Venedig-Kommission müsste sich mit Causa #Böhmermann beschäftigen

Böhmermanns Schmähgedicht über Erdogan sorgt weiter für Schlagzeilen – und damit rückt auch der Paragraph 103 des Strafgesetzbuches in den Fokus. Dieser verbietet, einen ausländischen Regierungschef zu beleidigen; bei Missachtung drohen zwischen drei Monaten und fünf Jahren Haft.

Bei einer Diskussion auf Facebook hat mich jemand darauf hingewiesen, dass es eine sogenannte Venedig-Kommission des Europarates (hat nix mit der EU zu tun) gibt, die sich mit Demokratie und Recht in Europa beschäftigt. Neulich hat sie zum Beispiel Polens Reform des Verfassungsgerichtes gerügt und erklärt, das Lande stünde in einer „Verfassungskrise“. Zuvor hatte die Kommission auch schon ein Gesetz der Türkei moniert, das es verbietet, den Präsidenten zu beleidigen. Zwar haben solche Äußerungen keine juristischen, aber sehr wohl aber politische Auswirkungen – gerade wenn Deutschland, das ja gerne mal andere Staaten kritisiert, plötzlich in der Kritik steht.

Was liegt da also näher, als sich in der Causa Böhmermann mal an diese Kommission zu wenden? Auf eine E-Mail-Anfrage bekam ich jedoch folgende Antwort:

„Thanks very much Steffen for your interest. The Venice Commission only comments when requested to do so. It was never requested to comment the German Criminal Code.“

Um also über das deutsche Gesetz zu urteilen, müsste es erst eine Anfrage an die Kommission geben. Allerdings darf nicht jeder eine Anfrage stellen, sondern nur der Europarat selbst, eines seiner Mitgliedsstaaten oder eine internationale Organisation, die in die Arbeit der Kommission involviert ist.

Toll.

Warum schreibe ich das also? Damit irgendwer, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt, mal eine solche Anfrage auf den Weg bringt. Mal schauen, was der Europarat zu diesem Gesetz sagt…

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Eurogroup gets more transparent – a reaction to DiEM25?

Just a day after Yanis Varoufakis launched its DiEM25 movement in Berlin, it seemed to some that it already sparked a reaction in the EU. Jeroen Dijsselbloem, the President of the Eurogroup (the informal meeting place of the head of states of the Eurozone), announced a step towards more transparency in this institution.

Since DiEM25 routes for more transparency, too, I asked Dijsselbloem’s spokesperson, Michel Reijns, if this a reaction to the demands of the newly founded movement. He answered:

„No, the eurogroup president wants this and he got a lot of support from the ministers for his initiative. It’s a matter of improving the legitimacy of the Eurogroup and enhance its external communication vis-à-vis the public, and the European and national Parliaments.“

While at it, I asked as well, if Dijsselbloem wants to go even further with transparency and consider fulfilling the demands of DiEM25, namely live-streaming the meetings of the Euro Group. I added: „If yes, when? If no, why not?“ His answer:

„Live-streaming is not one of the proposals. We are not considering this at this stage.“

So sadly, he didn’t say why, so I asked him for the reason again.

I’m now waiting for the answer and update this article as soon as possible.

Update 12.2.2016, 23:22

I’ve got mail. This was the answer:

„The Eurogroup is an informal body of 19 countries and four institutions. These steps we could make quite easily. Let’s see what could be possible in the future. For now these are important steps and we are happy with it.“

I asked Yanis Varoufakis, why he didn’t join the Union of European Federalists

I asked Yanis Varoufakis, why he didn’t join the Union of European Federalists, a pro-european organisation that is in favor of “promoting a United, Democratic and Federal Europe”.

I recorded the answer a bit too late, but he started answering this question by comparing the situation Europe is in now with the situation in 1929, when – and there begins my recording – “the gold standard was fragmenting and after that, Europe was torn apart. Same after 2008. The common currency area, the euro, has begun to fragment. And very soon we have new fences, new borders. The Germans are being incited to hate the Greeks, the Greeks to hate the Germans, and we are being torn apart again.

So this is not just about Federation. This is about responding in a way that progressive forces failed to respond in the 1930s to the fragmentation of European Capitalism. And that can only happen with a surge of democracy, a movement, not a discussion about federation and federal government.

I am a Federalist. I want a Federation.

But the first thing, we need to do is to bring together all the different movements, from the bottom-up, on the basis of no [didn’t understand], no central committee, with self-organisation throughout Europe, to start a conversation that the establishment in Europe has been denying Europe, the conversation about how to face up, confront this common enemy that is fragmentation, meeting to [misanthropy?], to ultra-nationalism, to borders, to xenophobia.

And once we have this conversation – and this is what DiEM is about: providing the infrastructure for this conversation -, and if that conversation leads to a consensus, then we’ll find ways of synthesizing these into what kind of constitution we want for the European Union.

But look, Capitalists understand the value of failure. They understand, when you start a business and it doesn’t do well, you start another one. Americans are very good at it. We, the movements, must also understand that. To start a movement, and if it fails, we start another one, and another one, and another one. And all those failures together contribute – hopefully – to some success at the level of mobilisation.”

Recorded on Sunday, 7th of February 2016, at the „Blockupy Ratschlag“ in Berlin

Europas Twitter-Öffentlichkeit: Zersplittert und doch verknüpft

Wissenschaftler haben mit den Daten von fast 12.000 Twitter-Accounts faszinierende Datenströme zu Europas politschen Twitter-Sphären erstellt: Frankreich ist gespalten, Italien liebt Satire, Großbritannien steht im Informations-Zentrum – und Deutsche sind zwitscherscheu.

So bunt ist Wissenschaft selten: Die Universität Wien und das Marktforschungsinstiut GfK haben untersucht, welche Twitter-Accounts in Europa am stärksten miteinander vernetzt sind, und errechneten aus diesen Daten Grafiken, die wie farbige Nebelgalaxien aussehen. Sie klären darüber auf, wer mit wem im politischen Europa spricht, oder auch: nicht spricht.

Europas Twitter-Sphäre im Überblick

Europas Twitter-Sphäre im Überblick

“Twitter hat in Europa nicht den Stellenwert wie etwa in den USA”, sagt Christian Waldheim, Globaler Chef der Social Media-Forschung der GfK. “Aber Medien zitieren immer öfter Tweets von Politikern und anderen öffentlichen Personen, wodurch Twitter in die Massenkanäle überschwappt.” Zum Beispiel twitterte Regierungssprecher Seibert aus dem Europäischen Rat darüber, was Angela Merkel zum Geburtstag geschenkt bekommen hat:

Während in den USA über 10 Prozent aller Internetnutzer auf Twitter aktiv sind, sind es in Deutschland nur rund ein Prozent, die Zahlen von Spanien, England und Holland befinden sich dazwischen. “Das hat kulturelle Hintergründe: Deutsche und Österreicher nutzen lieber Facebook, weil man dort entscheiden kann, wo man sich mitteilen möchte und wer seine Nachrichten lesen kann”, sagt Axel Maireder, Kommunikationswissenschaftler an der Uni Wien und Leiter der Studie.

Twitter hingegen ist fast 100 Prozent transparent. “Im Süden Spaniens zum Beispiel entwickelte sich die politische Kultur draußen unter freiem Himmel”, erläutert Maireder. “Vielleicht haben die Menschen dadurch eine offenere Beziehung zur Öffentlichkeit. Auch in Südamerika nutzen verhältnisßmäßig viele Menschen Twitter.”

– Cameron ist nicht dabei –

In die Studie flossen Twitter-Nutzer ein, die mindestens 250 Follower verzeichnen und sich in den zwei Monaten vor der Europa-Wahl mit mindestens zwei Tweets zu Europa geäußert haben. Der britische Premier David Cameron (@David_Cameron) taucht deswegen mit seinen über 700.000 Followern in der Studie nicht auf. Angela Merkel im Übrigen auch nicht – sie hat keinen Twitter-Account, Regierunssprecher Steffen Seibert übernimmt das für die Bundeskanzlerin unter @regsprecher.

Die Wissenschaftler und die GfK-Social-Media-Experten sammelten und werteten 450.000 Accounts aus und kamen später auf knapp unter 12.000 Top-Nutzer. Diese untersuchten sie darauf, wie stark sie in der Twittersphäre vernetzt sind. Im Zentrum des europäischen Informationsnetzwerks stehen die Twitter-Accounts der Europa-Wahl-Spitzenkandidaten Martin Schulz (jetzt wieder Parlamentspräsident) und Jean-Claude Juncker (jetzt Kommissionspräsident).

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Das Zentrum der europäischen Twitter-Öffentlichkeit

Ebenfalls im Zentrum des Informationsstroms stehen Qualitätsmedien wie die spanische El Pais und die französische Le Monde, wobei britische Medien wie The Economist, BBC und Guardian dominieren – allein schon wegen Englisch als lingua franca. Unter Journalisten sehen einige EU-Korrespondenten darin ein Problem, weil so die britische Sichtweise in Debatten überrepräsentiert sei. “Das kann man sich gut vorstellen”, sagt Maireder. “Beweisen lässt sich das mit unseren Daten aber nicht.”

Um das Zentrum herum wabern die nationalen Twitter-Öffentlichkeiten von Großbritannien, Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich, den Niederlanden sowie den nordischen Ländern Dänemark, Schweden und Finnland – die Bürger in Mittelosteuropa nutzen Twitter nur spärlich und sind daher fast gar nicht vertreten.

“Die europäische Twittersphäre ist relativ lose miteinander verknüpft”, sagt Maireder. In den einzelnen EU-Staaten ergeben sich – wenig überraschend – viel dichtere Netze. Diese sind aber auch in Teil-Öffentlichkeiten zersplittert: In Frankreich zum Beispiel existiert eine Trennlinie zwischen dem Mainstream und der konservativen Rechten. Das heißt: Rechts wie Rest bleiben vornehmlich unter sich.

Frankreichs Twitter-Sphäre

Frankreichs Twitter-Sphäre

“Das ist zwar Ausdruck einer Spaltung, aber kein Ausdruck der Radikalisierung. Im Gegenteil.”, sagt Waldheim. “Früher hat man sich in geschlossenen Internetforen getroffen, jetzt ist es öffentlich.” Dadurch komme der Durchschnittsnutzer viel eher mit anderen politischen Einstellungen in Kontakt, als es früher der Fall war. So steht etwa die Front-National-Chefin Marine Le Pen (@MLP_Officiel) nicht mitten in der Sphäre der Rechten oder gar am Rand, sondern genau zwischen dem Mainstream und dem nationalistischen Flügel – auch weil sie europaweit viele Follower hat.

– In Italien dominiert die Satire –

In Italien ist die Situation ähnlich, allerdings heißen die beiden Sphären hier “Mainstream” und “Blogger, Satiriker und tendenziell Linke”. Der Blogger Michele Di Salvo (@micheledisalvo) steht zwischen den zwei Clustern. Fake-Accounts, Karikaturen-Zeichner und andere, die Information mit Unterhaltung verbinden, haben eine große Follower-Zahl. “Italien hat eine lange Tradition in politischer Satire”, sagt Maireder. “Und mit den neuen technischen Möglichkeiten kann man nun schneller bekannt werden.”

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Italiens Twitter-Sphäre

In Deutschland und Österreich sind die Twitter-Sphären weniger ausdifferenziert: Die technikaffinen Unterstützer der Piratenpartei sowie die eher tendenziell jungen Grünen-Anhänger bilden die einzig nennenswert großen Gruppen. Das Zentrum nehmen Mainstream-Medien wie @Spiegel, @zeitonline und @tagesschau ein. Ähnlich diffus sieht es in Großbritannien, den Niederlanden und den Nordischen Ländern aus.

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Deutsch-Österreichische Twitter-Sphäre

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Britische Twitter-Sphäre

Allerdings erfuhr das Thema Europa in Italien, Frankreich und vor allem Spanien viel mehr Beachtung auf Twitter als in anderen Ländern. Dadurch erhöhte sich die Grundgesamtheit an Twitter-Accounts in den Ländern und erlaubte so ein detailliertes Bild.

In Spanien kristallisierten sich so sehr viele verschiedene Cluster heraus, mit Konservativen, Liberalen, Sozialdemokraten, der 15M-Bewegung und der Region Katalonien. Ähnlich würde es wohl auch in anderen Ländern aussehen, wenn mehr Twitter-Accounts in die Studie einfließen würden. Eine entsprechende Untersuchung über die Twittersphäre in Österreich zum Beispiel zeigt deutliche Cluster-Bildungen entlang der politischen Ideologien.

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Spanische Twitter-Sphäre

In Europa ist das nicht der Fall, hier bilden sich die Cluster hauptsächlich entlang der nationalen Zugehörigkeit, beziehungsweise der jeweiligen Sprachräume. Waldheim glaubt aber daran, dass Twitter und andere soziale Medien einen Beitrag zu einer echten europäischen Öffentlichkeit leisten werden. “Es ist eine der schönsten Prozesse der Demokratisierung.”

Und in Zukunft soll dieser Prozess auch schön dargestellt werden: Die Wissenschaftler wollen die Entwicklung der Twitter-Sphäre weiter beobachten und grafisch darstellen. Die bunten Nebelgalaxien würden also beginnen, sich zu bewegen – was bestimmt auch wieder faszinierend aussehen würde. “Es würde nicht nur faszinierend aussehen, sondern würde auch bestimmt interessante Erkenntnisse liefern”, sagt Maireder. Waldheim fügt lachend hinzu: “Stimmt. Aber man muss die Ergebnisse ja auch irgendwie vermarkten.”

Eine gekürzte Version des Artikels ist auf EurActiv.de erschienen.

Was die EU so alles Gutes tut

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Manchmal könnte man denken, in Nachrichtenredaktionen gibt es einen Heute-hauen-wir-mal-wieder-auf-die-EU-drauf-Tag. Da schreiben Journalisten dann Artikel darüber, wo in Europa mal wieder sinnlos Geld verpulvert wird. Dafür halten dann meistens die Strukturfonds der EU her. Jene Fonds, die nach den Agrarsubventionen den Großteil des EU-Budgets ausmachen (über mögliche Kürzungsvorschläge habe ich für Handelsblatt.com mal ein Interview geführt). Die Wirtschaftswoche etwa hat vier Journalisten darauf angesetzt, um über den „Milliardenwahnsinn mit den EU-Subventionen“ zu schreiben.

Klar läuft bei der Vergabe nicht alles perfekt, aber was Ähnliches könnte man auch über deutsche Förderpolitik schreiben. Berliner Flughafen. Elbphilharmonie. S21. Und das sind nur die Großprojekte. Seit Jahren listet der Bund der Steuerzahler aus ihrer Sicht unsinnige staatliche Ausgaben auf. Und das sind nicht wenige.

Man muss ja nicht immer so anti drauf sein. Deswegen habe ich bei einer Bustour für Journalisten mitgemacht, zu der das EU-Regionalbüro in Bonn eingeladen hat. Da sollte uns Medienleuten mal gezeigt werden, was die EU alles so Gutes tut. Etwa 20 Journalisten wurden einen Tag lang durch die Gegend gekarrt, um sich EU-Förderprojekte anzugucken. Alles auf Kosten der Steuerzahler. Was dabei rumgekommen ist, lest ihr hier.

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Der erste Stopp war das Europa-Kolleg des Vereins für Europäische Sozialarbeit (VESBE). Hier kommen Jugendliche her, die extreme Lernschwierigkeiten und/oder soziale Probleme haben und damit nicht so einfach auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Sie haben einerseits Schule, andererseits erlernen sie die Grundkenntnisse in handwerklichen Ausbildungsberufen wie Maler, Friseur oder Metallverarbeiter. Rund 300.000 Euro Fördergelder gab es im Schuljahr 2012/13 für 50 Teilnehmer eines sogenannten „Werkstattjahrs“.

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Dieser Junge hier heißt Stone, ja, wie der Stein (Er selbst mag den Namen nicht, weil seine Kollegen ihn gerne damit aufziehen). Der 16-Jährige weiß noch nicht so recht, was er werden will (wer weiß das schon mit 16?), findet es aber gut, dass er hier mal ein paar Dinge ausprobieren kann. Von ehemaligen Schulkollegen hat er schon gehört, dass sie nach dem Abschluss einen Job gefunden haben. Laut Statistiken des Kollegs kommen die meisten Abgänger erst einmal in weitere Fördermaßnahmen oder staatlich subventionierte Arbeit – dennoch schaffen einige auch den Sprung in den Arbeitsmarkt.

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Mit der Förderung solcher Projekte will die EU ihren Beitrag dazu leisten, die Jugendarbeitslosigkeit zu senken. Die Räume – so wie ich das bei unserem kurzen Besuch gesehen habe – sind gut ausgestattet. Auch ein anderer Jugendlicher erzählt mir, dass er hier sehr viel lerne und er es als Chance wahrnehme. Er hat einen Hauptschulabschluss hinter sich und hatte sich bei Saturn, Media Markt und anderen Kaufhäusern als Verkäufer beworben. „Aber wenn du keinen Realschulabschluss hast, hast du keine Chance“, erzählt er.

Stopp Nummer Zwei ist ein Bio-Bauernhof im Bergischen Land. Klar bekommt der Bauer auch Agrar-Subventionen, aber darum geht es hier mal nicht. Ist ein anderer Fördertopf und so. Wollte der Bauer auch nicht wirklich drüber sprechen. Und hier jetzt über Sinn und Unsinn dieser Förderung zu diskutieren, habe ich auch keine Lust drauf. Also: Warum sind wir dann hier?

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Wegen des Projekts „Vielfalt schmeckt“. Die EU unterstützt mit 110.000 Euro die lokale Esskultur, das Land NRW ist mit 58.000 Euro beteiligt. Davon bezahlt wird etwa die Stelle von Projektleiterin Ira Schneider. Ihre Aufgabe, wie sie so schön formuliert, ist es „ein Netzwerk zwischen den lokalen Betrieben aufzubauen.“ Bedeutet: Der Käse, der in der Region hergestellt wird, soll am besten in den Gasthäusern der Region verkauft werden. Außerdem will sie, dass die regionalen kulinarischen Spezialitäten erhalten bleiben und dass der Tourismus gestärkt wird.

Der Käse von dem Bio-Bauernhof war auf jeden Fall lecker. Und das Brot auch. Jeder Teilnehmer der Bustour hat ein schönes Paket dieser kulinarischen Köstlichkeiten mit auf den Weg bekommen. Danach ging es in die Rengser Mühle, wo uns das hier vorgesetzt wurde:

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Die Bergische Kaffeetafel. Ein großes Kulturmerkmal der Region: Als Anfang des 20. Jahrhunderts Wanderer aus der Stadt in den Berghütten einkehrten, kramten die Gastwirte alles mögliche aus ihren Speisekammern hervor und servierten es. Waffeln sind so gut wie immer dabei, dazu gibt’s Brot und verschieden Aufstriche. Und natürlich Kaffee. Wie man wann was isst, ist egal. Sympathisch.

Erst das Bio-Bauernbrot und der Bio-Käse, jetzt eine ganze Tafel voller Essen. Einflussnahme auf meine Objektivität mit der Feinschmecker-Tour. Eigentlich eine gute Idee. Leider bin ich kein Gourmet. Essen ist für mich mehr Nahrungsaufnahme als Genuss. Der erhoffte Effekt schlägt ins Gegenteil um.

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Ich frage mich, ob das Fördergeld nicht woanders besser eingesetzt wäre, zum Beispiel um Griechen Arztbesuche zu ermöglichen oder so. Hinzu kommt, dass mit dieser Förderung der Tourismus gestärkt wird. Ira Schneider (links im Bild) meinte: „Wir wollen, dass die Leute aus der Stadt im Bergischen Land Urlaub machen, nicht in der Eifel.“ Da wird mit EU-Fördermitteln der Wettbewerb zwischen Regionen verzerrt. Hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack. Aber okay, das Essen war lecker, da möchte ich nicht so viel meckern.

Schließlich gibt es auch noch eine letzte Station, die ich erwähnen möchte: Die Sporthochschule Köln. Einige Wissenschaftler hier nehmen an dem Forschungsprojekt iStoppFalls teil, das sich mit dem Risiko von Stürzen alter Menschen beschäftigt. Viele Stürze von über 65-Jährigen enden im Krankenhaus. Meinen Großeltern ist das auch schon passiert.

 

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Die Forscher sammeln mit Hilfe einer Smartphone-App Daten über Stürze und versuchen so Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Allerdings, so betont Prof. Dr. Wiebren Zijlstra bei seiner Präsentation immer wieder, weiß die Wissenschaft außerhalb von Labor-Versuchen noch nicht allzuviel darüber. Es ist also viel Pionierarbeit.

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Zijlstra selbst hält die EU-Förderung von Forschung und Entwicklung für sinnvoll: Durch solche EU-Projekte treten Universitäten von ganz Europa miteinander in Kontakt, tauschen sich aus, und ja: vernetzen sich. Selbst die meisten Kritiker des EU-Budgets halten Investitionen in Forschung und Entwicklung für sehr sinnvoll, da sie langfristig auch für wirtschaftliches Wachstum sorgen können (durch neue Produkte, Innovationen etc.).

Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter führte uns dann noch vor, wie das Team versuchen will, mit Hilfe des Xbox-Bewegungserkennungs-Moduls Kinect Stürzen vorzubeugen. Indem nämlich die alten Leute sich vor den Fernseher stellen und Gymnastik-Übungen durchführen. Entweder ganz altmodisch á la zehn Wiederholungen mit dem rechten Bein oder so, oder als Spiel, bei dem sie zum Beispiel Früchte auffangen müssen, die vom Himmel fallen:

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Ist jetzt nicht das allerherausfordenste aller Spiele, aber die Idee ist gar nicht so doof. Könnte vielleicht mal ein Weihnachtsgeschenk für meine Eltern werden, wenn sie nicht mal mehr golfen können. Einen Zwei-Spieler-Modus gibt es schließlich auch.

Auf der Busfahrt zurück zum Hauptbahnhof Köln spreche ich mit einer Studentin, die gerade ihre Abschlussarbeit über soziale Maßnahmen in Europa schreibt und vor allem wegen des ersten Projektes mitgekommen ist. Sie ist keine Journalistin, hat sich da irgendwie eingemogelt, und war ganz überrascht davon, was die EU eigentlich alles so finanziert.

Für mich war das jetzt nicht viel Neues, hinzu kommt, dass das Ganze eine EU-gesponserte Tour war, bei der wohl eher die Rosinen präsentiert wurden. Aber hey, wir Journalisten suchen sonst ja eher nach den faulen Eiern, ab und zu mal die netten Sachen rauszupicken, kann auch nicht schaden.

Am Ende bleibt eben nur die Frage: Will das wirklich jemand lesen?

Facts and Stats: Quality of Life in European Cities – and their View on Foreigners

Since it annoyed me that I nowhere found a simple table of the survey of the European Union about the quality of life in european cities, I just post it here. For now, it is only one big JPG I extracted from the original study because the sole data is not yet published in an Excel table. Keep in mind that the survey was done by asking the people who live in the city how they think about their city – which is not wrong or bad but just good to know.

Furthermore, I looked at the findings on foreigners which are – in my opinion – even more interesting. See below.

In general (with some main findings first):

„In all except 8 cities (Athina, Athens surroundings, Napoli, Palermo, Miskolc, Marseille, Istanbul and Ostrava), at least 80% of respondents say that they are satisfied to be living in their city.“

„Aalborg (99%), Hamburg (98%), Zurich, Oslo, Kobenhavn and Groningen (all 97%) record the highest levels of satisfaction. By contrast, satisfaction is below 75% in Athina (52%), Athens surroundings (59%), Napoli (65%), Palermo (71%) and Miskolc (73%).“

Quality of Life in European Cities. Source: EU survey Quality of Life in cities (PDF)

Quality of Life in European Cities. Source: EU survey Quality of Life in cities (PDF), page 19

On foreigners:

„In all but 5 of the cities surveyed, a majority of respondents agree that the presence of foreigners is good for the city. In 49 cities, at least 70% of respondents agree with this statement.“

The highest levels of agreement are in Cluj-Napoca (91%), Luxembourg, Krakow and Kobenhavn (all 89%), while Athina (26%), Athens surroundings (27%), Lefkosia (35%), Liege (46%) and Irakleio (48%) recorded the lowest levels of agreement.

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