert. Deswegen habe ich ihn einfach mal hier als PDF hochgeladen. Lasst Euch bitte nicht von diesem gewollt jugendmäßigen Layout abschrecken. Und auch wenn es so scheint, dass es auf den ersten Blick viel zu lesen ist, glaubt mir: Das ist es nicht. Die Schrift ist so groß und platzverschwendend, innerhalb weniger Minuten seid ihr am Ende angelangt.

Die Welt der Killerspiele, Seite 1

Wenn ich irgendwann mal Zeit und Lust haben sollte, tippe ich den Text vielleicht noch einmal ab. Solange müsst ihr Euch mit dem Vorspann begnügen:

Die Welt der „Killerspiele“

In ihnen wird geschossen, doch nun sind sie selbst wieder einmal unter Beschuss. Nach neuerlichen Gewalttaten von Jugendlichen wollen einige Politker Ego-Shooter wie Counterstrike und Battlefield verbieten. Ob das gerechtfertigt oder überhaupt sinnvoll ist? Ein subjektiver Bericht über „Killerspiele“ – der sich auf die Seite der Verurteilten stellt.

Weitere Einträge zum Thema:

Killerspiele: Ich bin es leid

Killerspiele: Warum gehen solche Studien eigentlich unter?

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Killerspiele: Ich bin es leid

Ja, es geht schon wieder um Killerspiele… Ich dachte wirklich, nach der Meldung über die erste LAN-Party für Eltern und Lehrer sind wir auf dem richtigen Weg. Aber da habe ich nicht mit der CDU gerechnet. Auf heise.de steht folgendes:

Stuttgart untersagt Computerspiele-Wettbewerb

Ja, es ist geht genau um das, wonach es sich anhört; die Stadt verbietet die Ausrichtung des „Intel Friday Night Game“ der Electronic Sports Leauge (ESL). Und was ist natürlich der Grund?

„Angesichts der Ereignisse und des schrecklichen Amoklaufs in Winnenden und Wendlingen, bei dem 15 Menschen getötet wurden, können wir eine solche Veranstaltung derzeit in unserer Stadt nicht akzeptieren“, begründete Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) die Absage. Das sei man den Familien, Angehörigen und Freunden der Opfer schuldig.

Man ist es ihnen also schuldig, eine private Veranstaltung abzusagen, in denen hunderte Spieler, die rein gar nichts mit dem Amoklauf zu tun haben, einem Hobby nachgehen. Wie schrecklich muss es für die Angehörigen sein, dass in Stuttgart in einer geschlossenen Halle Counterstrike und Warcraft gespielt wird. Dagegen sind die ganzen Fernsehwagen und Journalisten, die Winnenden über Tage belagerten und keinen Raum für Privatsphäre ließen, natürlich nichts.

Ich will mich darüber gar nicht aufregen – aber ich kann nicht anders. Allerdings habe ich meine Meinung zu dieser ganzen Debatte hier schon hinlänglich ausgeführt. Lest einfach den Artikel auf heise.de, und wenn jemand noch mehr Verlangen nach Kopfschütteln hat, gibt es seit Kurzem auch die Fortsetzung.

Wenn mir in Zukunft ähnliche Sachen auffallen, werde ich sie einfach nur noch kurz verlinken. Zuviel Aufmerksamkeit sollte man diesen konservativen Ignoranten auch nicht widmen.

Update 25. März 2009, 10:08: Die Titanic hat zu der Thematik ein nettes Bild veröffentlicht. (via 11k2)

Auf homo homini lupus steht genau die Meinung, die ich auch zu dem Thema habe – unnötig also, sie hier zu wiederholen.

Schon wieder Killerspiele…

Ich habe gehofft, dass es nicht dazu kommen wird. Nachdem die Horrormeldung über den Amoklauf in Winnenden durch die Medien gerast ist und der erste Schock verdaut war, habe ich ein Stoßgebet an den Gott der Vernunft gesandt: „Bitte liebe Experten: Verschont uns mit ignoranten und unbalancierten Debatten und Berichten über Killerspiele.“ Das hatten wir doch alles schon. Dann liegt am nächsten Morgen die Süddeutsche Zeitung auf dem Tisch. Ich lese den Aufmacher – natürlich der Amoklauf – und in der letzten Spalte kommt er wieder: CSU-PopulistInnenminister Joachim Herrmann, der – wie sollte es auch anders sein – ein Verbot von Killerspielen fordert.

Immerhin war das nur ein Satz. Doch es scheint, als würde dieses leidige Thema wieder neu aufgerollt werden. Arno Frank verpackt auf taz.de in seinen Bericht World of Bullshit sehr gut, dass die „Experten“ ein neues Opfer gefunden haben: World of Warcraft; die neue Suchtgefahr, schlimmer als ein Heroin-LSD-Drogen-Cocktail. Die Welt der Kriegskunst verdirbt die Jugend. Und was machen kluge „Experten“, wenn sie ein neues Opfer gefunden haben? Sie analysieren das Spiel, gehen dem Ganzen auf dem Grund und fragen, warum 15-Jährige teils vier Stunden damit verbringen und die Schule schwänzen? So ein Quatsch.

Wozu der Aufwand? Verbieten ist doch mal wieder viel einfacher. Einige hochintellektuelle Jugendforscher, die einen Hexenmeister selbst dann nicht von einem Paladin unterscheiden könnten, wenn sie gerade von einer Horde Dämonen verprügelt werden, sagen jetzt: Gebt World of Warcraft und andere Online-Spiele erst ab 18 frei! So ist’s richtig: Lasst die 16-Jährigen lieber vor Langeweile zwei Schachteln Zigaretten pro Tag qualmen, als dass sie in einer weltumspannenden Community kommunizieren und einem Hobby nachgehen.

Ich spiele selbst kein WoW, weil ich weiß, dass ich davor Stunden verbringen würde, und ich glaube auch, dass die Suchtgefahr ernst genommmen werden sollte. Es gibt Computerspiel-Sucht, aber wie alle Süchte ist sie nicht einfach mit Verboten zu bekämpfen. Dieser Satz wurde bestimmt schon 100.000 Mal in Kommentaren zu diesem Thema geschrieben, und nun ist es eben das 100.001 Mal; aber anscheinend muss man es immer wiederholen, damit es auch die letzten Deppen Experten mitbekommen haben.