„Wie die Griechen Europa bluten lassen“. Patriotismus in der Wirtschaftsberichterstattung deutscher Online-Medien

Bachelor-Arbeit vom 30. September 2011 am Institut für Journalistik der TU Dortmund.

Verfügbar als PDF bei ResearchGate

Von Steffen Daniel Meyer

1         Inhaltsverzeichnis

1         Inhaltsverzeichnis. 2

2         Einleitung. 4

2.1         Fragestellung. 4

2.2         Literatursichtung. 5

2.3         Aufbau. 7

3         Wirtschaftsjournalismus. 8

3.1         Definition. 8

3.2         Kritik. 9

4         Patriotismus und Nationalismus. 11

4.1         Definition. 11

4.2         Schlussfolgerung. 12

5         Online-Medien. 13

5.1         Definition. 13

5.2         Die Auswahl 13

6         Methodik. 15

6.1         Die Inhaltsanalyse. 15

6.2         Technische Vorgehensweise. 17

6.3         Kategorienbildung. 17

6.3.1.1       Quantitative Rahmendaten. 18

6.3.1.2       Kategorien. 19

6.4         Spezielle Kodierung und Zitierung. 21

7         Untersuchung. 22

7.1         Fall A: Lagardes Kritik. 22

7.1.1     Einzelne Ergebnisse. 23

7.1.1.1       Bild.de. 23

7.1.1.2       Spiegel Online. 24

7.1.1.3       Handelsblatt.com.. 25

7.1.1.4       Taz.de. 27

7.1.2     Vergleich der Ergebnisse. 27

7.2         Fall B: Griechenlands Sparpaket. 28

7.2.1     Einzelne Ergebnisse. 29

7.2.1.1       Bild.de. 29

7.2.1.2       Spiegel Online. 33

7.2.1.3       Handelsblatt.com.. 39

7.2.1.4       Taz.de. 44

7.2.2     Vergleich der Ergebnisse. 47

8         Fazit. 49

9         Literaturverzeichnis. 53

 

 

 

2         Einleitung

2.1       Fragestellung

Deutschland, das ist das Land, das jahrelang „Exportweltmeister“ war[1], das Land mit der „starken Wirtschaft“[2] und einer „hohen Wettbewerbsfähigkeit“[3]. Deutschland habe seine „Hausaufgaben gemacht“[4], andere Länder sollten sich an der Bundesrepublik „ein Beispiel nehmen“[5], die jetzt mit der Finanzkrise zum „Zahlmeister“[6] wird. So und ähnlich berichten deutsche Medien häufiger über die Bundesrepublik, alles unter dem Credo der Objektivität.

Doch ist das wirklich so? Sind es wirklich rationale Überlegungen und ökonomische Argumente, die die Wirtschaftsberichterstattung in Deutschland prägen? Oder speisen sich diese Formulierungen aus etwas ganz Anderem?

Eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung titelte im Jahr 2010, dass der „Wirtschaftsjournalismus in der Krise“[7] sei. Der Vorwurf: Er berichte nicht umfassend genug, behandele fast ausschließlich Themen, die bereits einen Resonanzboden in der Gesellschaft vorweisen – und schließe sich im Zweifel der vorherrschenden Meinung an.[8]

„Der Journalismus bevorzugt eindeutig Themen und Diskurslinien, die im gesellschaftlichen Mainstream bereits bekannt sind und längs der Kriterien Aufmerksamkeit, emotionale Ausschläge, Bestätigung funktionieren – weil sowohl Kommunikations- als auch Wirtschaftserfolge – die Stichworte: Publikumsinteresse, Quote und Auflage –, dadurch wahrscheinlicher werden und der journalistische Produktionsaufwand geringer ist.“[9]

Einer der Befunde der Studie: Deutsche Medien thematisierten die globalen Ungleichgewichte zu wenig. So gehen einige Ökonomen davon aus, dass unter anderem die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft vom Export eine wesentliche Ursache für die Wirtschafts- und Finanzkrise gewesen sei und immer noch ist.[10] Der Grund, so die Studie: Wirtschaftsjournalisten schließen sich eher der vorherrschenden Meinung der Ökonomie an, anstatt auf alternative Sichtweisen zu verweisen.[11]

Diese Arbeit verfolgt jedoch einen anderen Ansatz. Die These: Deutsche Medien legen eine eher innerdeutsche Sichtwiese an den Tag, argumentieren daher aus einer Art patriotischem – der Begriff wird später genauer definiert – Grundgedanken und vertreten so eine Meinung, die aus ihrer Sicht Deutschland oder eher der deutschen Wirtschaft am meisten nützt.

Die Frage ist also: Auf welche Weise berichten deutsche Medien, jene Verbreiter von Wörtern wie „Exportweltmeister“ und „Zahlmeister“, über Themen, die die Volkswirtschaft Deutschlands betreffen? Wen zitieren sie am häufigsten, was steht bei der Berichterstattung im Vordergrund – und auch: Wie kommen andere Länder dabei weg? Werden ihre Interessen berücksichtigt oder sind sie lediglich eine abstrakte Variable in der volkswirtschaftlichen Rechnung der Bundesrepublik?

2.2       Literatursichtung

Gerade zum Zeitpunkt einer globalen Banken-, Finanz-, Wirtschafts- oder Schuldenkrise, in der nationalistische Strömungen wie zum Beispiel die Tea Party in den USA oder die Wahren Finnen in Europa mehr und mehr Zulauf verzeichnen, sind diese Fragen von großer Bedeutung – aber nie wissenschaftlich untersucht worden. In der Literatur finden sich dafür allenfalls Hinweise.

Kurz vor der Lehmann-Pleite im Jahr 2008 hieß es noch, das Problem sei nur ein amerikanisches[12]: „Der Spiegel“ titelte mit „Der Preis der Überheblichkeit“[13] und „Die Zeit“ sah „Amerikas Absturz“[14] voraus.

Während der Krise waren die Journalisten laut Wolfgang Köhler „gefangen in der kleinen, innerdeutschen politischen Logik“[15]. Viele Medien hätten die Deutungshoheit der Politik überlassen.[16]

Vorboten der Krise wurden nicht wahrgenommen – wie auch die US-amerikanische Presse den Vorboten des Irak-Krieges unkritisch gegenüberstand.[17] Die Mahner wurden als Pessimisten abgestempelt und selbst Fachleute und Insider hatten nicht vorhergesehen, welche Ausmaße die Krise annehmen würde.[18] Die Krise wurde kaum analysiert, die Redaktionen setzten auf Ratgeberbeiträge und die aktuellen Nachrichten.[19]

Zwar hat ein Wandel stattgefunden, doch immer noch gibt es Skeptiker: Der „Economist“-Korrespondent Greg Ip etwa sagt: „Derzeit wird so viel und gut über die Krise berichtet. Ich mache mir aber Sorgen, ob wir die Reaktionen auf die Krise, die ausufernden Konjunkturprogramme, ausreichend hinterfragen.“[20] Und Journalistik-Professor Siegfried Weischenberg erklärt in einem Interview, er „sehe das Problem, dass der deutsche Wirtschaftsjournalismus alles, was jetzt in der Krise an Ideen aus der Politik kommt, vorschnell absegnet. Nach dem Motto: Der Staat wird es schon richten.“[21]

Der Frage aber, ob Journalisten absichtlich ihre Unabhängigkeit verlieren, wenn es um ihr eigenes Land geht, ging die Forschung hauptsächlich in der Kriegsberichterstattung nach: So zitiert John MacArthur in seinem Buch über die Medienberichterstattung während des Golfkriegs einen amerikanischen Journalisten. Dieser erklärt, er sei „zuerst Amerikaner und dann Journalist“[22].

Außerdem bescheinigen viele Studien „eine Parteilichkeit zugunsten der eigenen, nationalen Politik, deren Position bevorzugt Eingang in die Berichterstattung findet“[23]. Nach einer Untersuchung von Christiane Eilders und Albrecht Lüter berichteten deutsche Medien im Kosovo-Krieg zwar über verschiedene militärische Vorgehensweisen, grundsätzlich stimmten sie – gemeinsam mit der Politik – aber der Notwendigkeit des Konfliktes zu.[24] Grundsätzlich aber räumen deutsche Zeitungen – sie waren meist Grundlage der Studien – Kriegsgegnern mehr Platz ein als zum Beispiel polnische oder US-amerikanische Zeitungen.[25]

Wenn es aber um ökonomische Konflikte geht, sucht man vergebens nach aussagekräftigen Untersuchungen. Doch gerade im Zuge einer weltumspannenden Wirtschaftskrise scheint eine kritische Wirtschaftspresse unabdingbar: Ökonomische Zusammenhänge wirken sich mehr und mehr auf die (westliche) Welt aus und beeinflussen maßgeblich das Leben vieler Menschen. Dennoch ist das Interesse an der Wirtschaft und auch dem Wirtschaftsjournalismus sowohl beim Publikum als auch in der Journalistik eher gering[26]. Warum das so ist und was man dagegen tun kann, dazu gibt es verschiedene Theorien und Annahmen[27], ist aber nicht essentieller Bestandteil dieser Arbeit.

Es soll hingegen untersucht werden, ob deutsche Medien bei volkswirtschaftlichen Ereignissen eine eher patriotische Sichtweise an den Tag legen. Da diese Fragestellung ein sehr weitläufiges Untersuchungsfeld eröffnet, muss hier weiter eingeschränkt werden. So wird der Untersuchungszeitraum auf zwei Ereignisse beschränkt, über die in verschiedenen Medien berichtet wurde: 1. Die Kritik von Christine Lagarde, damals Frankreichs Wirtschaftsministerin[28],  am deutschen Export-Modell; 2. Griechenlands Beantragung eines Rettungspakets bis hin zu dessen offizieller Verabschiedung[29].

Weiterhin ist es natürlich schwer (oder besser: unmöglich) „die Medien“ zu untersuchen. Es kann hier also nur ein Ausschnitt der Medienlandschaft betrachtet werden. In diesem Fall sind es die vier Online-Nachrichtensites Spiegel Online, Bild.de, Handelsblatt.com und Taz.de; die Beschränkung auf das Internet speist sich aus der Begründung, dass es mehr und mehr zum Informationsmedium Nummer Eins wird, die Auswahl der Sites ergibt sich aus verschiedenen Überlegungen.[30]

2.3       Aufbau

Diese Arbeit beginnt mit der Festlegung des theoretischen Rahmens: Es wird geklärt, was unter Wirtschaftsjournalismus, Online-Medien und Patriotismus zu verstehen ist und welche Schlussfolgerungen sich für diese Arbeit ergeben. Dieser Teil ist dabei so kompakt wie möglich gehalten, um der eigentlichen Untersuchung sowie eigenen Überlegungen und Schlussfolgerungen genügend Platz einräumen zu können.

Das sechste Kapitel widmet sich der Methodik und dabei auch den Problemen, die mit dem Untersuchungsgegenstand Online-Medien einhergehen. Außerdem wird hier eine spezielle Zitierweise erläutert, die wegen Platzspargründen und besserer Lesbarkeit bei der Vorstellung der Ergebnisse angewandt wird.

Im siebten Kapitel werden dann die Ergebnisse der Analyse im Detail vorgestellt und diskutiert. Das achte Kapitel vereint schließlich die Theorie und die Empirie, versucht eingangs gestellte Fragen zu beantworten und eigene Schlussfolgerungen aus den Befunden zu ziehen.

3         Wirtschaftsjournalismus

3.1       Definition

Um das Untersuchungsfeld genau abzustecken, wird hier kurz darauf eingegangen, wie Wirtschaftsjournalismus definiert wird: Ganz plump gesagt, berichtet der Wirtschaftsjournalismus über „alles, was mit Geld zu tun hat“[31].

Eine genauere und wissenschaftliche Definition liefert aber Jürgen Heinrich:

„Als Wirtschaftsjournalismus bezeichne ich die Aussagenproduktion in aktuell berichtenden Massenmedien,

  • deren Gegenstand das System Wirtschaft und Wirtschaftspolitik ist, in dem die Entscheidungen über die Allokation der Ressourcen, über Produktion, Distribution, Konsum und Vermögensbildung in geld- und realwirtschaftlicher Dimension getroffen werden und Wirtkunden entfalten;
  • deren Gegenstand die Ökonomik – also die individuelle und/oder gesellschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse – anderer Teilsysteme ist, wie z.B. Gesundheit, Bildung, Freizeit, Kultur, Landesverteidigung usw.;
  • deren Gegenstand die ökonomischen, also auf den Maßstab des Geldes reduzierbaren Wirkungen von Ergebnissen und Maßnahmen sind, z.B. Kosten- und Einkommenseffekte von Umweltschutzmaßnahmen oder eines Musikfestivals.“[32]

Daher befindet sich der Wirtschaftsjournalismus „im Spannungsfeld zwischen Wächterfunktion und Dienstleistung, zwischen volks- und betriebswirtschaftlicher Analyse und ratgeberorientierter Berichterstattung“[33].

Daran ist zu erkennen, dass Wirtschaftsjournalismus nicht nur im klassischen Ressort Wirtschaft vorkommt, sondern sich über die gesamte Berichterstattung erstreckt; sei es Lokal-, Politik oder auch Wissenschaftsjournalismus. Das muss auch bei der Wirtschaftsberichterstattung dieser Untersuchung – auf die vor allem Punkt Eins von Heinrichs Definition zutrifft – berücksichtigt werden: Egal in welchem Ressort ein Artikel zu einem der Fallbeispiele veröffentlicht wurde, wird er in die Analyse aufgenommen.

Weiterhin könnte man den Wirtschaftsjournalismus noch in weitere Untersysteme aufgliedern, wie es etwa Christoph Moss für den Berufsstand Wirtschaftsjournalisten tut[34]: Dieser splittet sich auf – so Moss – in „Generalisten, Unternehmensreporter, Finanzjournalisten, Verbraucherjournalisten, wirtschaftspolitische Berichterstatter und Journalisten mit  besonderer Vermittlungskompetenz“[35]. Eine solch detaillierte Aufschlüsselung ist für die vorliegende Arbeit jedoch nicht nötig.

 

3.2       Kritik

„Würden Wirtschaftsjournalisten endlich aus ihrem Elfenbeinturm herabsteigen und ihr Ghetto-Dasein abschütteln wollen, dann müsste sich auch mancher Wirtschaftsteil radikal ändern. Die Artikel wären plötzlich lesbar, Wirtschaft wäre auch Genuss, statt Arbeit und Verdruss.“[36] Dieses Zitat stammt von Ulrich Viehhöver, selbst Wirtschaftsjournalist und leidenschaftlicher Kritiker seiner Zunft[37]. Seiner Ansicht nach sei die Sprache bei Wirtschaftsthemen „insiderisch“ (was laut Sebastian Feuss der Abhängigkeit von Experten geschuldet ist[38]), zudem wirkten die Themen willkürlich wie Wasserstandsmeldungen.[39]

Er ist nicht der einzige, der den Wirtschaftsjournalismus anprangert: So findet sich eine Bandbreite an Kritiken bei Gero Kalt[40], die Christoph Neuberger als „die Standard-Kritikpunkte am Wirtschaftsjournalismus“[41] beschreibt, welche sich seit 1969 nicht verändert hätten.[42] Heinrich fasst diese so zusammen: „Die Wirtschaftsberichterstattung ist einseitig auf die Interessen der Produktionsmittelbesitzer zugeschnitten; die Wirtschaftsberichterstattung ist journalistisch einfallslos; sie ist unverständlich; es fehlt die Verbraucherperspektive; es fehlt die Darstellung wirtschaftlicher Zusammenhänge.“[43]

Zwei exemplarische Schlagwörter der Kritik sind „Stichflammenjournalismus“[44] und „Schaumkronenpublizistik“[45].  Beim „Stichflammenjournalismus“ lautet der Vorwurf, der Journalismus konzentriere sich nur auf einen Teilbereich eines größeren Themas und werte dadurch „mindere Ereignisse“[46] auf; bei der „Schaumkronenpublizistik“ wird dem Journalismus vorgehalten, er beschäftige sich lediglich mit der Oberfläche – der Schaumkrone eines Themas – und eben nicht mit den tiefer liegenden Gründen und Ereignissen.[47]

Heinrich sieht die Ursache für diese Art der Berichterstattung bei den tradierten Normen der Journalistik[48], „die für die Wirtschaftsberichterstattung besonders wenig taugen“[49].

Heinrich plädiert daher für eine neue Definition des Wirtschaftsjournalismus: Seine Stärke liege nicht in der Aktualität, sondern in der zielgruppenspezifischen Verarbeitung der Information[50]; dafür fehle ihm laut Heinrich eine angemessene eigene Darstellungsform, die stärker meinungsbetont sein sollte[51]: Denn „das immer gleiche Medley von Meinung A und Meinung B mag dem Gebot der Ausgewogenheit entsprechen, sein Erklärungswert ist gleich Null. Sicher ist es kein Zufall, daß die großen Wirtschaftszeitungen, z.B. ‚Frankfurter Allgemeine‘ und die ‚Neue Züricher Zeitung‘, Meinungszeitungen sind.“[52]

Auch Frank Lobigs erkennt darin ein „Dilemma des Wirtschaftsjournalismus“[53]: Einerseits soll der Wirtschaftsjournalismus unterhalten und populär sein, aber gleichzeitig „die professionellen journalistischen Kriterien der Richtigkeit und Vollständigkeit erfüllen“[54]. Sein Vorschlag: Der Leser wird mit einer populistischen Aufmachung (im Printbereich zum Beispiel Überschriften) in den Artikel gelockt, in dem dann aber –„quasi durch die Hintertür“[55] – die ökonomischen Hintergründe und Sichtweisen beschrieben werden.[56]

Es ist also fraglich, ob die Normen des Journalismus – und vor allem die Objektivität – so einfach auf den Wirtschaftsjournalismus angewendet werden können. Daher fließt diese Frage auch in die Untersuchung mit ein und wird am Ende wieder aufgegriffen und anhand empirischer Befunde diskutiert.

 

 

4         Patriotismus und Nationalismus

4.1       Definition

67,4 Prozent der Deutschen sind stolz, Deutsche zu sein.[57] Sind diese 67,4 Prozent nun Patrioten oder gar Nationalisten? In der öffentlichen Debatte in Deutschland verläuft diese Linie gerne sehr unscharf.

Als Martin Hohmann mit seiner durchaus patriotischen Rede zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2003[58] Antisemitismus-Vorwürfe erntete, rief CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Angela Merkel etwa dazu auf, über einen „vernünftigen“ Patriotismus zu reden.[59] Doch bevor man über eine Ausprägung eines Begriffs reden kann, sollte man sich zuerst seiner Bedeutung überhaupt bewusst werden.

Laut Volker Kronenberg beschreibt der Begriff Patriotismus ein sozialpolitisches Verhalten, in dem nicht die eigenen, die individuellen Interessen – oder die einiger weniger Mitglieder einer politischen Gemeinschaft – handlungsleitend sind, sondern das Wohl aller Mitglieder. Das Gemeinwohl gilt als Inbegriff der Bedingungen des Leben- und Sich-entfalten-Könnens. Patriotismus, der neben der rationalen auch stets eine emotionale Komponente enthält, ist damit auf die Gesamtheit des politischen Gemeinwesens fokussiert. Historisch entsprang der Begriff aus einem persönlichen Einsatz für die Kommune, für die Heimat und das Vaterland (lat. Patria).[60]

Dabei grenzt sich der Patriotismus als politisches Verhalten klar vom Nationalismus ab. Während Patriotismus andere Nationen und Völker akzeptiert und toleriert, tut der Nationalismus das nicht – eher im Gegenteil: Er würdigt vielmehr fremde Völker und Nationen herab, sieht sie als minderwertig an und behandelt sie dementsprechend.[61]

Nationalismus und Patriotismus setzen zwar beide die Identifikation mit der Nation voraus, ihre Vertreter haben aber eine jeweils völlig unterschiedliche Sicht von Staatskonzepten: Nationalisten befürworten „innergesellschaftliche Homogenität“[62] sowie blinden Gehorsam und vertreten eine idealisierte Überbewertung der eigenen Nation. Patrioten hingegen streben eine „innergesellschaftliche Heterogenität“[63] an und nehmen eine kritische Distanz gegenüber dem Staat ein.[64]

Dolf Sternberg und Jürgen Habermas[65] vertreten wegen dieser kritischen Distanz den Begriff des „Verfassungspatriotismus“[66], bei dem die Bürger eines Staates nicht die Regierenden oder die Nation, sondern die Verfassung des Staates als schützenswert ansehen. „Eine gewisse maßvolle Unzufriedenheit ist dem Staat förderlich. Sie mindert nicht die Treue, die der Verfassung geschuldet wird. Gegen erklärte Feinde jedoch muß die Verfassung verteidigt werden, das ist patriotische Pflicht.“[67]

4.2       Schlussfolgerung

Für diese Untersuchung reicht es jedoch aus – um nicht zu sehr in politikwissenschaftliche Theorie einzutauchen – den Unterschied zwischen Patriotismus und Nationalismus deutlich zu machen: Der Patriotismus wird quasi – wie von Merkel gefordert – als „vernünftig“ betrachtet: Er ergeht sich nicht in Gehorsam gegenüber der Regierenden, sondern wahrt eine kritische Distanz. Seine Anhänger möchten das Beste für das Vaterland, akzeptieren dabei aber andere Nationen und Völker.

Der Nationalismus indes kann – grob gesagt – als eine Art „unvernünftiger“ Patriotismus angesehen werden, bei dem die eigene Nation stets im Vordergrund steht – egal was die Regierung tut. Dabei werden Völker und Kulturen, die nicht in das nationalistische Weltbild passen, als minderwertig angesehen.

Diese Definitionen lassen sich für diese Untersuchung auf die sprachliche Gestaltung der Artikel übertragen: Werden andere Nationen diffamiert oder stereotypisiert, sind das Anzeichen für Nationalismus. Eine Identifikation mit der eigenen Nation, etwa durch Gebrauch der ersten Person Plural („Wir“),– in diesem Fall Deutschland – weist auf patriotische oder nationalistische Einstellungen hin. Wird sich hauptsächlich mit innenpolitischen Problemen befasst und diese kritisch hinterfragt, deutet das auf Patriotismus hin.

Davon ausgehend werden im Kapitel „Methodik“ die Kategorien gestaltet und durch eine qualitative Inhaltsanalyse im Kontext betrachtet.

Bei der abschließenden Diskussion wird es dann anhand der Befunde auch um die Frage gehen, inwiefern solch ein Patriotismus dem Journalismus nützt oder schadet.

5         Online-Medien

5.1       Definition

Josef Trappel definiert Online-Medien nach folgenden Merkmalen: Digitalität, Ubiquität, Aktualität (auch: „Immediacy“), Multimedialität, Interaktivität und Hypertextualität[68]. Diese Kriterien werden in folgender Tabelle erläutert[69]:

Digitalität, Der Verarbeitung der Inhalte durch den Einsatz von digitalen Technologien, die eine Vervielfältigung ohne Qualitätsverlust ermöglichen.
Ubiquität Eine universelle Verfügbarkeit wird gewährleistet, ohne Einschränkung nach Raum und Zeit.
Aktualität,
„Immediacy“
Online-Medien weisen keinen Publikationsrhythmus auf, ihre Inhalte können ohne Zeitverzögerung und jederzeit für die Nutzung im Internet bereitgestellt werden.
Multimedialität Die Inhalte können unter Verwendung aller medialen Formen hergestellt und bereitgestellt werden. Dazu zählt neben Text und Bild auch das Bewegtbild (Video), Ton, Grafik, Animation etc.
Interaktivität Zwischen den Kommunikatoren des klassischen Massenkommunikationsmodells und den Rezipienten besteht eine erheblich gestärkte Verbindung. Letztere können unmittelbar, ohne Zeitverzögerung und ohne Medienbruch Stellung nehmen.
Hypertextualität Die lineare narrative Struktur der Massenkommunikation wird  durch eine Vernetzung von Inhalten und Quellen aufgebrochen. Usern von Online-Medien steht ein Vielfaches an themenspezifischer Information zur Verfügung.

5.2       Die Auswahl

Noch immer fokussieren sich in der Journalistik viele Untersuchungen auf die überregionale Tagespresse; dabei wird es Zeit, sich auch den Internet-Portalen der großen Medien zu widmen: 2010 nutzten 29 Prozent der Befragten der „ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation“[70] das Internet hauptsächlich, weil sie sich informieren möchten – fünf Jahre zuvor waren es nur 18 Prozent.[71] Tageszeitungen (2005: 36%; 2010: 32%) und Fernsehen (2005: 34%; 2010: 26%) verloren dafür Nutzer, Radio konnte leicht zulegen (2005: 12%; 2010: 14%).[72]

Daher erscheint es notwendig, das Augenmerk auf Online-Medien zu richten. Sicher wäre es interessant gewesen, mehrere Medien (zum Beispiel die entsprechenden Print-Produkte der Nachrichten-Sites) zu untersuchen, doch dazu hätte es verschiedener Methoden, mehr Zeit und letztlich auch mehr Platz gebraucht, die eine Bachelor-Arbeit nicht aufbringen kann.

Daher wurden für die Untersuchung vier Online-Medien ausgewählt.

Zum einen sollten dazu die reichweitenstärksten Sites gehören: Bild.de hat Ende 2009 den Marktführer Spiegel Online überholt und ist damit das reichweitenstärkste deutsche Nachrichtenmedium.[73] Spiegel Online konnte während der Fukushima-Katastrophe Anfang 2011 noch einmal aufholen, liegt aber seitdem wieder hinter dem Boulevard-Konkurrenten.[74]

Der Abstand zur weiteren Konkurrenz ist indes geschmolzen, aber weiterhin beträchtlich: Bild.de verzeichnete im Mai 2011 12,88 Millionen Besucher, Spiegel Online 10,34 Millionen Besucher; der drittplatzierte Focus Online kommt mittlerweile schon auf 8,09 Millionen Besucher. Trotzdem gilt: Wenn es um eine Untersuchung der deutschen Online-Medien geht, führt an Bild.de und Spiegel Online kein Weg vorbei.

Die beiden Online-Portale Handelsblatt.com und taz.de wurden hingegen aus anderen Gründen als der Reichweite gewählt.

Da es sich um eine Untersuchung der Wirtschaftsberichterstattung geht, erscheint es logisch, ein Online-Medium zu wählen, das sich auf diese Form spezialisiert hat. Die beiden bekanntesten deutschen Portale sind in Deutschland ftd.de (Financial Times Deutschland) sowie Handelsblatt.com. Um die Inhaltsanalyse nicht zu stark auszuweiten, wurde nur eines der beiden Newssites gewählt – und zwar das mit der höheren Reichweite. Handelsblatt.com hatte im Mai 2011 1,85 Millionen Unique User, ftd.de hingegen nur 1,53 Millionen.[75]

Die Wahl von taz.de fiel aufgrund der politischen Einstellung des Mediums, das sich im linken Spektrum verortet und hin und wieder kritische Berichte über Patriotismus oder Nationalismus veröffentlicht.[76]

 

6         Methodik

6.1       Die Inhaltsanalyse

Für die Untersuchung der vier Online-Medien wurde die Methode der Inhaltsanalyse gewählt, die sich gut für „systematische Erhebung und Auswertung von Texten“[77] eignet.

Dabei gliedert sich diese Analyse in zwei verschiedene Ebenen: die quantitative und die qualitative – wobei mit Recht angezweifelt werden kann, ob eine Inhaltsanalyse wirklich quantitativ sein kann, da „beispielsweise schon die Festlegung eines Kategoriensystems ein qualitativer Vorgang ist“[78].

Beim ersten Fallbeispiel A („Lagardes Kritik“) erstreckt sich der Untersuchungszeitraum auf den 14.03.2010 (einen Tag vor ihrer Äußerung) bis zum 23.03.2010. Für den Fall B („Griechenland-Hilfe“) wurde als Anfangsdatum der 22.04.2010 gewählt (ein Tag vor Griechenlands Hilfe-Gesuch). Das Enddatum ist der 02.05.2010 (die offizielle Verabschiedung des Hilfspaktes).

Alle Artikel, die sich mit der jeweiligen Thematik befassen[79],  wurden in die Untersuchung mit aufgenommen. Insgesamt ergab das eine Summe – so viel sei vorweg genommen – von 198 analysierten Artikeln (19 für Fall A, 179 für Fall B).

Da die untersuchten Medien Online-Medien sind, handelt es sich streng genommen um eine Online-Inhaltsanalyse.[80] Diese ist zwar keine eigenständige Methode, aber „aufgrund der spezifischen Merkmale des empirischen Relativs – der >Online-Inhalte< – ergeben sich neue, vielfältige Möglichkeiten aber auch spezifische Probleme“[81].

Auch weil das Thema Internet in der Journalistik noch immer recht neu ist[82], müssen diese Merkmale reflektiert und methodisch berücksichtigt werden.[83]

Das größte Problem für die Reliabilität der Analyse ist die Dynamik und Flüchtigkeit des Mediums[84]: Artikel müssen heute nicht mehr so online stehen, wie sie ursprünglich veröffentlicht wurden. Redaktionen können Artikel nachträglich verändern oder gar ganz löschen. Und sie machen von dieser Möglichkeit auch Gebrauch – und weisen dabei nicht immer darauf hin.[85] Diese Gefahr muss für die Untersuchung beachtet werden, beeinflussen oder umgehen kann man sie nicht.[86]

Weiterhin kann rückwirkend nicht ermittelt werden, an welcher Stelle auf der Homepage sich ein Artikel zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung befand, welche Prominenz man ihm also eingeräumt hat. Zwar gibt es Wayback-Maschinen wie www.archive.org, diese sind aber nicht zuverlässig, da sie erratisch das Web durchforsten und archivieren. Diesem Problem hätte man nur vorbeugen können, wenn die Homepages der Online-Medien im Vorfeld mit Anwendungen wie Wysigot (www.wysigot.com) archiviert worden wären.[87]

Ein weiteres Problem für die Definition der Analyseeinheiten ist die Hypertextualität[88]: Wo endet ein Artikel, wenn der Nutzer theoretisch auf Links klicken kann, die ihn wiederum auf andere Artikel oder gar andere Websites bringen? Müssen verlinkte Sites auch in die Analyse eingebunden werden? Diese Untersuchung gibt darauf der Einfachheit halber eine klare Antwort: Nein. Die Analyseeinheiten sind Überschrift, Dachzeile, Teaser und Text des Artikels – weiterführende Links fließen nicht mit ein.

Genauso wenig werden Foto-, Video-, Audio- oder sonstige multimediale Elemente in der Analyse berücksichtigt. Dadurch wird der Aspekt Multimedialität[89] umgangen, aber ein Sinken der Validität[90] in Kauf genommen. Diese Reduktion ist leider notwendig, um nicht ein weiteres Kategoriensystem für multimediale Inhalte erstellen zu müssen.[91]

6.2       Technische Vorgehensweise

Bei der Auswahl der Artikel wurde folgende technische Vorgehensweise angewandt: Seit Oktober 2010 können Nutzer mit der Suchmaschine Google die Zeiträume ihrer Suchergebnisse ganz einfach eingrenzen – zuvor war das nur über einen Umweg möglich[92]. Dadurch lässt sich auch für diese wissenschaftliche Untersuchung der Zeitraum recht einfach eingrenzen. Allerdings vertraut man dabei auf einen externen Anbieter, wodurch die Reliabilität der Ergebnisse abermals gesenkt wird.

Nach der Festlegung des Zeitraums wurde per Eingabebefehl site: die Suche auf eine bestimmte Seite eingegrenzt, also etwa site:spiegel.de oder site:taz.de. Um möglichst alle publizierten Artikel zu finden – je größer der Zeitraum gewählt wird, desto wahrscheinlicher ist, dass Ergebnisse nicht auftauchen –, wurde immer nur ein Tag eingegeben und alle Treffer manuell ausgewertet. In einem zweiten Schritt wurde die site:-Eingabe um einschränkende Parameter erweitert, die auf das Thema abzielen, wie etwa „Lagarde“, „Frankreich“ oder „Griechenland“.

Bei jedem Artikel wurde daraufhin die seiteninterne Druckfunktion benutzt, um mittels eines Converters ein PDF-Dokument zu erstellen. Jedes Dokument wurde dann offline archiviert und ist auf der Anhangs-CD zu finden. Für die Analyse wurden daraufhin sämtliche Artikel ausgedruckt.

Durch diese Vorgehensweise ändert sich zum einen das Layout des Textes, zum anderen werden Bilder teils nicht mehr angezeigt (so etwa bei Spiegel Online). Da die Analyse dieser Arbeit sich aber ohnehin nur auf Überschrift, Dachzeile, Teaser und Text konzentriert, bleibt die Validität der Untersuchung gewahrt.

Auf diese Weise wird der Forderung bei einer Online-Inhaltsanalyse Rechnung getragen, die Untersuchungsmedien zu archivieren[93], so dass die Untersuchung möglichst objektiv und nachvollziehbar ist.

6.3       Kategorienbildung

Für die quantitative Ebene der Inhaltsanalyse stützt sich diese Arbeit zum einen auf Ernst H. Liebharts Untersuchung „Nationalismus in der Tagespresse 1949-1966“[94] und zum anderen auf die Dissertation von Angela Daalmann „Fußball und Nationalismus“[95].

Das Problem: Beide Analysen zielen nicht auf den Patriotismus, sondern auf den Nationalismus in Medien ab. Da es aber, wie oben gezeigt, überschneidende Faktoren zwischen diesen beiden poltischen Verhaltensweisen gibt – wie etwa die Identifikation mit der eigenen Nation –, können die Kategorien übernommen werden, sofern die Ergebnisse durch eine qualitative Inhaltsanalyse im Kontext gesehen und reflektiert werden.[96]

 

Zu jedem Fallbeispiel werden folgende Rahmendaten erhoben:

6.3.1.1         Quantitative Rahmendaten

  • Anzahl der Artikel
  • Darstellungsformen; unterschieden werden:
    • Bericht[97]
    • Meldung[98]
    • Kommentar / Gastkommentar
    • Porträts
    • Interviews
    • Statistiken
    • Klickstrecken[99]
    • Blog-Eintrag

 

Die Kategorien mit den jeweiligen Variablen für die quantitative Inhaltsanalyse fußen dabei auf den genannten Untersuchungen und auf den Erkenntnissen aus dem Kapitel 4 „Patriotismus und Nationalismus“.  Neben den Faktoren Identifikation, Diffamierung sowie Anwendung von Stereotypen und Rassismen wird ebenfalls darauf geachtet, in welcher sprachlichen Form Kritik an anderen Ländern und an Deutschland geübt wird.

 

 

6.3.1.2         Kategorien

Andere Länder werden negativ konnotiert (ANeg)

Deutschland wird negativ konnotiert (DNeg)

Andere Länder werden positiv konnotiert (APos)

Deutschland wird positiv konnotiert (DPos)

Andere Länder werden mittels militärischer Metaphern als Aggressoren dargestellt (AAgr)

Deutschland wird mittels militärischer Metaphern als Aggressor dargestellt (DAgr)

Andere Länder werden mittels militärischer Metaphern als Verteidiger dargestellt (AVert)

Deutschland wird mittels militärischer Metaphern als Verteidiger dargestellt (DVert)

Direkte nationale Identifikation (Ident)

Stereotypen (Ster)

Rassismen (Ras)

Quelle (Q)

 

Die letztgenannte Kategorie muss ein wenig weiter ausgeführt werden, da sie die einzige Variable ist, die mehr als zwei Ausprägungen (Ja/Nein) zulässt: Hierbei wird untersucht, aus welcher Quelle ein Zitat, eine Meinung, eine Analyse oder eine Einschätzung stammt. Dabei wird die Kategorie in die Unterkategorien „Land“ und „Gruppe“ aufgeteilt. Nach mehreren Pretests haben sich dabei folgende Ausprägungen als nützlich erwiesen:

Die Unterkategorie Gruppe kann folgende Ausprägungen annehmen: Politik (PQ)[100], Privatwirtschaft/Industrie (IQ), Wissenschaft (WQ), Medien (MQ), Gewerkschaften (GQ), (einfacher) Bürger (BQ), staatliche Institution (StaQ), (nicht privatwirtschaftliche) internationale/supranationale Organisation/Institution (IOQ), Sonstiges (SQ), Unbekannt (UQ), Eigene Meinung des Mediums (EM).

Die Unterkategorie „Land“ wird in die Merkmale unterteilt: Deutschland (DQ), Anderes Land (AQ), Keinem Land zugehörig/Unbekannt (UQ).

Mit „Land“ ist dabei nicht die Nation einer Person gemeint (auch wenn es teilweise übereinstimmt), sondern die Zugehörigkeit der Gruppe, der sie angehört.

Beispiel: Ein Deutscher, der eine Äußerung als Pressesprecher einer ausländischen Firma tätigt, wäre „Anderes Land“ und „Privatwirtschaft/Industrie“ (AQ-IQ).

Die Ausprägungen „Sonstiges“ und „Unbekannt“ waren notwendig, um das Kategoriensystem erschöpfend zu gestalten[101] (wenn etwa Vereine erwähnt werden (SQ) oder Äußerungen wie „Viele glauben“ oder „Ökonomen sind der Meinung“ getätigt werden (UQ)). Da bei einer solchen Kategorisierung, die mit starken Verallgemeinerungen arbeitet, zwangsläufig Überschneidungen auftreten, muss hier noch einmal auf einige Probleme eingegangen werden, damit das System auch als erschöpfend und disjunkt angesehen werden kann.[102]

  1. Wenn sich eine Person oder eine Institution über ein Medium äußert („Fank-Walter Steinmeier sagte der ‚Bild‘“), dann zählt die Person als Quelle. Das Medium ist in diesem Fall wirklich nur das Medium. Nur wenn das Medium selbst als Quelle dient (Presseschau, „laut Bericht der ‚Bild‘“, Interview mit einem Journalisten), zählt es auch als solche.
  2. Unter Wissenschaft zählen Professoren von Universitäten oder (unabhängigen) Instituten; nicht jedoch – zum Beispiel – Ökonomen von Banken oder Ratingagenturen. Diese sind Teil der Gruppe Privatwirtschaft/Industrie.
  3. Die eigene Meinung des Untersuchungsmediums zählt nur dann als eigene Meinung, wenn diese deutlich erkennbar ist.
  4. IWF, UNO, EU und andere (nicht-privatwirtschaftliche) supra- oder internationale Organisationen fallen in eben diese eigens für sie angelegte Kategorie (erschöpfend). Egal welcher Nation die Sprecher angehören, fallen diese Institutionen – wie bereits erwähnt – unter das Länder-Merkmal „Andere Länder“. Dazu zählen auch EU-Parlamentarier deutscher Parteien, sie gehören nicht „Deutschland“ und nicht der Gruppe „Politik“ an.[103]
  5. Es ist egal, wie oft die Quelle innerhalb eines Artikels auftaucht oder wie viel Platz sie einnimmt, sie wird pro Artikel nur einmal gezählt. Die Folge: Interviewte Personen oder Gastbeiträge zählen nur einfach als Quelle. Um das Kategoriensystem präzise, aber die Untersuchung nicht noch mehr zu verkomplizieren, ist dieser Schritt notwendig.

 

Um eine Vergleichbarkeit zwischen den untersuchten Medien zu schaffen, wird zudem die absolute Anzahl der einzelnen quantitativen Ergebnisse durch die Anzahl der Artikel geteilt, um einen Durchschnittswert zu erhalten.

Weiterhin wird bei Fall A der Kategorie Quelle eine weitere Unterkategorie angefügt – und zwar die des Inhalts: Es wird unterschieden, ob „Kritik an dem deutschen Exportmodell“ geäußert, oder ob „Kritik an der Kritik“ geübt wird. Um auch hier ein erschöpfendes System vorzuweisen, braucht es zudem noch die Ausprägung „Sonstiges“. Diese Unterscheidung lohnt sich, da bei Fall A eine recht deutliche Dichotomie der Aussagen angenommen werden kann.

Bei Fall B ist die Lage um einiges komplizierter: Es geht um das komplexe ökonomische Problem der griechischen Volkswirtschaft. Die Lösungsansätze unterscheiden sich dabei deutlich: „Wenn Sie drei verschiedene Ökonomen fragen, bekommen sie vier verschiedene Antworten“[104] hat Journalistik-Professor Siegfried Weischenberg in einem Interview gesagt.

Es wäre vermessen, einen dieser Lösungsansätze eine patriotische Färbung zu verleihen, da sie im Grunde alle Auswirkungen auf Deutschland haben – wie stark diese sind, ist jedoch schwer abzuschätzen.[105] Daher richtet sich das Hauptaugenmerk bei Fall B alleinig auf die Quellenlage, erst die qualitative Untersuchung widmet sich dann den Inhalten.

 

6.4       Spezielle Kodierung und Zitierung

Um die Präsentation der Ergebnisse so übersichtlich und platzsparend wie möglich zu gestalten, weicht die Zitierform von der üblichen Fußnoten-Darstellung ab. Jedem einzelnen Artikel wurde eine eigene, individuelle Code-Nummer zugeordnet, die sich aus drei Bestandteilen zusammensetzt.

Das erste Zeichen steht dafür, welchem Fallbeispiel der Artikel zugeordnet ist, also entweder „A“ oder „B“. Darauf folgt eine zwei Zeichen lange Abkürzung der Nachrichtensite, auf der der Artikel veröffentlicht wurde: „Bi“ (Bild.de), „Sp“ (Spiegel Online), „Ta“ (Taz.de) und „Hb“ (Handelsblatt.com). Schließlich erhält der Artikel eine Nummer aufsteigend von 01, die sich an dem Tag der Veröffentlichung orientiert; je niedriger die Nummer, desto eher erschien der Artikel im Beobachtungszeitraum.

Ein Beispiel: „BBi06“ steht für einen Artikel, der Fallbeispiel B betrifft, auf Bild.de erschienen ist und die Nummer Sechs trägt. In einer Tabelle im Anhang stehen hinter den einzelnen Code-Nummern die Artikel-Namen; in weiteren Tabellen stehen die Internet-Adressen sowie die einzelnen quantitativen Ergebnisse jedes einzelnen Artikels[106].

 

 

7         Untersuchung

7.1       Fall A: Lagardes Kritik

Am 14. März 2010 veröffentliche die Financial Times ein Interview mit der damaligen französischen Finanzministerin Christine Lagarde.[107] Sie kritisierte darin die exportorientierte Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik Deutschland. Ihrer Meinung nach sollte Deutschland seine Binnennachfrage – also die Kaufkraft der eigenen Bürger – stärken und nicht mehr so stark auf die Ausfuhr von Waren setzen.

Laut Lagarde und einigen Ökonomen, die mit dieser Einstellung in Deutschland und vielen anderen Ländern in der Minderheit sind, sind die Löhne in Deutschland sehr niedrig, wodurch Deutschlands Wirtschaftsbetriebe billig ins Ausland – und besonders in die Euro-Zone – exportieren könnten.

Um schwächeren Volkswirtschaften die Möglichkeit zu geben, ihren Export zu stärken, soll Deutschland seine Löhne erhöhen. Dadurch würden Produkte in der Bundesrepublik teurer und fänden auf internationalen Märkten weniger Absatz. Im Gegenzug würde aber durch die gestiegenen Gehälter die Binnennachfrage in Deutschland angekurbelt werden, während andere Länder ihre Waren exportieren könnten und dadurch ihre Wirtschaft stärken könnten.

Lagarde wörtlich: “Clearly Germany has done an awfully good job in the last 10 years or so, improving competitiveness, putting very high pressure on its labour costs. When you look at unit labour costs to Germany, they have done a tremendous job in that respect. I’m not sure it is a sustainable model for the long term and for the whole of the group. Clearly we need better convergence.”[108]

Die Kritik an diesen sogenannten wirtschaftlichen Ungleichgewichten ist indes nicht neu, Lagarde hatte sie nur mit diesem Interview inmitten der Krise auf die Tagesordnung der Medien geholt. Überregionale Zeitungen wie die „Süddeutsche Zeitung“ und „Die Frankfurter Allgemeine Zeitung“[109] druckten die Meldung auf die Titelseite. Eine grundsätzliche Diskussion wurde – auch wegen der zahlreichen Gegenargumente (siehe AHb05) – danach jedoch nicht geführt.

Diese Analyse betrachtet den Zeitraum kurz vor Erscheinen des Artikels (13.03.2010) bis einige Tage danach (23.03.2010). Dabei soll untersucht werden, wie die analysierten Online-Medien darauf reagiert haben und welche – oder ob sie überhaupt – Stellung beziehen. Dabei bedeutet eine Kritik an Lagardes Kritik nicht, dass es sich dabei um Patriotismus oder Nationalismus handeln muss. Denn unter ökonomischen Gesichtspunkten ist die Frage nach den Ungleichgewichten umstritten. Die Art der Argumente ist also ausschlaggebend.

 

7.1.1        Einzelne Ergebnisse

7.1.1.1         Bild.de

Bild.de hat der Kritik von der Lagarde anscheinend keinen prominenten Platz eingeräumt. Die Meldung über die Aussage der französischen Finanzministerin versteckt sich im Wirtschaftsticker (ABi01): Dieser steht – ruft man heute die Seite ab[110] – in der Rubrik „Geld, Wirtschaft & Karriere“ an dritter Stelle. Dass dieser zum Zeitpunkt von Lagardes Kritik an anderer Stelle stand, kann nicht mit Gewissheit gesagt werden, er verändert ständig seine Position, steht sogar manchmal ganz oben auf der Seite.[111]

Die Nachricht selbst ist in einem – für Bild.de untypischen – seriösen Ton geschrieben. Auch die Ticker-Überschrift „Frankreich rügt Deutschlands hohe Exportquote“ bzw. „Franzosen kritisieren deutsche Wirtschaftspolitik“ (die Meldung wurde an diesem Tag zweimal mit leicht unterschiedlichem Inhalt veröffentlicht) ist streng nachrichtlich.

Der einzige weiterführende Artikel zu diesem Thema ist der Gastkommentar des Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (ABi02)[112] – und hier wird Lagarde auch nicht explizit erwähnt, sondern es wird von einigen „europäischen Politiker[n]“ gesprochen.

Der BDI-Präsident formuliert häufig in der dritten Person Plural und meint damit meistens die Deutschen: „Sollen wir jetzt etwa absagen, wenn ausländische Kunden unsere Produkte kaufen wollen?“, „…unsere Unternehmen“, „Anstrengungen (…), die wir in Deutschland schon hinter uns haben“ (Ident; Hervorhebungen vom Verfasser). Nur einmal meint er mit „Wir alle“ nicht nur deutsche Bürger, sondern wahrscheinlich alle europäischen Bürger[113].

Zudem attestiert er den Kritikern „Neid“ (ANeg) und stellt Deutschland selbst – und nicht nur die Wirtschaft – als „stark“ dar (DPos).

Da die Artikelanzahl sehr dürftig ist, kann kein einfaches Urteil gefällt werden: Bezeichnend ist jedoch, dass Lagardes Kritik nur in einem Ticker platziert, die Kritik an der Kritik jedoch durch einen Gastkommentar dargestellt wurde, der eine sehr einseitige Meinung vertritt.

7.1.1.2         Spiegel Online

Spiegel Online hat der Kritik von Lagarde im Beobachtungszeitraum acht Artikel gewidmet. Neben der ursprünglichen Nachricht befassen sich sechs weitere Meldungen mit Reaktionen auf die Kritik. Zudem gibt es noch eine Klickstrecke, die die Entwicklung der Arbeitskosten in „ausgewählten europäischen Ländern“ (ASp07) zeigt.

Gerade in den Teasern und Überschriften greift Spiegel Online zu deutlichen und meinungsaufgeladenen Ausdrücken: „Jetzt geht in der EU das Deutschland-Bashing los“ (ASp01), „In der Bundesregierung rüstet man schon zum Verteilungskampf“ (DVert) (ASp01) und „die Bundesregierung verteidigt sich vehement“ (DVert) (ASp02).

Einmal werden andere Länder auch explizit negativ konnotiert: „Günther Oettinger verteidigt die starke deutsche Exportwirtschaft gegen Kritik und Neid aus dem Ausland“ (ASp03) (DVert, ANeg) – dabei unterstellt Spiegel Online dem Ausland Neid; ganz im Gegensatz zu einem anderen Artikel: Dort wirft Bundeswirtschaftminister Rainer Brüderle Frankreich den „Neid“ lediglich vor (ASp08), die Äußerung wird sich aber nicht zu eigen gemacht.

Abgesehen von den Teasern und den Überschriften formuliert Spiegel Online aber sehr sachlich, nur einmal „hinken“ (ANeg) „andere Länder wie Griechenland“ (ASp01) der Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland hinterher.[114]

Sprachlich also lässt sich zumindest eine Tendenz hin zu einer deutschen Innenansicht erahnen.

Auf der Inhaltsebene wird es dann jedoch deutlicher: Kritik an Deutschland wird insgesamt 16 Mal geäußert, davon ist es aber acht Mal Lagarde selbst. Zweimal kommt die Kritik aus dem deutschen Lager – es sind der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sowie der Ökonom Gustav Horn; diese werden aber auch nur einmal am Ende des Artikels „Exportquoten-Zank: Oettinger empfiehlt Europa den deutschen Weg“ (ASp03) aufgeführt. Auch andere Stimmen, die Lagarde unterstützen, sind wenig vertreten, und die Quellenlage dazu ist teils nicht eindeutig: Mal wird schlicht konstatiert, dass sich „Länder wie Frankreich, Italien und Griechenland“ (worin die Gemeinsamkeit besteht, wird nicht gesagt) benachteiligt fühlen (ASp05), an anderer Stelle heißt es: „Länder wie Portugal werfen Deutschland hinter vorgehaltener Hand vor, sich mit Niedriglohnpolitik Vorteile auf Kosten der Nachbarn zu verschaffen.“ (ASp02) Eindeutige Quellen werden nicht genannt, was mit „Ländern wie Portugal“ gemeint ist, wird nicht erklärt.

Die Kritik an der Kritik fällt hingegen zahlreich aus: 12 der 20 Aussagen kommen zudem aus Deutschland, und zwei der vier Aussagen, die unter Ausland eingestuft sind, kommen von EU-Kommissar Günter Oettinger – einem deutschen CDU-Politiker.

Manchmal kommen die Kritiken auch ganz ohne Quelle aus: Dreimal schreibt Spiegel Online einfach von „Ökonomen“ (ASp01, ASp02, ASp06) ohne deren Herkunft oder Quelle zu nennen. Und manchmal streuen die Autoren ganz nebenbei ihre eigene Meinung ein:

„Den EU-Beamten sind die selbstverschuldeten Probleme der Euro-Länder bewusst – dennoch wird die deutsche Regierung jeden Schritt in Brüssel aufmerksam beobachten.“ (ASp01)

„Andere Länder wie Frankreich oder Griechenland haben keine vergleichbaren [Strukturreformen] in Angriff genommen – und stehen nun schlechter da. Trotzdem bekommt Frankreichs Wirtschaftsministerin durchaus prominente Unterstützung.“ (ASp06)

Der Gebrauch von „Trotzdem“ suggeriert dem Leser, dass Lagarde mit ihrer Theorie unrecht hat und eigentlich keine Unterstützung bekommen dürfte.

Der auffälligste Artikel ist aber die Klickstrecke „Vergleich der Arbeitskosten: Wie Deutschland die EU-Konkurrenz abhängt“ (ASp07). Gleich in der Überschrift wird Deutschland mit seiner Wirtschaftspolitik als positiv dargestellt, indem es „die EU-Konkurrenz abhängt“; im Text ist von der „europäische[n] Exportmacht Nummer eins“ die Rede[115].

Insgesamt lässt sich bei Spiegel Online durchaus eine Tendenz dazu feststellen, die Wirtschaftspolitik Deutschlands zu verteidigen; dazu trägt die deftige – teils reißerische – Sprache in Teaser und Überschrift bei, aber auch die recht einseitige Fokussierung auf vor allem deutsche Quellen und auf Kritiker der Kritik.

 

7.1.1.3         Handelsblatt.com

Im untersuchten Zeitraum erschienen zu der Kritik von Lagarde auf Handelsblatt.com acht Artikel: Darunter finden sich vier Meldungen, zwei Berichte (einer davon mit „Exklusiv“ markiert), ein Kommentar (AHb05) sowie ein Blog-Eintrag auf dem hausinternen Handelsblog (AHb06).

Auf sprachlicher Ebene gibt es nur wenige Anhaltspunkte einer deutsch-patriotischen Sichtweise: Auch wenn die erste Meldung zum Thema mit „Französische Wirtschaftsministerin schießt gegen Deutschland“ (AHb01) (AAgr) überschrieben ist und im selben Artikel „Staaten wie Griechenland“ der Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland hinterher „hinken“[116] (ANeg), sind die restlichen Überschriften und Teaser eher sachlich formuliert. Selbst der Blog-Eintrag (AHb06) ist zwar zugespitzt, verzichtet aber auf Erste-Person-Plural-Pronomina.

Auf inhaltlicher Ebene wurde 21 Mal Kritik an Deutschland geäußert, davon war es acht Mal Lagarde selbst.

Drei weitere Stimmen kommen aus Deutschland – zweimal sind es Ökonomen (beide AHb01), einmal werden „die Gewerkschaften“ als Quelle genannt (AHb05).

Neben Lagarde gibt es neun weitere Aussagen aus dem Ausland; ein Mal ist es eine weitere Regierungsquelle (AHb02), ein Mal ist es der damalige IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn (AHb07), drei Mal kommt die Kritik aus der EU (AHb01, AHb06, AHb02), zwei Mal wird die Meinung von nicht-deutschen Ökonomen widergegeben (beide AHb06), und zwei Mal fällt die Aussage unter „Sonstige Quellen“ („einige schwächere Euro-Länder mit Staatsdefiziten werfen Deutschland vor“, „In Athen wird häufig betont…“) (AHb05, AHb03). Zudem ist ein Mal keine Quelle angegeben: „An erster Stelle steht meist der Vorwurf“ (AHb05). Auffällig dabei: Die beiden Meinungsstücke (AHb05, AHb06) weisen die meiste Kritik an der Kritik auf – weil sie dort gleich widerlegt werden.

Andererseits wurde 31 Mal Kritik an der Kritik geäußert.

20 Mal sind es deutsche Quellen. Dabei sind es mit acht Mal überwiegend Meinungen aus der Industrie; jeweils sechs Mal werden deutsche Regierungsquellen und Ökonomen zitiert. Sieben Mal wird Kritik aus dem Ausland geäußert; zitiert werden dabei vier Regierungsquellen, vier internationale Organisationen und einmal die Chefin des französischen Unternehmerverbandes Medef. Zwei Mal kritisiert handelsblatt.com die Kritik von Lagarde selbst, einmal per Blog-Eintrag (AHb06) und einmal per Kommentar (AHb05).

Die Meinungsstücke spiegeln dabei die quantitative Auswertung wider: Sie wenden sich deutlich gegen die Kritik von Lagarde. Während der Blog-Eintrag (AHb06) recht oberflächlich bleibt und die Frage aufwirft, wie Deutschland die Kritik umsetzen könne, geht der Kommentar „Export-Politik: Löhne rauf? Wo Frankreichs Kritik ins Leere läuft“ (AHb05) sehr ins Detail: Hier werden die Kritikpunkte Lagardes betrachtet, abgewogen und entkräftet – mit einer auch für Nicht-Ökonomen einleuchtenden Argumentation. Dieser muss man zwar nicht folgen, aber sie geht inhaltlich weit hinaus über die üblichen „objektiven“ Meinung-Gegenmeinung-Meldungen.

Bei den Berichten und Meldungen ist zudem ein Trend zu erkennen: Am Anfang stand noch die Kritik an Deutschland im Vordergrund, sogar im Teaser des ersten Artikels steht: „Deutsche Ökonomen springen der Politikerin [Lagarde] bei.“ (AHb01) Auch beim zweiten Artikel – der aber in einem anderen Kontext steht – ist die Kritik an Deutschland klar vertreten (AHb02). Erst einen Tag nach Eröffnung der Debatte wendet sich das Blatt, und die Kritik am Export-Modell wird entweder kaum genannt oder nur aufgezählt, um gleich danach entkräftet zu werden.[117]

Insgesamt lässt sich bei handelsblatt.com eine leichte patriotische Ausrichtung erkennen, die aber an eine streng ökonomische (monetaristische) Weltsicht gekoppelt ist. Das wird vor allem an den beiden Meinungsbeiträgen deutlich und auch an dem hohen Anteil von Quellen aus der Wirtschaft: Die handelsblatt.com-Redaktion verteidigt zwar das deutsche Export-Modell, dies wird aber aus ökonomischer Perspektive „rational“ begründet.

 

7.1.1.4         Taz.de

Im gesamten Beobachtungszeitraum hat taz.de lediglich einen Artikel zur Lagarde-Thematik veröffentlicht. Der Artikel wird überschrieben mit „Frankreich kritisiert Deutschland: Billiglöhne auf Kosten anderer Länder“ (Ata01), wodurch der Inhalt von Lagardes Kritik prominent Erwähnung findet. Andere Länder als Deutschland werden dabei mit der Formulierung „auf Kosten anderer“ als Opfer dargestellt.

Im Teaser heißt es zwar: „Frankreichs Ministerin greift die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung an“ (Aagr). Doch im weiteren Text werden keine weiteren Militarismen benutzt. Zudem wird der Kritik von Lagarde viel Raum gegeben: So zitiert taz.de einen „‚Frühwarnbericht‘ der deutschen EU-Vertretung in Brüssel“ und „linke Ökonomen“: Diese sind Gustav Adolf Horn und Dierk Hirschel, Chefvolkswirt des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Die Kritik an der Kritik kommt von den „deutschen Exporteure[n]“ – vertreten durch den Sprecher des Außenhandelsverbandes BGA – sowie der Bundesregierung, geäußert von Vizeregierungssprecher Christoph Steegmans.

Damit legt taz.de einen deutlichen Schwerpunkt auf die Kritik von Lagarde, untermauert sie sogar noch durch die Meinung zweier Ökonomen. Allerdings fehlt die Einschätzung eines tendenziell marktliberalen Ökonomen; die Kritik an der Kritik wird nur von einer Lobby-Gruppe und der Bundesregierung geäußert und baut auf keiner wirtschaftswissenschaftlichen Grundlage auf.

Ähnlich wie bei Bild.de lässt sich aufgrund der sehr kleinen Stichprobe (ein Artikel) kein endgültiges Fazit ziehen. Festzuhalten bleibt jedoch, dass taz.de der Kritik von Lagarde viel Platz einräumt und diese mit weiteren Meinungen unterstützt.

 

7.1.2        Vergleich der Ergebnisse

Auch wenn bei Bild.de und taz.de die Stichprobe sehr gering ausfällt, um geeignete Aussagen zu treffen, kann man doch kleine Schlüsse daraus ziehen: Bild.de ordnet die Lagarde-Kritik mit einem Gastkommentar aus der deutschen Wirtschaft ein – zwar grenzt sich die Redaktion mit dieser Darstellungsform von den Aussagen gewissermaßen ab, da es aber die einzige Meinungsäußerung verbleibt, lässt sich hier eine Tendenz zur Verteidigung des deutschen Export-Modells erkennen.

Bei taz.de hingegen wird die Kritik mit ökonomischen Argumenten unterstützt, die Gegenseite wird nur am Ende kurz erwähnt.

Wegen der im Vergleich recht umfangreichen Berichterstattung von Spiegel Online und handelsblatt.com lohnt sich hier ein genauerer Blick: Während Spiegel Online – abgesehen von einer Klickstrecke – fast nur Meldungen veröffentlicht, bezog handelsblatt.com mit zwei Meinungsstücken deutlich Stellung und untermauerte damit zugleich die ökonomische Kompetenz der Redaktion.

Bei Spiegel Online kann der Leser sich nicht sicher sein, welche Meinung vertreten wird – diese ist nur unterschwellig erkennbar, da die Meinungshoheit eher auf der Gegenseite von Lagardes Theorie liegt. Es ist aber nicht ersichtlich, ob dies aus patriotischen oder ökonomisch-argumentativen Gründen praktiziert wird.

Daher lohnt sich ein Blick auf den nächsten Fall.

 

7.2       Fall B: Griechenlands Sparpaket

Die traditionsreiche US-Investmentbank Lehmann Brothers meldete am 15. September 2008 Konkurs an – das markierte zwar nicht unbedingt den Beginn einer weltumspannenden Finanzkrise, die bis heute andauert, aber zumindest dessen öffentliche Wahrnehmung. Im Zuge dieser Krise gaben Staaten Milliarden Euro aus, um die Finanzinstitute zu unterstützen; denn diese galten als „too big to fail“ oder als „systemrelevant“. Die Folge davon: Die ohnehin schon hoch verschuldeten öffentlichen Haushalte nahmen neue Schulden auf.

Damit verschärfte sich besonders die Lage von Ländern, die ohnehin schon auf Pump lebten. Investoren zögerten daraufhin, griechische Staatsanleihen zu kaufen, da sie nicht sicher waren, ob sie das Geld noch zurückbekommen würden. Die Zinsen für diese Papiere stiegen und es wurde für Griechenland und andere verschuldete Länder immer schwerer, sich Geld am Finanzmarkt zu leihen.

Um der Pleite von Ländern vorzubeugen, bot die EU im Zuge der Krise (die im Laufe der Zeit in Banken-, Finanz-, Wirtschafts- oder Schuldenkrise umetikettiert wurde) mit Hilfe der Mitgliedsstaaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) den Ländern finanzielle Unterstützung an.

Diese Unterstützung in Form von Krediten war aber an Auflagen gebunden: Die Länder, die die Hilfe in Anspruch nehmen sollten, sollte ein striktes Sparprogramm vorgeschrieben werden, das die Ausgaben der öffentlichen Haushalte drastisch reduzieren sollte.

Diese Einschnitte hätten – das zeigt die Geschichte der IWF-Maßnahmen – vor allem Sozialleistungen betroffen. Um der Bevölkerung dies zu ersparen, sträubte sich besonders das hochverschuldete Griechenland lange Zeit, diese Hilfen anzunehmen.

Am 23. April 2010 war es dann jedoch soweit und der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou bat in einer kurzen Ansprache offiziell um die Unterstützung.

In Deutschland wurde über diese Hilfe stark diskutiert, da die Bundesrepublik wohl am meisten zu ihr beisteuern musste. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zögerte lange, bis sie schließlich ihr „Ja“ gab. Viele Politikjournalisten führten dieses Verhalten auf die bevorstehende Wahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai 2010 zurück. Merkel habe, so der Vorwurf, auf Zeit gespielt, um sich als „Eiserne Kanzlerin“ (so die BILD-Zeitung) präsentieren zu können.

Am 2. Mai 2010 wurde schließlich das 110 Milliarden Euro große Rettungspaket beschlossen.

Diese Analyse beginnt einen Tag bevor Griechenland um Hilfe bittet (22. April 2010) und endet bei der Verabschiedung des Rettungspaketes (2. Mai 2010). Sie untersucht, wie die analysierten Online-Medien auf die Beantragung sowie die Verabschiedung der Milliarden-Kredite reagiert haben. Dabei wurde – im Gegensatz zu Fall A – darauf verzichtet, die Quellen nach ihrem Inhalt zu ordnen. Während bei Fall A sich zwei recht klar definierte Positionen gegenüberstanden, ist dies hier nicht der Fall. Zu komplex und zu unterschiedlich sind die Lösungsansätze und auch die Inhalte, die sich um diese Diskussion rankten, als dass sie sinnvoll in ein Kategoriensystem übertragbar gewesen wären.

Wie bei Fall A gilt aber auch hier: Nur anhand der vertretenen Meinungen können keine Rückschlüsse auf nationale oder patriotische Tendenzen geschlossen werden. Ökonomen streiten noch immer darüber, was für Griechenland am besten gewesen wäre. Daher muss verstärkt darauf geachtet werden, aus welchen Gründen ein Medium einen gewissen Standpunkt vertritt.

 

7.2.1        Einzelne Ergebnisse

7.2.1.1         Bild.de

Bild.de hat im Untersuchungszeitraum 36 Artikel veröffentlicht, die sich mit der Griechenland-Thematik befassen. Dabei vertritt die Site eine sehr deutliche Linie, die sich auch in den negativen Konnotationen niederschlägt: 20 Mal (Schnitt: 0,56/Artikel) wird das griechische Volk verallgemeinernd in einem schlechten Licht dargestellt: Am häufigsten ist – teilweise in Überschriften – von „Pleite-Griechen“ (zum Beispiel in BBi01, BBi06, BBi08, BBi16, BBi18, BBi28) zu lesen, wodurch die ganze Bevölkerung zu Schuldensündern deklariert wird. „Ein Land bettelt bei der EU und beim IWF um Hilfe“ (BBi06), es ist das „Land der Bankrotteure und Luxusrenten, Steuerhinterzieher und Abzocker“ (BBi08), die Korruption ist „die griechische Krankheit“ (BBi08).

In einem Artikel werden zudem Bild.de-User-Kommentare – allesamt anti-griechisch – veröffentlicht:

„CyberDN schrieb: ‚WAS FÜR EINE ARROGANZ !!!!! Die machen schwarz Kohle ohne Ende und haben genug Kohle in der Schublade! Sollen die Griechen ihren Mist doch selber ausbügeln!!! Diese Arroganz ist ja wohl nicht mehr zu stoppen! Unfassbar!!‘“

„Bibihase schrieb: ‚Das ist ja typisch. Schön die Hände aufmachen, aber nichts in die Kassen geben wollen. Als Erstes sollten die Bürger Griechenlands sparen, bevor sie das Geld von anderen ehrlichen Menschen nehmen.‘“ (BBi12)

Auch die Überschrift „Klüngel, Korruption, Familienbande: So funktioniert das System Griechenland“ (BBi13) scheint sich auf das ganze Land zu beziehen, dabei geht es – in einem sehr informativen Artikel – nur um die Politiker-Dynastien Griechenlands, Papandreou und Karamanlis.

Darunter mischt sich einmal auch ein Stereotyp: „Seit Beginn der Athener Schulden-Krise wissen wir: In Griechenland gehören Korruption und Bestechung zum Alltag wie Gyros und Souvlaki.“ (BBi31)

Dabei darf nicht unterschlagen werden, dass die Griechen auch positiv bewertet werden: In der „Post von Wagner“ (BBi07) zählt Franz Josef Wagner keine ökonomischen, sondern emotionale, historische und kulturelle Gründe auf, warum Deutschland den Griechen helfen sollte (Demokratie, Tanz des Zorba, Licht, Wasser und Freundschaft). Und er merkt an: „Ich habe nur wunderbare Griechen erlebt.“ (BBi07)

Ein weiteres Merkmal der Bild.de-Berichterstattung ist die Identifikation mit der deutschen Nation via Pronomina. Eine kleine Auswahl: „Wir können mit in die Tiefe gezogen werden!“ (BBi01) „Wir Deutsche“ (BBi10), „unsere ‚Eiserne Kanzlerin‘“ (BBi10), „Angst um unser Geld!“ (BBi16), „Milliarden für Griechenland: Und was ist mit uns?“ (BBi38), „Warum zahlen wir den Griechen ihre Luxus-Renten?“ (BBi15). Insgesamt 30 Mal (Schnitt: 0,83/Artikel) appelliert Bild.de an das Gemeinschaftsgefühl der Deutschen. Insbesondere beim Kommentar „Glückwunsch, liebe Bundesregierung“ (BBi28) wird das deutlich (Hervorhebungen nicht im Original):

„Wenn es ums Geld geht, gibt sich unsere Bundesregierung meistens sehr zugeknöpft.

Wir haben angeblich kein Geld für Steuersenkungen.

Wir haben kein Geld für Kindergärten und Kitas.

Wir haben kein Geld für die Sanierung baufälliger Schulen.

Wir haben kein Geld, um in unseren Städten Parks und Grünanlagen zu pflegen.

Wir haben kein Geld für das Flicken der unzähligen Schlaglöcher auf unseren Straßen.

Wir haben kein Geld für die Erhaltung kleiner Theater und Kultureinrichtungen.

Und wir haben natürlich auch kein Geld für Rentenerhöhungen. Aber plötzlich haben unsere Politiker Milliarden Euro für die Griechen, die jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt, sich den Euro erschummelt und Europa nach Strich und Faden belogen haben.

Da kann man nur sagen: Herzlichen Glückwunsch, liebe Bundesregierung!“ (BBi28)

Dieser Kommentar drückt auch gut die Grundhaltung von Bild.de aus, die sich leicht zusammenfassen lässt: Griechenland hat zu viel Schulden, muss deswegen sparen oder am besten gleich aus dem Euro austreten. Deutschland gilt als Zahlmeister.

Dabei wird oft, aber nicht immer emotional argumentiert. Der Artikel „Tretet aus, ihr Griechen“ bringt auch ökonomische Maßstäbe ins Spiel: „Offenkundig überfordert die gemeinsame Währung das Land derzeit. Ohne den Euro, der ja auch ein enges Korsett ist, haben die Griechen wirtschaftlich mehr und bessere Hebel in der Hand, sich zu sanieren. Griechenland, die Mutter aller Demokratien, gehört zu Europa. Auf Zeit aus dem Euro auszusteigen ist keine Schande, sondern würde alle Europäer neuen Respekt vor den Griechen lehren.“ (BBi03)

Diese Einstellung von Bild.de wird auch recht durchgängig in den Artikeln vertreten, was durch den hohen Wert in der Ausprägung „Eigene Meinung“ ausgedrückt wird: 15 Mal (Schnitt: 0,42/Artikel) wird deutlich eine eigene Meinung vertreten. Einerseits liegt das an den fünf Kommentaren (BBi03, BBi10, BBi11, BBi28, BBi40), andererseits aber auch an den Berichten, die Korrespondenten aus Griechenland schreiben (BBi08, BBi12, BBi14, BBi17, BBi36, BBi37).

Dabei will Bild.de häufig zeigen, dass die Griechen es mit dem Sparen entweder nicht ernst meinen oder auf den Kosten des deutschen Steuerzahlers leben. Die ersten Absätze des Artikels „Pleite-Griechen: Hier feiern sie ihre Finanzspritze“ (BBi06) bringt die Haltung gut auf den Punkt: „Sie demonstrieren gegen ihren Ministerpräsidenten, sind wütend auf Deutschland und die EU – aber wollen am liebsten einfach so weitermachen wie bisher! Der Tag nach dem Pleite-Schock in Athen – die Griechen müssten eigentlich wissen, wie ernst die Lage für sie jetzt ist… ABER WISSEN SIE DAS WIRKLICH? BILD.de-Besuch in Athen!“ (BBi06)

Der letzte Satz lautet: „Die Pleite-Griechen schaufeln damit weiter an ihrem eigenen Grab…“

Auch ist dieser Artikel ein Ausdruck der besonderen Quellenlage von Bild.de; es kommen sehr viele Bürger aus Griechenland zu Wort, 14 Mal insgesamt, jedoch verteilt auf vier Artikel (BBi06, BBi08, BBi14, BBi18).

Ein Beispiel: „Auf Deutschland sind sie hier (…) nicht gut zu sprechen, viele sagen uns: „Ihr in Deutschland denkt doch sowieso nur, dass in Griechenland alle korrupt sind. Aber das ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit.“ Gleichzeitig sind die Griechen sauer auf ihren Ministerpräsidenten, der ihnen jetzt an die Pensionen will. Und auf die „reichen Banker“ auf den Inseln. „Die haben doch unser Geld mitgenommen“, sagen die Menschen in Athen.“ (BBi06)

Ein besonderer Artikel in diesem Zusammenhang ist „Tschüs [sic], Euro! BILD gibt den Pleite-Griechen die Drachme zurück“ (BBi14), bei dem der Bild.de-Reporter sich Drachmen[118] besorgt, diese griechischen Bürgern zeigt und am Ende auch damit zu zahlen versucht:

„Ich mische mich unter die Demonstranten, weitere Scheine in der Hand. Eine alte Frau stürzt auf mich zu, sagt: ‚Gibt es in der Nationalbank endlich wieder Drachmen, die wir alle bekommen können?‘ Als ich verneine, wendet sie sich enttäuscht ab, demonstriert weiter.

Auch die beiden jungen Frauen Eri Brasianaki (20) und Elena Koukia (20) sind fasziniert von den Scheinen, sagen: ‚Von uns aus kann es ruhig wieder Drachmen geben! Und schöner als die Euros sind sie auch.‘

Ich mache die Probe aufs Exempel, trinke im Café einen Cappuccino, lege einen 1000-Drachmen-Schein auf den Tisch. Der Kellner schaut mich entgeistert an, lacht dann: ‚Das ist nicht Ihr Ernst! Diese Dinger will ich in nie wieder sehen.‘

Viele Griechen sehen das aber ganz anders!“ (BBi14)

Auf diese Weise macht Bild.de Stimmung für ihre eigene Meinung. Weitere Aussagen wie folgende unterstreichen dies: „BEIM ZEUS WO ENDET DAS!“ (BBi01), „Die EU wird’s schon richten“ (BBi08), „Haben die Griechen denn gar nichts kapiert?“ (BBi12), „Dreister geht‘ [sic] nicht! Das Land ist pleite, doch die Griechen legen ihre Arbeit nieder – sie haben den Ernst der Lage offenbar immer noch nicht begriffen.“ (BBi12)

Letzteres Zitat bringt auch zum Ausdruck, wie die Streiks in Griechenland angesehen werden. Während Deutschland viel Geld für sie zahlt, gehen die Griechen auf die Straßen. Denn „eine große Mehrheit der Griechen ist gegen die Hilfe von außen, weil sie eine Verschlechterung ihres Lebensstandards fürchtet.“ (BBi25)

Dabei werden die Sparmaßnahmen zwar aufgezählt, aber nicht, was sie für die Bürger genau bedeuten oder ob sie gerecht auf verschiedene Einkommensgruppen verteilt sind. Die Demonstranten sind für Bild.de nur Störenfriede, die die Sanierung Griechenlands verhindern:   „Die Griechen wollen und wollen einfach nicht sparen…!“ (Hervorhebung im Original) (BBi12), „Die Griechen protestieren gegen die Krise – aber so werden sie die Krise nicht überwinden…“ (BBi22), „Bezahlen für ihre eigene Pleite sollen nur die anderen“ (BBi25); nur selten werden Gewerkschaften gefragt, aber dann auch gleich wieder ihrer Auffassung relativiert: „Das Urteil der Gewerkschaften: ungerecht. Das Land soll mittels eines Generalstreiks lahmgelegt werden. Wirklich helfen wird das sicher nicht…“ (BBi30)

Kritik an Deutschland selbst oder der Regierung wird eher angedeutet, aber nicht wirklich thematisiert: Angela Merkel „gilt bei den Griechen immer noch als diejenige, die ihnen Hilfe verweigern will“ – Bild.de distanziert sich damit deutlich von der Kritik an der Kanzlerin, nur die Griechen sehen es so.

„Seit Wochen scheidet die Debatte um die milliardenschwere Finanzspritze die Geister. Derzeit zeigt man in Europa mit dem Finger auf Deutschland. Der Tenor: Merkel schade der EU mit ihrer Verzögerungs-Taktik. Doch die Kanzlerin bleibt dabei. Übereilte Zahlungen ausgeschlossen.“ (BBi18) Indem andere in Europa „mit dem Finger auf Deutschland“ zeigen, wird die Kritik in ein schlechtes Licht gerückt und damit abgewertet, Merkel hingegen als „Eiserne Kanzlerin“ (BBi10) gefeiert wird.

Wenn Quellen aus der deutschen Politik (insgesamt 20 Mal, Schnitt: 0,56/Artikel) referiert werden, sind es meistens Angela Merkel und Bundesfinanzmister Wolfgang Schäuble. Politische Stimmen aus anderen Ländern (sieben Mal, 0,19/Artikel) oder internationalen/supranationalen Organisationen (fünf Mal, 0,14/Artikel) kommen eher selten vor.

Bild.de versteht sich – wie auch die Print-Ausgabe – als „Anwalt des kleinen Mannes“, was in dem Artikel „Milliarden für Griechenland: Und was ist mit uns?“ (BBi38) zum Ausdruck gebracht wird: Hier werden elf Bürger Deutschlands danach befragt, in welche Projekte die Bundesregierung investieren sollte – anstatt Griechenland zu helfen.

 

Zusammenfassung

Bild.de kann nicht wirklich als patriotisch, sondern eher als populistisch-nationalistisch angesehen werden. Kritik an der eigenen Regierung oder dem eigenen Land wird abgeschmettert oder gar nicht erst erwähnt. Die griechische Bevölkerung hingegen wird abwertend und verallgemeinernd als „Pleite-Griechen“ beschrieben.

Die Deutungshoheit bleibt dabei stets bei Bild.de: Die Redaktion vertritt ihre Meinung oft und nicht nur in Kommentaren. Dadurch und durch die Berichterstattung direkt aus Griechenland wirkt die Schilderung der Ereignisse wenig abstrakt, sondern eher nah am Menschen.

Doch auch wenn die Sprache einfach gehalten ist und Deutschlands Wohl stets im Vordergrund steht, sind die Argumente in der Griechenland-Frage auch ökonomischer Natur und entspringen nicht nur einem nationalistisch geprägten Denkmuster.

 

7.2.1.2         Spiegel Online

Spiegel Online hat im Beobachtungszeitraum 67 Artikel veröffentlicht, die sich mit der Griechenland-Thematik beschäftigen. Diese unterteilten sich in  37 Meldungen, 22 Berichte, vier Gastkommentare, zwei Interviews und zwei Kommentare.

Die quantitative Inhaltsanalyse brachte bei der sprachlichen Formulierung kaum nationale Tendenzen zum Vorschein: So wird einmal mit dem Wort „Prass-Wirtschaft“ (BSp53) die griechische Wirtschaft stark vereinfacht als verschwenderisch dargestellt und so negativ konnotiert.[119] Ansonsten pflegt Spiegel Online hauptsächlich einen eher nüchternen Stil – zumindest in den Artikeltexten. In Teasern und Überschriften – wie schon bei Fall A bemerkt – finden sich teilweise drastische Formulierungen. Da wird von einem „griechische[n] Finanzdesaster“ (BSp01) gesprochen, oder die „FDP torpediert Schäubles Griechen-Hilfsplan“ (BSp18).

Die Berichterstattung von Spiegel Online fokussiert sich dabei sehr auf die innenpolitische Thematik, was sicher auch – aber nicht nur – mit den zu dieser Zeit bevorstehenden Wahlen in Nordrhein-Westfalen zu tun hat. Gerade am Anfang des Beobachtungszeitraums werden oft Reaktionen von deutschen Politikern referiert.

Das schlägt sich auch deutlich in der Quellenlage nieder: 138 Mal werden deutsche Politiker als Quelle genannt. Das sind 70 Prozent aller deutschen Quellen (DQ: 196), mehr als alle Quellen aus anderen Ländern zusammen (AQ: 117) und 37 Prozent aller Quellen überhaupt (374). Im Schnitt werden deutsche politische Quellen 2,06 Mal pro Artikel zitiert – und darin sind deutsche EU-Parlamentarier noch nicht enthalten. Politiker aus anderen Ländern kommen hingegen nur 41 Mal vor (Schnitt: 0,61/Artikel).

Dieses Verhältnis kommt unter anderem auch durch den Aufbau einer typischen Spiegel-Online-Meldung zustande. In den ersten zwei Absätzen steht die eigentliche Nachricht, so zum Beispiel im Artikel „Griechenland-Hilfe: Schäuble besänftigt die Steuerzahler“ (BSp47). Danach folgen Absatz um Absatz Politiker-Statements, die teilweise schon in anderen Meldungen zuvor aufgetaucht sind und einfach wiederholt werden.

Trotzdem lässt sich daran sehr gut die innenpolitische Sichtweise der Spiegel-Online-Redaktion ausmachen. So heißt es etwa bei der Meldung „Drohende Staatspleite: Griechenland bittet Euro-Länder um Finanzspritze“ bereits im Teaser: „Auch auf Deutschland kommen nun hohe Kosten zu.“ (BSp03) Und nach dem Beschluss des Hilfspakets wird schon im Teaser erwähnt: „Deutschlands Anteil: gut 22 Milliarden Euro“ (BSp67).

Abgesehen von den möglichst neutral gehaltenen Meldungen nehmen die Autoren in den Berichten einen kritischen Standpunkt ein. Diese Berichte fußen meist auf aktuellen Meldungen und bieten dabei eine tiefergehende Analyse. Als Griechenland die Hilfe anfordert, heißt es etwa:

„Damit ist der Plan von Kanzlerin Angela Merkel und ihrer schwarz-gelben Bundesregierung dahin: Sie hofften, dass die Griechen vielleicht doch noch ein paar Wochen durchhalten, bevor sie um Hilfe bitten. Hauptsache, die so wichtige Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai ist vorüber, bei der CDU und FDP auf die Fortführung ihrer Koalition hinarbeiten. Merkel und ihr Koalitionspartner Guido Westerwelle wissen genau: Die Zahlung von deutschen Steuermilliarden an die Griechen ist beim Wahlvolk äußerst unpopulär. Nach dem 9. Mai ließe sich über die ungeliebten Milliarden für Athen leichter reden.“ (BSp04)

Auch nach dem Hilfegesuch Griechenlands fokussiert sich die Berichterstattung auf deutsche Politik. In dem Artikel „Drohende Staatspleite: CSU legt Griechenland Austritt aus Europäischer Währungsunion nahe“ (BSp09) werden drei Mal deutsche Politiker genannt; zweimal dienen supranationale/internationale Organisation als Quelle – wobei einer davon der CSU-EU-Parlamentarier Werner Langen ist. Der einzige erwähnte Politiker eines anderen Landes ist der Finanzminister der USA, Timothy Geithner. Eine griechische Position wird gar nicht vertreten. Bei der Meldung „FDP torpediert Schäubles Griechen-Hilfsplan“ (BSp18) sieht es ebenfalls nicht anders aus.

Schließlich analysiert Spiegel Online in „Merkel fürchtet die Rache der Stammtische“ (BSp19) die Positionen der Regierung und der Opposition zum Thema Griechenland. Hier werden im Grunde nur die Standpunkte wiederholt, die ohnehin schon in den Meldungen zuvor häufig wiedergegeben wurden. Allerdings erlaubt sich der Autor ein wenig mehr eigene Meinung und wirft Merkel vor, dass sie wegen der NRW-Wahlen auf Zeit spiele (BSp19). Später wird in einem ähnlichen Artikel (BSp42: „Deutschland und die Griechenland-Hilfe: Krisenmanager in der Krise“) das Verhalten deutscher Politiker während der Griechenland-Krise unter die Lupe genommen.

Die Kritik an Merkel nimmt im Verlauf der Zeit zu: In „Euro-Angst treibt Merkel zur Griechen-Rettung“ (BSp35) heißt es: „Sie bremste, pokerte, gefiel sich in der Rolle der eisernen Kanzlerin. Angela Merkel wollte die Griechen-Krise bis zur NRW-Wahl aussitzen. Doch die Regierungschefin hat sich verzockt: Sie steht in der Kritik und muss nun selbst zur Eile mahnen – weil die Rettung der Hellenen immer teurer wird.“ (BSp35) Und in „Merkels Schuldenregierung: Kanzlerin am Dispo-Limit“ (BSp36) wird auf die eklatante Verschuldung Deutschlands hingewiesen.

Dabei zielt die Kritik aber nur auf das zögerliche Handeln der Kanzlerin ab: „Mit ihrer Bummeltaktik hat die Kanzlerin das Vertrauen in die europäische Währungsunion aufs Spiel gesetzt und die Gefahr eines Domino-Effekts in der Euro-Zone (Portugal, Spanien) womöglich verschärft. Die Rettung der Griechen wird nun auf jeden Fall teuer.“ (BSp42)

Die Standpunkte zur Griechenland-Frage selbst werden dabei nicht hinterfragt. Im Gegenteil: In „Merkel warnt vor Reform-Bremse in der Finanzkrise“ werden die Aussagen der Bundeskanzlerin über sechs von acht Absätzen referiert (BSp38), ohne sie einzuordnen oder eine Gegenmeinung aufzustellen. Ähnlich verhält es sich mit dem Artikel „Merkel setzt griechische Regierung unter Druck“ (BSp05); in dem – so der Teaser – „die Bundeskanzlerin (…) intensive Sparmaßnahmen von Ministerpräsident Papandreou“ fordert (BSp05). Ihr schlägt dabei nur wenig Kritik entgegen, von Papandreou wird nur wiederholt, dass er die Hilfe beantragt hat. Am Ende darf SPD-Chef Sigmar Gabriel noch sagen: „Frau Merkel hat die Deutschen belogen und hinters Licht geführt.“

Außerdem wird in „Streit über Griechenland-Strategie: Merkel verbittet sich Kritik aus dem Ausland“ (BSp40) geschrieben, dass Merkel wegen „ihrer harten Haltung gegenüber Kredithilfen immer wieder kritisiert worden“ sei – worin diese Kritik genau bestand, bleibt nicht nur in diesem Artikel offen. Dafür kann die Regierung ausführlich ihre Sicht der Dinge darlegen. Und in „Köhler attackiert Profiteure der Griechen-Krise“ kann sich der damalige Bundespräsident über mehrere Absätze über Finanzjongleure auslassen (BSp46). Weitere Artikel, die in diese Kategorie fallen, sind: „Westerwelle fordert europäische Rating-Agentur“ (BSp31), „Schäuble besänftigt die Steuerzahler“ (BSp47), „CSU droht Zockern mit schwarzer Liste“ (BSp56) und „Schäuble drängt Banken zum Kauf griechischer Anleihen“ (BSp58), „Rüttgers fordert strikte Kontrollen“ (BSp69) und „Merkel will Schuldenkönige abstrafen“ (BSp71).

Auch wenn das Gros der Artikel eher auf innen- und parteipolitische Analysen sowie die wiederholte Wiedergabe von Statements wert legt, gibt es auch Artikel mit einem anderen Schwerpunkt. Darunter ist etwa ein interessanter Versuch, die Wirtschaft dem Leser nahe zu bringen: „Beratungscheck bei Banken: Hellas-Zocken für Anfänger – Ein Selbstversuch von Christian Teevs“ (BSp08). Dabei geht der Autor in drei verschiedene Banken und fragt, ob er sich Griechenland-Anleihen kaufen könne:

„Der Mann, er ist etwa Mitte dreißig, ruft ein paar aktuelle Staatsanleihen auf seinen Bildschirm. ‚Griechenland, Fälligkeit 19. Juni 2020, 9,1 Prozent Rendite.‘ Natürlich sei die hohe Rendite ‚verlockend‘, sagt der Haspa-Berater. Aber ob ein Land denn nicht auch pleitegehen könne? Das wisse er jetzt nicht genau, aber es sei doch ‚eher unwahrscheinlich‘.

Auf Nachfrage gibt er allerdings zu, dass Staatsanleihen kaum von Privatkunden gekauft würden: ‚Das gibt es schon ab und zu mal, aber das sind dann richtige Zocker, die sich intensiv mit den Finanzmärkten beschäftigen.‘ Er würde dazu raten, nicht alles auf eine Karte zu setzen und die 10.000 Euro in verschiedene Finanzprodukte zu investieren – sichere und spekulative. Griechenland sei ‚sicher spekulativ‘.“ (BSp08)

Das Fazit des Autoren: „Geld mit griechischen Anleihen zu machen, das bleibt wohl doch eher den Top-Spekulanten überlassen.“ (BSp08)

Ebenfalls ein erwähnenswerter Bericht ist „Sparen wie die Griechen“ (BSp64), bei dem die Autorin mit Hilfe des wissenschaftlichen Beirats des Finanzministeriums konstruiert, was Deutschland sparen müsste, wenn es dieselben Auflagen wie Griechenland erhielte.

So heißt es: „Aber zehn Prozent weniger Rente? Und zehn Prozent weniger Beamten-Gehalt? Ein Ruheständler mit 1200 Euro Monatsbezügen bekäme dann nur noch 1080 Euro. Oder nehmen wir eine 35-jährige Lehrerin in Rheinland-Pfalz. Sie würde nur noch knapp 3020 Euro brutto verdienen statt 3355 Euro. Würden die Deutschen das mitmachen? Abgesehen von den rechtlichen Problemen. Renten gelten als eigentumsähnliche Ansprüche. Die lassen sich nicht so ohne weiteres zusammenstreichen.“ (BSp64)

Und in „Wege aus der Griechen-Krise: Aufpäppeln, umschulden, aussperren“ (BSp28) bespricht der Autor drei verschiedene Szenarien für die Zukunft Griechenlands: Dabei wird oft von „Experten“ und „Fachleuten“ gesprochen; befragt werden ein „Anleihenexperte bei der Commerzbank“ und ein „Fondsmanager bei Amundi Asset Management“. Sowohl eine radikale Umschuldung als auch der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone werden dabei extrem kritisch gesehen: Ersteres sei ein „gefährliches Signal für den Euro-Finanzmarkt“, letzteres „abwegig“.

Spiegel Online räumt zudem mittels Gastkommentaren auch außerparlamentarischen Meinungen Platz ein: Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Leistung[120], schreibt darüber, „wie Europa die Schuldenkrise überleben kann“ (BSp48); und die beiden Ökonomen Sebastian Dullien (BSp50: „Zaudern bis zum Absturz“) und Gustav Adolf Horn (BSp26: „Staatspleite-Szenario: Wie Berlin die Griechen-Krise verschärfte“) kritisieren die Regierung deutlich. Alle drei Wirtschaftswissenschaftler vertreten wegen ihrer Auffassung zu wirtschaftspolitischen Standpunkten in Deutschland eine Minderheit[121] und können diese ohne kritische Einordnung wiedergeben – dafür distanziert sich Spiegel Online durch den Begriff „Gastkommentar“ von diesen Meinungen.

Die Gastkommentare sind jedoch – gerade im Vergleich zu anderen Artikeln – sperrig geschrieben und setzen teilweise sogar ein gewisses ökonomisches Grundverständnis beim Leser voraus. So schreibt etwa Bofinger: „Der Vorteil eines solchen [Konsolidierungs-]Pakts würde neben der Überprüfbarkeit nationaler Verpflichtungen darin bestehen, dass bei einem koordinierten Vorgehen für den Euroraum insgesamt festgestellt werden kann, wie hoch der von der Konsolidierung ausgehende negative Nachfrageimpuls ist.“ (BSp48) Der Gastkommentar von Jürgen Trittin (BSp70: „Weniger Stammtisch, mehr Helmut Kohl“) ist da zwar leserlicher, aber klar politisch einzuordnen.

Einer der zwei Kommentare aus der Redaktion von Spiegel Online ist „Griechenland-Krise: Ein Endspiel für den Euro“ (BSp23). Dabei werden Ansichten vertreten, die ansonsten bei den Politiker-Statements nicht getätigt werden: „Europa muss einen echten Umverteilungsmechanismus erfinden“ heißt es da; „der Ausbau der supranationalen Staatlichkeit durch Einführung eines echten fiskalischen Föderalismus“ sei „ein überschaubarer Preis“. (BSp23)

Und weiter: „Aber wird es so weit kommen? Es sieht nicht danach aus. Die Bundesregierung sieht sich nicht mehr als Sachwalter des europäischen Gemeinschaftsinteresses, anders als Konrad Adenauer und Helmut Kohl. Einzig Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, Kohls langjähriger Weggefährte, hält die Euro-Fahne noch im Kabinett hoch. Aber durchsetzen wird er sich kaum können gegen all den nationalgefärbten neudeutschen Populismus.“ (BSp23) Hier wird zum einzigen Mal im Untersuchungszeitraum eine Transferunion sowie „mehr EU“ wirklich gefordert und nicht kritisiert.

Durch die starke Fokussierung auf innenpolitische Aspekte bleibt die Schilderung von Griechenlands Problemen in vielen Meldungen eher abstrakt:  So fürchten „Industrielle und Händler (…), dass die Proteste den Markt abwürgen und zu einer dramatischen Rezession führen könnten.“ (BSp68, BSp71) Die Positionen und Argumente der Gegenseite finden dabei kaum Erwähnung. Griechische Gewerkschaften werden nur acht Mal (AQ-GQ; Schnitt: 0,12/Artikel) als Quelle genannt – das ist seltener als nicht genannte „Experten“ und „Ökonomen“ (UQ-WQ: 12; Schnitt: 0,18/Artikel). Und wenn direkt aus Brüssel zum Hilfspaket von EU und IWF berichtet wird, nennt der Autor die Sparanstrengungen das „Athener Überlebenskonzept“ (BSp57). Und er schließt mit dem Satz „Sie [die Griechen] können einem fast leidtun.“ (BSp57)

Eine tendenziell griechische Perspektive hingegen nehmen die Artikel ein, die auch aus Griechenland berichten: So werden die Sparmaßnahmen dort auch nicht als „Überlebenskonzept“ (BSp57), sondern als „Spardiktat“ (BSp74) und „Grausamkeiten“ (BSp72) betitelt, mit denen der griechische Ministerpräsident Papandreou die „skeptischen Euro-Partner“ „gnädig stimmen“ muss (BSp72). In „Griechen wüten gegen die Prass-Wirtschaft“ (BSp53), „Sanierungspaket: Griechen verzweifeln an der Schuldenkrise“ (BSp75) und „Sparen, kassieren, kämpfen“ (BSp74) werden Zusammenhänge deutlich, es wird erklärt, welche Gruppen am meisten unter den Kürzungen zu leiden haben und warum, und dass es dadurch zu Auswanderungswellen kommen könnte. Auch werden hier – wie ansonsten eher nur sporadisch – die Argumente von Gewerkschaften und griechischer Opposition aufgezählt.

Weiterhin ist zu erwähnen, dass Spiegel Online sich in einem langen Artikel auch mit den Positionen anderer Länder auseinandergesetzt hat: In „Europa graut vor dem Griechenland-Desaster“ (BSp51) werden die Standpunkte von Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, England und Irland dargelegt. Hier zeigt sich, dass für die Franzosen die Griechen-Hilfen „nicht im Mittelpunkt stehen“ (BSp51). Und über Italien heißt es: „Die deutsche Miesepeterrolle wird seit Tagen als ‚egoistisch‘, ‚unsolidarisch‘ und ‚rigide‘ kritisiert. Finanzminister Giulio Tremonti sagte auf dem Weltbank-Gipfel in Washington: ‚Wenn das Haus des Nachbarn brennt, und wir über einen Feuerlöscher verfügen, ist es ratsam, diesen auch einzusetzen, damit die Flammen nicht auf die Nachbarhäuser überspringen.‘ Tremonti kritisierte dezidiert das Zögern von Kanzlerin Merkel. Es sei der Moment gekommen, wo eine große Nation beweisen müsse, dass sie auch wirklich eine große Nation ist, ‚auch wenn ihr Haus schöner und größer ist, ich spreche von Deutschland, falls Sie das nicht verstandenen haben sollten‘.“ (BSp51) Als eigene Meldung hat es diese drastische Äußerung aber nicht geschafft.

 

Zusammenfassung

Spiegel Online kann als patriotisch-gefärbt gekennzeichnet werden: Gerade die (kritische) Fokussierung auf die innenpolitische Debatte lässt deutlich erkennen, dass für die Redaktion – wie auch wohl für die Leser – die Situation in Deutschland an erster Stelle steht. Dabei bleibt die Schilderung der Probleme Griechenlands recht abstrakt.

In den Meldungen überlässt Spiegel Online die Deutungshoheit der deutschen Politik, indem sie Nachrichten unkommentiert veröffentlicht; manchmal werden diese jedoch durch anschließende hin und wieder meinungsbetonte Berichte kritisch eingeordnet; wirklich in die Tiefe geht es dabei aber meist nicht, es bleibt auf einer stark meta-politischen Ebene.

Erst kurz vor Ende des Beobachtungszeitraums mehren sich Berichte aus Griechenland und vermitteln eine andere Perspektive. Spiegel Online versucht dabei teilweise, das Thema nicht nur aus deutscher Sicht zu beleuchten.

 

 

7.2.1.3         Handelsblatt.com

Auf Handelsblatt.com wurden im Beobachtungszeitraum 65 Artikel zur Griechenland-Thematik veröffentlicht. Diese Zahl gliedert sich auf in 33 Meldungen, 20 Berichte, vier Interviews, vier Blog-Einträge, drei Klickstrecken und einen Gastkommentar.

Im untersuchten Zeitraum sind nur sehr wenige sprachliche Auffälligkeiten festzustellen, die auf eine von Nationalismus geprägte Berichterstattung hindeuten. Im Grunde sind es nur die Überschriften von zwei Klickstrecken, die deutlich herausstechen: In einer Klickstrecke (BHb08) wird in der Überschrift „Nothilfe: Wie die Griechen Europa bluten lassen“ Europa zum Aderlass durch die Griechen aufgefordert (AAgr) – eine provokante Wortwahl (die auch in BHb29 „Rettungsdebatte: Auch deutsche Banken sollen für Griechen-Hilfe bluten“ wieder auftaucht). Die Klickstrecke besteht dann aber nur aus einer Auflistung von Zahlen, welches Land mit wie viel Krediten im Fall der Fälle aushelfen muss.

Ähnlich ist es auch bei der Klickstrecke „Milliardengräber: Die Prass-Wirtschaft der Griechen“ (BHb52) (ANeg), die zeigt, „wo öffentliche Gelder vergeudet werden“ (BHb52) – während Überschrift und Teaser eine eher drastische Sprache verwenden, ist die Klickstrecke selbst aber wieder sehr nachrichtlich gehalten.

Identifikation über Personalpronomina kommen derweil nur im sogenannten Handelsblog – dem Weblog[122] von Handelsblatt.com – vor: „Es geht nicht um die Frage, ob wir die Griechen ‚rausschmeißen‘ aus der Euro-Zone (…)“ (BHb31); „Na klar, ‚Solidarität‘ klingt immer gut und gute Beziehungen zu den Griechen wollen wir alle“ (BHb49).

Die höchste Anzahl an Quellen liegen bei den deutschen politischen Quellen (DQ-PQ): 88 Mal (Schnitt: 1,35/Artikel) tauchen deutsche Politiker auf. Das sind 64 Prozent aller deutschen Quellen (DQ: 137) und 28 Prozent aller Quellen gesamt (316). Politiker anderer Länder werden im Vergleich 35 Mal genannt (Schnitt: 0,54/Artikel).

Die reinen Zahlen führen aber in die Irre: Handelsblatt.com zitiert zwar ausführlich Politiker, doch das hat einen Grund. Die Meldungen bauen auf Agenturmaterial auf – auf sehr viel Agenturmaterial. Dadurch unterschieden sich die Meldungen und die von Handelsblatt.com-Autoren verfassten Berichte nicht nur deutlich in ihrer Sprache, sondern auch in ihren Inhalten.

Die Meldungen sind im Agentur-Stil gehalten und es scheint so, als ob kaum eine Auswahl getroffen wird, welche Politiker-Statements es in die Meldung schaffen und welche nicht. Dadurch entstehen Nachrichten, die sich ausgedruckt über drei DINA4-Seiten erstrecken, aber fast nur Äußerungen von Politikern enthalten (zum Beispiel BHb24 und Bhb09).

Filtert man die quantitativen Daten nach Bericht und Meldung bestätigt sich dies: Ein Bericht hat im Schnitt 0,85 Politiker-Statements pro Artikel, eine Meldung hingegen 2,21. Auffällig bei dieser Filterung ist auch die Anzahl der Quellen aus der deutschen Privatwirtschaft, die hauptsächlich Analysten aus der Finanzindustrie sind. Während ein solcher Vertreter nur in jeder zweiten Meldung vorkommt (Schnitt: 0,48/Artikel), wird er bei Berichten hingegen fast immer zitiert (Schnitt: 0,95).

Unter anderem drückt das die (monetaristisch-)ökonomische Sichtweise von Handelsblatt.com aus. Daher rühren auch die vielen Zahlen, die in den Artikeln bis ins kleinste Detail genannt werden, zum Beispiel hier: „Staatsbonds mit einer Laufzeit von zehn Jahren rentierten zu diesem Zeitpunkt mit 8,78 Prozent, das waren 71 Basispunkte mehr als am Vortag. Der Renditeabstand zu zehnjährigen Bundesanleihen stieg auf ein Rekordhoch von mehr als 570 Basispunkten.“ (BHb03)

Teilweise werden Formulierungen verwendet und Informationen gegeben, die wohl nur Börsen-Insidern verstehen und auch nur ihnen nutzen dürften: „Sollte einer der Referenzschuldner in dem Korb ausfallen, wird zum Laufzeitende der Bonitätsanleihe nicht der Nennwert in Höhe von 100 Prozent zurückgezahlt, sondern die Anleger erhalten Anleihen des ausgefallenen Referenzschuldner –  und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie Griechenland-Bonds geliefert bekommen oder den dann kümmerlichen Restwert. Davon betroffen wären die unter dem Namen „Synthia“ laufenden Kennnummern LBW1D0, LBW6DN, LBW88T und LBW88U.“ (BHb40)

Zudem geben einige Artikel (etwa BHb10) Tipps, wie man sein Geld am besten anlegen kann und in Interviews werden Fragen gestellt wie zum Beispiel „Wie attraktiv sind Staatsanleihen überhaupt noch?“, „Was ist Ihrer Meinung nach am attraktivsten?“, „Welche Depotstruktur empfehlen sie?“ (BHb14: Interview mit Klaus Kaldemorgen, Deutschland-Chef der Fondsgesellschaft DSW) oder „Lohnt ein Investment in deutsche Staatsanleihen überhaupt?“, „Sind Schwellenländer attraktiv?“ (BHb42: Interview mit Ralph Gasser, Anleihenexperte von Swiss & Lobal in Zürich).

Damit wird die Zielgruppe von Handelsblatt.com deutlich: Es ist nicht der „durchschnittliche“ Leser wie etwa bei Spiegel Online, sondern der studierte und besser situierte Betriebs- oder Volkswirt, der selbst Geld anzulegen hat.

Vor diesem Hintergrund wird auch die Griechenland-Thematik aus der Ökonomen-Brille gesehen. Oft geht es nur um die Folgen für Deutschland und Deutschlands Banken: Als Athen um Finanzhilfe bittet (BHb07), geht es hauptsächlich um die technischen Details des weiteren Ablaufs, außerdem wird eine Umfrage zitiert, wie die Stimmung in der Bevölkerung ist. Der einzige griechische Politiker, der auftaucht, ist – wie so oft – Ministerpräsident Giorgos Papandreou; deutsche Politiker sind dagegen acht Mal (AQ-DQ) vertreten.

Unter dem Titel „Milliarden-Engagement: Griechischer ‚Hair-Cut‘ birgt große Gefahr für Banken“ (BHb17) wird geschildert, welche Auswirkungen ein Schuldenschnitt auf die deutsche Bankenbranche haben wird, nicht aber inwiefern es Griechenland helfen würde. Ähnlich verhält es sich mit einem späteren Artikel mit der Überschrift „Umschuldung: Deutsche Banken fürchten den ‚Hair Cut‘“ (BHb36). Und auch wenn es heißt: „Risiken: Die Banken sind Griechenlands Achillesferse“ (BHb46) liegt die Quelle dafür wieder in Deutschland: „Die Bundesregierung macht sich nach Angaben aus Regierungskreisen Sorgen um die Stabilität der griechischen Institute.“ Zwar werden griechische Finanzinstitute bei dieser Auflistung genannt, zu Wort kommen aber Analysten von Ratingagenturen oder deutschen Banken, aber nicht von griechischen.

Handelsblatt.com wartet jedoch auch mit einem Themenpaket auf, das sich mit allerhand Fragen rund um Griechenland befasst: „Auszeit: Kann Athen die Euro-Zone notfalls verlassen?“ (BHb19a), „Umschuldung: Welche Kredite werden vorrangig bedient?“ (BHb19b), „IWF: Was kann der Währungsfonds leisten?“ (BHb19c) und „Spardiktat: Wie viel Leid ertragen die Griechen?“ (BHb19d).

Aber auch wenn es in der Überschrift anders anklingt (AVert), geht es im Artikel nicht darum, ob man den Griechen überhaupt die Sparmaßnahmen zumuten kann, sondern nur in welcher Höhe:

„Doch jenseits der Grundentscheidung für eine Hilfe lautet die wichtigste Frage, wie weit die Leidensfähigkeit der Griechen reicht. Was muss die Regierung in Athen künftig auf Anweisung des IWF und der EU tun? Was kann sie gegen ihre Bevölkerung noch durchsetzen?“ (BHb19d)

Hier wird nicht aus der Sicht der Bevölkerung, sondern aus einer ökonomischen Sicht argumentiert. Der Autor fragt sich, was das Volk – quasi eine Variable in einer wirtschaftlichen Rechnung – mit sich machen lässt, wie viel Widerstand gegen die Reformen zu erwarten ist und nicht, was diese Reformen für Auswirkungen auf das Leben der Menschen haben. So geht es dann auch weiter:

„Bei allen Bemühungen um Einsparungen und bessere Wettbewerbsfähigkeit müssen EU und IWF auch darauf achten, die Daumenschrauben nicht zu sehr anzuziehen. Denn dann riskieren sie nicht nur einen Absturz der ohnehin schwachen griechischen Konjunktur, sondern auch Unruhen, die letztlich zum Sturz der Regierung Papandreou führen könnten. Der 57-Jährige gilt als Einziger, der das Ruder des griechischen Staatsschiffes, das Finanzminister Papakonstantinou bereits mit der Titanic verglich, überhaupt herumreißen kann.“ (BHb19d)

Die Unruhen an sich werden so nicht als der wirklich negative Effekt einer zu eisernen Sparpolitik angesehen, sondern der Sturz des Regierungschefs, der diese Politik überhaupt durchsetzen kann. Deswegen verurteilt der Autor die Streiks der Bevölkerung auch deutlich:

„Kein Wunder, denn linke Gewerkschaften geben sich alle Mühe, die Staatspleite herbeizustreiken. Militante Mitglieder des kommunistischen Gewerkschaftsbundes Pame blockierten jetzt Hotels, Häfen und Kreuzfahrtschiffe. So versuchen sie, ausgerechnet jenen Wirtschaftszweig lahmzulegen, der Griechenland helfen könnte, aus der Rezession zu kommen: den Tourismus. Aleka Papariga, die Generalsekretärin der Kommunistischen Partei Griechenlands, die bei den Wahlen im Oktober auf immerhin 7,5 Prozent der Stimmen kam, wittert Morgenluft: Die überzeugte Stalinistin sieht jetzt die historische Chance, das politische System in Griechenland umzustürzen und eine Diktatur des Proletariats zu errichten.“ (BHb19d)

Dieser Artikel steht beispielhaft für die Berichterstattung von Handelsblatt.com. Gewerkschaften werden so gut wie gar nicht zitiert; einmal findet sich am Ende von drei DINA4-Seiten Text ein Absatz: „Gewerkschaften wie auch Regierungsvertreter sollen die Experten vor heftigen Protesten gewarnt haben. Zudem wiesen die Gewerkschaften auf die katastrophalen Folgen von Lohnkürzungen für die ohnehin angeschlagenen Renten- und Krankenkassen hin.“ (BHb34) Und wenn der Präsident der Staatsbediensteten-Gewerkschaft (ADEDY), Spyros Papaspyros, die Beamten zum „‘Kampf‘ um ihre Rechte“ (BHb58) auffordert, steht „Kampf“ in Anführungszeichen.

Wird zudem Kritik an den Sparmaßnahmen laut, bleibt diese auf der ökonomischen-abstrakten Ebene: „Spätestens hier stellt sich die Frage, ob Bundesregierung und IWF nicht zu sehr an der Stellschraube gedreht haben und mit ihren Sparanstrengungen und sozialen Einschnitten gerade das Gegenteil von dem erreichen, was sie wollen – Griechenland wieder auf einen Wachstumspfad zu bringen. Es wäre nicht das erste Mal, dass der IWF mit seinen Auflagen über das Ziel hinausschießt – auch wenn ihm inzwischen zugestanden wird, aus früheren Fällen gelernt zu haben. Es gilt also auch, nach dem Verhandlungserfolg zwischen Athen und IWF wieder Ruhe in den Konsolidierungsprozess zu bekommen, sowohl in Griechenland selbst als auch in der Euro-Zone und an den Märkten. Die zum Teil hetzerisch geführte Debatte hat Spuren hinterlassen.“ (BHb62)

Wenn es um Berichte vor Ort in Athen geht, dann widmen diese sich auch eher Eliten, so etwa die (durchaus interessante) Beschreibung der Arbeit der IWF-Inspektoren (BHb30). Nur einmal „menschelt“ es sozusagen auf Handelsblatt.com – und auch nur, weil es so in einer Agentur stand: „‚Wir zählen jetzt unsere Freunde. Viele Medien berichten in einer Art, die einer schlechten Show ähnelt. Auf eine plakative Art, die nichts nützt‘, sagte der 60 Jahre alte Grieche Spyros K., der in Hannover aufgewachsen ist und in Athen eine kleine Autowerkstatt betreibt, der Nachrichtenagentur dpa. Es sei falsch, kontinuierlich von den ‚Pleitegriechen‘ zu reden.“ (BHb17)

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere Politiker werden stets aus der Sicht eines (marktliberalen) Ökonomen kritisiert: „Die Banker in Frankfurt nervt die zitternde Hand der Kanzlerin unterdessen von Tag zu Tag mehr. ‚Die Unwucht wird immer größer‘, lautet die ungeduldige Feststellung aus der Chefetage einer deutschen Großbank.“ (BHb37) Und: „‚Wir müssen uns nach dem Rhythmus der Märkte richten und nicht nach der Saison für Landtagswahlen‘, nörgelt ein Banker. Im Februar, ja da wäre noch ein Zeitfenster offen gewesen, um vielleicht mit 30 Mrd. Euro etwas Zeit zu gewinnen. Aber nun?“ (BHb37)

Auch im Blog-Eintrag „Wie Frau Merkel für die Drachme kämpft“ (BHb31) kommt die Regierungschefin nicht gut weg: „Die Griechen können die Sanierung mit dem Euro nur schaffen, wenn sie selbst zu herben Einschnitten bereit sind. Und wenn die Europäer sie geschlossen unterstützten, doch darauf können sie nach dem Eiertanz von Frau Merkel nicht mehr rechnen. Wahrscheinlich kommt die Drachme vorerst nicht, aber in ein paar Tagen doch endlich ein Hilfspaket. Die große Unsicherheit, wie das Land zu retten ist, bleibt aber.“ (BHb31)

Als aus den Reihen der Politik Kritik an den Ratingagenturen laut wird, schlägt sich Handelsblatt.com auf die Seite der privatwirtschaftlich organisierten Institutionen, sieht sie „unter Beschuss“ (BHb33); im Blog-Eintrag „Sinnloses Geschimpfe auf die Ratingagenturen“ (BHb45) heißt es zudem: „Jetzt geht das Spiel los, die Ratingagenturen für die Probleme, die die Politik geschaffen hat, verantwortlich zu machen. Am absurdesten sind dabei Vorschläge, eine europäische, sozusagen offizielle Ratingagentur zu schaffen, die dann ‚frei von politischen Einflüssen‘ sein soll. Ein netter Versuch: Aber letztlich geht es ja eher wohl darum, eine Agentur zu schaffen, die sich politisch einnorden lässt, oder?“ (BHb45)

Handelsblatt.com will über Fakten und ökonomische Hintergründe aufklären, das wird vor allem dann klar, wenn über die Anne-Will-Talkshow geschrieben wird: „Man hätte die eilig zusammen gezimmerte Talkrunde nutzen können, um zu erklären, dass es sich bei den Hilfsgeldern um Kredite und keineswegs um Zuschüsse handelt. Man hätte darlegen können, dass die griechische Regierung im Gegenzug ein radikales Sanierungskonzept präsentieren muss. Und man hätte veranschaulichen können, dass Griechenland auf die Solidarität seiner europäischen Partner angewiesen ist, um die Spekulationen über seinen Staatsbankrott endlich in den Griff zu bekommen.

Die traurige Wahrheit aber ist, dass sich mit nüchternen Fakten keine Quote machen lässt, und so bekamen die Zuschauer ein unappetitliches Menü aus antigriechischen Ressentiments und populistischen Forderungen serviert, über dessen ‚dünnen‘ Wahrheitsgehalt sich der griechisch-deutsche Journalist Michalis Pantelouris zu Recht beklagte.“ (BHb16)

 

Zusammenfassung

Handelsblatt.com ist in gewisser Weise patriotisch, aber mehr auf einer ökonomisch-rationalen Ebene. Die Site vertritt das Beste für die deutsche Wirtschaft, aber auch was aus ihrer marktliberalen Sichtweise das Beste für Griechenlands Volkswirtschaft sei. Dabei werden die Sparmaßnahmen von IWF und EU meist als notwendig angesehen und nur selten hinterfragt oder kritisch gesehen.

Die Deutungshoheit indes gibt Handelsblatt.com bei der Masse an Meldungen teilweise an die deutsche Politik ab, fängt sie aber bei ihren eigenen Analysen und Berichten wieder ein. Dabei bleibt die Site aber stets auf einer eher abstrakten Ebene, die für den Durchschnittsleser möglicherweise nicht so einfach nachzuvollziehen ist.

 

 

7.2.1.4         Taz.de

Taz.de hat im Untersuchungszeitraum elf Artikel zum Griechenland-Thema veröffentlicht, darunter vier Berichte, vier Meldungen, zwei Interviews und einen Kommentar. Sprachlich waren bei der quantitativen Analyse keine nationalistischen oder patriotischen Tendenzen festzustellen.

Taz.de legt dabei weniger Wert auf eine hohe Anzahl von Qullen und Zitaten, sondern erläutert aus eigener Sicht Zusammenhänge und Folgen. Dies schlägt sich in den vergleichsweise hohen Anteil an eigenen Meinungen nieder: Sechs Mal (Schnitt: 0,55/Artikel) ordnet die Redaktionen Ereignisse selbst ein. Ganz deutlich wird dieses Merkmal, schaut man sich nur die Berichte an: In nur einem der vier (BTa04) verzichtet der Autor auf eine eigene Meinung (Schnitt: 0,75/Artikel).

Taz.de legt so bei den Themen ganz eigene Schwerpunkte: Unter dem Titel „Frühjahrstagung von Weltbank und IWF: Aus der Krise nichts gelernt“ (BTa02) wird etwa aufgezählt, welche Entscheidungen nicht getroffen wurden: „Keine Einigung gab es hingegen bei der Frage, wie der Finanzsektor an den Kosten der von ihm verursachten Krisen beteiligt werden kann.“ (BTa02) Und weiter: „Stattdessen lobten sich die Finanzminister in Washington, weil sich die Wirtschaft schneller als erwartet von der Krise erholt habe, ‚vor allem dank der beispiellosen und aufeinander abgestimmten politischen Maßnahmen der G 20‘, wie es im Abschlusskommuniqué heißt.“ (BTa02)

In einem anderen Artikel (BTa09) ist es ähnlich: „Zwei Monatsgehälter und 800 Behörden weg, Renteneintrittsalter um 14 Jahre hoch – die Sparmaßnahmen nehmen Gestalt an. Eher ungeschoren bleiben Reiche und Unternehmen.“ (BTa09) Und: „Ob und wie an die mangelhafte Steuererhebung und -hinterziehung in Griechenland herangegangen werden soll, ist noch unklar.“ (BTa09)

Daran ist auch die Ausrichtung von taz.de zu erkennen: Die Redaktion verfolgt einen linken, sozialen Gedanken. Die Sparmaßnahmen für Griechenland werden als „drakonische Maßnahmen“ (BTa09) und als „Giftliste des Währungsfonds“ (BTa09) bezeichnet; unter Überschrift „Die Macht der Ratingagenturen: Falsche Bewertung von Giftpapieren“ (BTa07) werden diese Institutionen deutlich kritisiert.

Durch diesen hohen Anteil an eigener Meinung rücken andere Quellen in den Hintergrund. Dadurch und durch die vergleichsweise geringe Artikelanzahl liegen Anzahl deutscher Quellen (DQ:23, Schnitt: 2,09/Artikel) und die Quellen anderer Länder (AQ:19, Schnitt: 1,73/Artikel) sehr nahe beieinander.

Deutsche politische Quellen kommen in nur fünf der elf Artikel vor (insgesamt: 14 Mal; Schnitt: 1,27/Artikel). Das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass taz.de meist die (Wirtschafts-)Politik aller beteiligten Länder– und insbesondere Deutschland – generell stark kritisiert. Am deutlichsten macht dies der Kommentar „Griechenland muss gerettet werden, das war von Anfang an klar: Zwei Jahre Krise verschwendet“ (BTa10). Dort heißt es:

„Griechenland muss gerettet werden, so viel ist klar. Im Unterschied zu einer Privatinsolvenz kann man einen Euro-Staat nicht einfach pleite gehen lassen. Die Folgekosten eines unkontrollierten Bankrotts wären viel teurer als die Rettungsmaßnahmen. Da liegt die deutsche Regierung also richtig. Das war von Anfang an klar und ihr wahltaktisch begründetes Zögern hat die Sache nur dramatisiert. Ob die deutsche Finanzwirtschaft eine Milliarde zuschießt oder nicht und welche Bedingungen Griechenland genau erfüllt, sind wichtige Propagandaschritte gewesen, um das Ganze zu verkaufen.“ (BTa10)

Und weiter: „Auf dem Finanzsektor geht die EU und die USA vor solchen Supermächten wie den Kaimaninseln oder Singapur anstandslos in die Knie. Großbanken teilen, ein Insolvenzverfahren für Großeinheiten? Guter Gedanke, aber nach zwei Jahren noch nichts umgesetzt. Dabei ist klar: Investmentbanker und ihre Kunden werden immer neue Wege erfinden, um Regelungen zu umgehen. Darauf muss man dann wieder reagieren und so weiter. Es ist wie ein Ping-pong-Spiel, an dessen Ende mehr Sicherheit vor durch Spekulationen ausgelösten Kursschocks steht. Aber wer erst gar nicht den ersten Aufschlag macht, wird auch nicht herausfinden, was das Spiel bringt – und er wird dann auch wieder so erstaunt tun, wenn die nächste Pleite vor der Tür steht.“ (BTa10)

Taz.de beschäftigt sich eingehend mit dem Sparmaßnahmenpaket, geht ins Detail und zeigt auf, wo aus Sicht des Autors Schwachstellen und ungenutzte Möglichkeiten liegen: „Einen Teil der Personalausgaben könnte man einsparen, indem man die vielen Beratergremien abschafft, die seit Jahren von den jeweiligen Ministern installiert und – zu stattlichen Honoraren – mit akademischen Parteifreunden besetzt wurden. Beträchtliche Kostensenkungen sind auch im öffentlichen Gesundheitswesen möglich, wo die staatlichen Krankenhäuser von den Pharmalieferanten in den letzten Jahren systematisch übervorteilt wurden.“

Dabei macht der Autor auch eigene Vorschläge, wie Griechenland seine Krise überwinden könnte: „Noch wichtiger für die weitere Haushaltskonsolidierung sind jedoch strukturelle Verbesserungen auf der Einnahmenseite. Theoretisch möglich wäre ein Verkauf von Teilen des staatlichen Immobilienbesitzes. Dessen Gesamtwert wird auf 200 Milliarden Euro geschätzt, der allerdings in Krisenzeiten nur schwer einzulösen ist. Mehr Erfolg versprechen verstärkte Bemühungen um höhere und stetigere Steuereinnahmen. Das gilt vor allem für den Kampf gegen die Steuerhinterzieher, die den Staat jedes Jahr um 20 bis 30 Milliarden Euro prellen.“ (BTa03)

In „Griechenland im Teufelskreis“ (BTa06) wird zudem analysiert, wie vielversprechend die von der Politik initiierten Maßnahmen sind und was in Zukunft zu tun sein möge: „Um bis zum Jahr 2050 wieder auf die laut Euro-Stabilitätspakt zulässigen 60 Prozent herunterzukommen, müsste die Athener Regierung ihr aktuelles Haushaltsdefizit von 8,4 Prozent des BIP in einen Überschuss von mindestens 6 Prozent verwandeln. Selbst unter größten Sparanstrengungen dürfte das nicht zu schaffen sein, allein schon wegen der laufenden Zinslasten in Milliardenhöhe.

Dem Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, zufolge könne das jetzt verhandelte Rettungspaket Griechenlands langfristiges Schuldenproblem nicht lösen, sondern nur einen Aufschub bis 2011 geben. Diese Zeit sollte zur Gründung eines Europäischen Währungsfonds genutzt werden. Der könne dann ein geordnetes Insolvenzverfahren managen. Die Banken müssten einen Teil ihrer Forderungen abschreiben. Auf die Bundesrepublik kämen dann noch langfristige Kosten von 30 Milliarden Euro zu. Welche volkswirtschaftlichen Kosten demgegenüber eine ungeordnete griechische Pleite verursachen würde, darüber liegen keine Schätzungen vor.“ (BTa06)

 

Zusammenfassung

Insgesamt lässt sich bei Taz.de kein ausgeprägter Patriotismus feststellen: Die Site vertritt eine klare links-soziale Einstellung – dabei ist es egal, um welches Land es sich handelt. Die Probleme in Griechenland werden analysiert, die von IWF, EU und Deutschland beschlossenen Maßnahmen hinterfragt und teils deutlich kritisiert.

Politiker – egal woher sie kommen – sind Stichwortgeber, aber an sie wird niemals die Deutungshoheit abgegeben. Diese bleibt durch eine deutlich hervor scheinende Meinung bei der Redaktion selbst – und diese stellt sich nicht hinter ein bestimmtes Land, sondern eher hinter eine links-soziale Weltvorstellung.

 

 

7.2.2        Vergleich der Ergebnisse

Auffällig bei allen vier untersuchten Medien ist die häufige Nennung deutscher Politiker: Insgesamt 260 Mal kommen sie als Quelle vor, im Schnitt aller analysierten Artikel 1,45/Artikel; Politiker anderer Länder werden nur 89 Mal genannt (Schnitt: 0,50/Artikel); hinzu kommen noch 75 Mal internationale/supranationale Organisationen (Schnitt: 0,42/Artikel), in denen aber sowohl deutsche als auch ausländische Funktionäre zitiert werden.

Beliebt sind zudem Quellen aus der Industrie/Privatwirtschaft: 76 Mal (Schnitt: 0,42/Artikel) werden sie zitiert (nach Ländern aufgeschlüsselt: DQ-IQ: 55; Schnitt: 0,31; AQ-IQ: 21; Schnitt: 0,12). Danach kommen Quellen aus den Medien (51; 0,28) und der Wissenschaft (45; Schnitt: 0,25)[123].

Bei diesen Zahlen ist jedoch Vorsicht geboten: Denn gerade Handelsblatt.com und Spiegel Online sind wegen ihrer großen Anzahl an Berichten überproportional vertreten.

Betrachtet man die einzelnen Medien für sich, werden verschiedene Ausrichtungen erkennbar: Spiegel Online widmet sich vornehmlich der Innenpolitik, versucht aber durch Analysen, Korrespondenten-Berichte und Gastkommentare auch anderen Perspektiven Raum zu geben. Handelsblatt.com sieht alles durch die Brille eines Ökonomens, taz.de ist von einer links-sozialen Einstellung beseelt und Bild.de legt eine populistisch-nationalistischen Einstellung an den Tag.

Gerade bei Spiegel Online und Handelsblatt.com ist auffällig, dass in Meldungen sehr oft Politiker zitiert werden, teilweise ohne ihre Aussagen einzuordnen. Dadurch geben die beiden Medien ihre Deutungshoheit an die Politik ab, versuchen sie aber durch Berichte und Kommentare wieder auf ihre Seite zu holen.

Da Bild.de und Taz.de aus ihrer eigenen Meinung keinen Hehl machen, verlieren sie dabei auch nie die Deutungshoheit, sondern ordnen Aussagen und Meinungen stets unter ihrem eigenen Weltbild ein. Beide Medien verzichten zudem auf das bloße Wiedergeben von Agenturmaterial. Dadurch pflegen beide eine klare Sprache, die sich selten in Abstraktionen verliert.

Spiegel Online übernimmt aber gerade durch die Fokussierung auf die Innenpolitik meist sogar deren Formulierungen und schildert daher die Griechenland-Krise recht abstrakt. Dies fällt vor allem dann auf, wenn durch die Korrespondenten-Berichte vor Ort eine ganz andere (griechische) Perspektive eingenommen wird.

Handelsblatt.com bleibt indes bei der Perspektive konsequent und berichtet stets aus einer distanzierten Haltung, die das gesamtwirtschaftliche Bild vor Augen hat, legt wenig wert auf die soziale Seite, der Mensch ist hier meist nur der homo oeconumicus.

Die eingangs definierte Form des Patriotismus trifft am meisten auf Spiegel Online und Handelsblatt.com zu: Beide berichten aus einer eher innerdeutschen Sicht (die bei Spiegel Online teils durchbrochen wird) und legen Wert darauf, welche Effekte die Entwicklung der Krise auf Deutschland hat und wie diesen am besten zu begegnen sei. Dabei akzeptieren und tolerieren sie fremde Nationen, sparen aber nicht mit Kritik an der deutschen und anderen Regierungen.

Auf Bild.de hingegen passt die Definition des Nationalismus: Da werden Bevölkerungsgruppen verallgemeinernd als „Pleite-Griechen“ dargestellt und die „Eiserne Kanzlerin“ wird von Kritik weitestgehend verschont.

Taz.de indes kritisiert die Politik als Ganzes – unabhängig von Ländergrenzen. Zwar geht es auch auf dieser Nachrichtensite vornehmlich um Deutschland, doch es wird nicht aus einer innerdeutschen, sondern aus einer eher links-ideologischen Sicht heraus argumentiert.

 

 

8         Fazit

— Anmerkung vom 3. Januar 2015: Dieses Fazit gibt nicht meine aktuelle Meinung wider. Zwar plädiere ich noch immer für einen „subjektiveren“ Journalismus, aber nicht für einen „patriotischen“, sondern eher für einen „europäischen“ Journalismus. —

Natürlich sind die großen deutschen Online-Medien patriotisch gefärbt – das ist wenig überraschend. Und dass dieser Patriotismus im Boulevard-Fall Bild.de zum Nationalismus überschwappt, ist genauswenig verwunderlich wie das Ergebnis, dass Taz.de aus einer ideologischen Sicht heraus argumentiert. Doch dass dieser Patriotismus bei Spiegel Online und Handelsblatt.com zu einer unausgewogenen und kurzsichtigen Wirtschaftsberichterstattung führt, kann nicht belegt werden. Im Gegenteil: Ein noch stärkerer Patriotismus könnte sogar viele der Kritikpunkte ausmerzen,  die in Kapitel 3.2 aufgeführt wurden.

Dieser Gedanke bedarf einer Erklärung.

Patriotismus wurde in dieser Arbeit definiert als ein sozialpolitisches Verhalten, in dem nicht die eigenen, die individuellen Interessen – oder die einiger weniger Mitglieder einer politischen Gemeinschaft – handlungsleitend sind, sondern das Wohl aller Mitglieder; dabei werden andere Nationen und Völker toleriert und akzeptiert. Außerdem nehmen Patrioten eine kritische Distanz gegenüber dem Staat ein.

Führt man sich nun – gerade unter letztgenanntem Aspekt – die Arien an Politiker-Statements vor Augen, die Spiegel Online und Handelsblatt.com teils ohne Einordnung referieren, fragt man sich schon, wo die kritische Distanz geblieben ist.

Man mag darauf entgegnen, dass hier nur die journalistische Norm der Objektivität gewahrt bleibt. Denn gerade Spiegel Online und Handelsblatt.com versuchen diese Norm einzuhalten – aber scheitern dabei. Denn beide Medien berichten zwar über Griechenland, sie benutzen dafür aber hauptsächlich Quellen aus Deutschland. Doch Objektivität hört eben nicht an Ländergrenzen auf.

Durch die recht einseitige Fokussierung gerade auf deutsche Politiker ergibt sich daher von Griechenland und seiner Krise ein sehr abstraktes Bild: Die Demonstranten zum Beispiel bleiben in den Berichten meist nur störende Variablen, die die wirtschaftliche Sanierung Griechenlands behindern.[124] Nur Berichte von Korrespondenten vor Ort geben diesen Protesten ein menschliches Gesicht; außerdem erklären sie Hintergründe und Zusammenhänge. Auch meinungsstarke Berichte– wie auf Taz.de, aber auch auf Spiegel Online und Handelsblatt.com – liefern tiefergehende Aspekte.

Daher stellt sich die Frage, die auch Heinrich in Kapitel 3.2 aufgeworfen hat: Können komplexe ökonomische Themen wirklich mit den tradierten Normen der Journalistik vermittelt werden? Denn es sind schließlich erst die längeren Berichte und Analysen, die diese Komplexität durchbrechen und verständlich machen. Diese Untersuchung hat gezeigt: Die Norm der Objektivität steht einer umfassenden Berichterstattung meist eher mehr im Weg, als dass sie ihr nützt.

Diese Kritik an der Objektivität ist nicht neu: In den 60er-Jahren trat sie zum ersten Mal auf, in den 70er-Jahren zählten Schlagwörter wie „Verlautbarungsjournalismus“ und „Hofberichterstattung“ zum Repertoire der Kritiker.[125] Aber heute scheint diese Kritik so aktuell wie lange nicht mehr: Denn die Objektivitätsnorm scheint sich im Internet aufzulösen.

Die Darstellungsform des Kommentars – auch das hat die Analyse ergeben – ist im Internet im Rückzug begriffen. Stattdessen vermischt sie sich mehr und mehr mit anderen Darstellungsformen, kann nicht mehr klar von ihnen getrennt werden.

Die hier untersuchten Artikel sind – gerade im Vergleich zu Zeitungsartikeln – teils recht meinungslastig. Doch es gibt dabei noch viel Spielraum nach oben. Statt auf unleserliche Gastkommentare zu setzen, sollten die Autoren in ihren Berichten noch ein wenig mehr Mut zur Meinung, mehr Mut zum Patriotismus aufbringen. Genau wie Lokaljournalismus seinen Lokalpatriotismus pflegt, sollten die überregionalen Medien sich um ihren Patriotismus sorgen. Genau wie das „Hamburger Abendblatt“ die Hansestadt Hamburg gegen andere Bundesländer verteidigen darf, darf auch Spiegel Online der Bundesrepublik Deutschland beistehen.

Anstatt sich hinter Reihen von Politiker-Statements zu verstecken, sollten Online-Medien ihren Patriotismus nicht verhehlen, sondern ihn zum Vorschein bringen. Denn bislang schimmert die patriotische Färbung nur an der Oberfläche, ist noch immer recht stark von politischen Meinungen beeinflusst. Doch wie man an einzelnen Artikeln von Spiegel Online und Handelsblatt.com sehen kann, entspricht die propagierte Meinung der deutschen Politik selten der Einstellung der einzelnen Medien.

So wird gefordert, dass Europa „einen echten Umverteilungsmechanismus erfinden“ (BSp23) und „noch mehr nationale Souveränität an die Gemeinschaft“ (BHb51) abgetreten werden muss. Es wird deutlich gemacht: „Es geht nicht nur um das Überleben einer Nation, sondern eines ganzen Projekts.“ (BHb51) Solche Äußerungen abseits der parlamentarischen Debatte dürfen und sollten öfter gefällt werden. So wird kritische Distanz gewahrt und die Deutungshoheit nicht an die Politik abgebeben.

Dadurch wäre die von Heinrich in Kapitel 3.2 geforderte Darstellungsform des meinungsstarken Wirtschaftsberichts genauso erfüllt, wie auch der von Lobigs postulierte Ausweg aus dem Dilemma des Wirtschaftsjournalismus: nämlich über den Populismus – in diesem Fall ein Appell an den Patriotismus – den Leser in den Text hineinzuziehen, um ihn dort mit Hintergründen zu versorgen.

Sicherlich wäre ein vollkommen neutraler und von allen Einflüssen befreiter Wirtschaftsjournalismus wünschenswert; doch dieser Wunsch ist eine Utopie. Wenn der Journalist bei komplexen Themen alle Meinungen und Sichtweisen berücksichtigen und dabei trotzdem „objektiv“ bleiben möchte, müsste er extrem viele Quellen zitieren. Durch dieses Übermaß an Intersubjektivität würden Texte lediglich mit weiteren Statements aufgebläht und dadurch vor allem eines: unpopulär. Jedoch kann der Journalismus seine originäre Aufgabe, Öffentlichkeit herzustellen, ohne Publikum schwerlich erfüllen.

Deswegen lohnt es sich, den Weg zu beschreiten, den Spiegel Online aber auch Handelsblatt.com schon begonnen haben: mit meinungsstarken Artikeln die Aufmerksamkeit der Leser gewinnen und ihnen Zusammenhänge und Hintergründe näher zu bringen. Nachrichtliche und „objektive“ Meldungen werden dabei nicht verschwinden. Doch das Internet hat einen Medienwandel hervorgerufen, der nicht aufgehalten werden kann: Und dabei werden die bloßen Nachrichten – wie Klaus Meier in seinen „neun Thesen zum Strukturwandel der Medien“[126] erklärt – noch weiter an Wert verlieren, und damit am Ende für Verlage als auch für Leser unattraktiv werden. [127]

Und eine weitere Neuerung bringt das Internet mit sich: Online-Medien können sich viel einfacher aufeinander beziehen und sich daher auch einfacher widersprechen als traditionelle Medien. So wie es das Feuilleton schon seit Jahren macht[128] und wie es sich auch in der Blogosphäre entwickelt hat[129], können Online-Medien Diskussionen über ihre eigenen Website- und theoretisch sogar über ihre eigenen Länder-Grenzen hinaus führen; so geschehen zum Beispiel nach dem Kommentar des erzkonservativen Margret-Thatcher-Biografen Charles Moore „I’m starting to think that the Left might actually be right“[130]. Dadurch kann ein Außenpluralismus gewährleistet werden, wie er in keinem anderen Medium anzutreffen ist.

Allerdings scheint diese Vorstellung recht utopisch, da die Verlage die Möglichkeiten der Hypertextualität eher als Möglichkeiten des Leserverlustes ansehen. Ob zu Recht oder nicht, dazu liegen zwar viele Vermutungen[131], doch keine empirischen Untersuchungen vor.

Doch selbst ohne einen „Streit zwischen den Medien“ muss mehr Subjektivität nicht zwangsläufig zu weniger Meinungsvielfalt führen: Beispielhaft hierfür ist Spiegel Online. Vergleicht man die üblichen Berichte mit den Korrespondenten-Berichten aus Griechenland, ist in diesen eine deutlich andere Perspektive festzustellen; es kann dabei sogar von einem leichten griechischen Patriotismus gesprochen werden. Diesen Befund gilt es festzuhalten: Autoren vor Ort nehmen die Lage ganz anders wahr, und sie sollten diese auch nach ihrem eigenen Ermessen schildern dürfen.[132]

Dadurch kann es innerhalb von Redaktionen zu Meinungsverschiedenheiten kommen – die dann aber nicht redaktionsintern, sondern auf der Site selbst ausgetragen werden sollten. Dadurch kann man über einen Binnenpluralismus die Meinungsvielfalt aufrecht erhalten.

Diese auf das Internet bezogenen Überlegungen sind jedoch nur ein Teilaspekt. Festzuhalten bliebt, dass ein Mittelweg zwischen dem populistisch-nationalistischen Stil von Bild.de und der ideologisch geprägten Sicht von Taz.de gefunden werden muss. Auf dem besten Weg dahin ist von den hier untersuchten Medien Spiegel Online, wo durch Korrespondenten-Berichte, Gastkommentare und eigene Analysen teils ein anderer, kritischer Blick auf die Dinge geworfen wird. Diesen Weg gilt es weiter zu forcieren.

Denn ein Patriotismus, wie er hier gefordert ist, der Verständnis für andere Sichtweisen aufbringt, aber trotzdem die Aspekte seiner Nation verteidigt – ohne dabei in den Nationalismus abzurutschen –, solch ein Patriotismus kann Argumente und Sichtweisen hervorbringen, die jenseits politischer Parolen liegen, kann den Leser zum Rezipieren komplexer ökonomischer Sachverhalte bewegen, kann Streit und Diskussionen anfeuern, kann zuspitzen, polarisieren und aufregen.

Kurz: Es wäre ein Wirtschaftjournalismus, den es sich zu lesen lohnt.

 

 

9         Literaturverzeichnis

 

9.1       Bücher und Aufsätze

ARLT, Hans-Jürgen / STORZ, Wolfgang: Wirtschaftsjournalismus in der Krise. Frankfurt/Main, 2010

 

BAX, Daniel (Taz.de): Verordneter Patriotismus. Deutschpflicht schon im Kindergarten? Dietzenbach ist kein Vorbild. 2006.

URL: http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2006/10/10/a0161 (Stand: 28.09.2011, 9:40 Uhr)

 

BILKE, Nadine: Qualität in der Krisen- und Kriegsberichterstattung. Ein Modell für einen konfliktsensitiven Journalismus. Wiesbaden, 2008

 

DAALMANN, Angela: Fußball und Nationalismus. Erscheinungsformen in Presse- und Fernsehberichten in der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika am Beispiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1994. Berlin, 1999

 

DANN, Otto: Nation und Nationalismus in Deutschland 1770-1990. München, 1993

 

DIEKMANN, Andreas: Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. Hamburg, 2008

 

EILDERS, Christiane / ALBRECHT, Lüter: Gab es eine Gegenöffentlichkeit während des Kosovo-Krieges? Eine vergleichende Analyse der Deutungsrahmen im deutschen Mediendiskurs. In: ALBRECHT, Ulrich / BECKER, Jörg (Hrsg.): Medien zwischen Krieg und Frieden. Baden-Baden, 2002

 

FELDHAUS, Thomas: Nach der Krise ist vor der Krise. Was kann der Wirtschaftsjournalismus aus der aktuellen Wirtschaftskrise lernen? In: Fachjournalismus. 2009, S. 4-8

 

FEUSS, Sebastian: Das Popularisierungsdrama. In: message. 2009, S. 13

 

FLASSBECK, Heiner: Die Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts. Frankfurt am Main, 2010

 

GILLIES, Peter: Wirtschaftsjournalismus im Umbruch. Anforderungsprofil und Qualifizierung im Wandel. Berlin, 1989

 

HABERMAS, Jürgen: Staatsbürgerschaft und nationale Identität. In: HABERMAS, Jürgen: Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaats. Frankfurt am Main, 1990

 

HAFEZ, Kai: Die politische Dimension der Auslandsberichterstattung. Band 1: Theoretische Grundlagen. Baden-Baden, 2002

 

HEINRICH, Jürgen: Wirtschaftsjournalismus. Zur Fundierung einer rezipientenorientierten Wirtschaftsberichterstattung. In: Publizistik. 1989, Bd. 34, Heft 3, S. 284-296

 

HEINRICH, Jürgen: Zur Kritik der Wirtschaftsberichterstattung. Ursachen und Konsequenzen. In: Publizistik. 1991, Bd. 36, Heft 2, S. 217-226

 

HERBERS, Martin R. / FRIEDEMANN, Anne: Spezielle Fragen der Reliabilität und Validität bei Online-Inhaltsanalysen. In: WELKER, Martin / WÜNSCH, Carsten (Hrsg.): Die Online-Inhaltsanalyse. Forschungsobjekt Internet. Köln, 2010

 

HOLZAPFEL, Sebastian: Noch immer mit jedem Schritt Neuland betreten (Rezension zu „QUANDT, Thorsten / SCHWEIGER, Wolfgang: Journalismus Online – Partizipation oder Profession? Wiesbaden, 2008“). In: message. 2008, Heft 4, S. 98

 

KALT, Gero (Hrsg.): Wirtschaft in den Medien. Defizite, Chancen und Grenzen. Eine kritische Bestandsaufnahme. Frankfurt am Main, 1990

 

KÖHLER, Wolfgang: Im Blindflug durch die Krise. In: message. 2009, S. 11-16

 

KRONENBERG, Volker: Patriotismus in Deutschland. Perspektiven für eine weltoffene Nation. Wiesbaden, 2005

 

LIEBHART, Ernst H.: Nationalismus in der Tagespresse 1949 – 1966. Studien zur Anwendung quantifizierender Inhaltsanalyse. Messenheim am Glan, 1971

 

LOBIGS, Frank: Das Dilemma des populären Wirtschaftsjournalismus. Problembeschreibung und ein Lösungsvorschlag. In: Journalistik Journal. 2009, Heft 1, S. 22-23

 

MACARTHUR, John R.: Die Schlacht der Lügen. Wie die USA den Golfkrieg verkauften. München, 1993

 

MAST, Claudia: Wirtschaftsjournalismus. Grundlagen und neue Konzepte für die Presse. Opladen, 1999

 

MEIER, Klaus: Journalismus in Zeiten der Wirtschaftskrise. Neun Thesen zum Strukturwandel der Medien. In: Journalistik Journal. 2009, Heft 1, S. 14-17

 

MEIER, Klaus: Journalistik. Konstanz, 2007

 

MOSS, Christoph: Den „einen“ Wirtschaftsjournalismus gibt es nicht – Spezialisierung vom crossmedialen Alleskönner bis zum Konjunkturexperten. In: DERNBACH, Beatrice / QUANDT, Thorsten: Spezialisierung im Journalismus. Wiesbaden, 2009

 

NEUBERGER, Christoph: Rezension zu „KALT, Gero: Wirtschaft in den Medien. Defizite, Chancen und Grenzen. Eine kritische Bestandsaufnahme. Frankfurt am Main, 1990“. In: Publizistik. 1992, S. 263-265

 

PESIC, Milica: Selbstzensur aus Patriotismus. In: Message. 1999, 1/1999, S. 22-25

 

PFETSCH, Barbara / HEFT, Annett: Europäische Öffentlichkeit. Entwicklung transnationaler Medienkommunikation. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. 2009, Ausgabe 23/24, S. 36-41

 

QUANDT, Thorsten (Hrsg.): Journalismus online – Partizipation oder Profession? Wiesbaden, 2008

 

RIDDER, Christa-Maria / ENGEL, Bernhard: Massenkommunikation 2010: Funktionen und Images der Medien im Vergleich (Ergebnisse der 10. Welle der ARD/ZDF-Langzeitstudie zur Mediennutzung und -bewertung). In: Media Perspektiven. 2010, Heft 11, S. URL: http://www.unternehmen.zdf.de/fileadmin/files/Download_Dokumente/DD_Das_ZDF/Langzeitstudie_Massenkommunikation_2010.pdf

RÖSSLER, Patrick / WIRTH, Werner: Inhaltsanalysen im World Wide Web. In: WIRTH, Werner / LAUF, Edmund (Hrsg.): Inhaltsanalyse. Perspektiven, Probleme, Potentiale. Köln, 2001

 

SCHECHTER, Danny: Der Journalismus hat versagt. In: message. 2009, S. 18-23

 

SCHMIDT, Jan: Weblogs. Eine kommunikationssoziologische Studie. Konstanz, 2006

 

SCHNEIDER, Franz: Rituale im Defizit. Bemerkungen zur politischen Medienkommunikation. In: MAIER, Hans / SCHNEIDER, Franz (Hrsg.): Politische Sprache. Medienkommunikation und Manipulation (Beiträge zur Gesellschafts- und Bildungspolitik 26). Köln, 1978

 

SPACHMANN, Klaus: Wirtschaftsjournalismus in der Presse: Theorie und Empirie. Konstanz, 2005

 

STEINFELDER, Joseph: Exportweltmeister Deutschland – Titel auf Zeit? Der deutsche Außenhandel 2006 und seine Märkte. Eine Publikation des Statistischen Bundesamts. Wiesbaden, 2007

URL: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/Querschnittsveroeffentlichungen/WirtschaftStatistik/Aussenhandel/ExportweltmeisterDeutschland,property=file.pdf

 

STERNBERGER, Dolf: Verfassungspatriotismus. Frankfurt am Main, 1990

 

TRAPPEL, Josef: Online-Medien. Leistungsprofil eines neuen Massenmediums. Konstanz, 2007

 

VIEHÖVER, Ulrich: Ressort Wirtschaft. Konstanz, 2003

 

VIEHÖVER, Ulrich: Wirtschaftsjournalismus. Handzahm oder bissig. In: message. 2004, S. 38-41

 

VON LA ROCHE, Walther: Einführung in den praktischen Journalismus. München, 2004

 

WELKER, Martin / WÜNSCH, Carsten / BÖCKING, Saskia / BOCK, Annekatrin / FRIEDEMANN, Anne / HERBERS, Martin / ISERMANN, Holger / KNIEPER, Thomas / MEIER, Stefan / PENTZOLD, Christian / SCHWEITZER, Eva Johanna: Die Online-Inhaltsanalyse: methodische Herausforderung, aber ohne Alternative. In: WELKER, Martin / WÜNSCH, Carsten (Hrsg.): Die Online-Inhaltsanalyse. Forschungsobjekt Internet. Köln, 2010

9.2       Internet-Quellen

Focus.de: Euro-Krise: EU will zu wettbewerbsfähige Länder bestrafen – Deutschland wehrt sich. 2011.

URL: http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/euro-krise-eu-will-zu-wettbewerbsfaehige-laender-bestrafen-deutschland-wehrt-sich_aid_596072.html (Stand: 19.09.2011, 12:01 Uhr)

 

 

FROMM, Thomas (Interviewer): Wirtschaftspresse: „Sie blökten den falschen Sound“ (Interview mit Siegfried Weischenberg). In: sueddeutsche.de. 2009, S. URL: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaftspresse-sie-bloekten-den-falschen-sound-1.387745

 

Horizont.net: IVW Online: Bild.de überholt Spiegel Online. 2008.

URL: http://www.horizont.net/aktuell/digital/pages/protected/IVW-Online-Bild.de-ueberholt-Spiegel-Online_87022.html (Stand: 19.09.2011)

 

HUTTON, Will: Paul Krugman’s fear for lost decade (Interview mit Paul Krugman). 2009.

URL: http://www.guardian.co.uk/business/2009/jun/14/economics-globalrecession (Stand: 18.09.2011, 16:29 Uhr)

 

MOORE, Charles: I’m starting to think that the Left might actually be right. 2011.

URL: http://www.telegraph.co.uk/news/politics/8655106/Im-starting-to-think-that-the-Left-might-actually-be-right.html (Stand: 28.09.2011, 18:18 Uhr)

 

Sozialforschung, TNS Infratest: Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften 2008. Mannheim, 2009

URL: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/176909/umfrage/stolz-auf-deutsche-staatsangehoerigkeit/

Spiegel.de: Aufschwung in Deutschland. Börsenprofis verdrängen Euro-Krise. 2010.

URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,734526,00.html (Stand: 18.09.2011, 16:04 Uhr)

 

Spiegel.de: EU-Wirtschaftspolitik: Merkel verteidigt deutsche Export-Vormacht. 2010.

URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,683611,00.html (Stand: 19.09.2011, 11:58 Uhr)

 

Spiegel.de: Exportquoten-Zank: Oettinger empfiehlt Europa den deutschen Weg. 2010.

URL: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,683745,00.html (Stand: 19.09.2011, 12:05 Uhr)

 

sueddeutsche.de: CDU nach dem Hohmann-Rauswurf: Merkel will über „vernünftigen Patriotismus“ diskutieren. 2003.

URL: http://www.sueddeutsche.de/politik/cdu-nach-dem-hohmann-rauswurf-merkel-will-ueber-vernuenftigen-patriotismus-diskutieren-1.895465 (Stand: 14.09.2011, 13:36 Uhr)

 

Telepolis.de: Der Wortlaut der Rede von MdB Martin Hohmann zum Nationalfeiertag. 2003.

URL: http://www.heise.de/tp/artikel/15/15981/1.html (Stand: 19.09.2011, 16:13 Uhr)

 

welt.de: Zahlmeister Deutschland. 2011.

URL: http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article13543376/Zahlmeister-Deutschland.html (Stand: 19.09.2011, 12:14 Uhr)

 

http://www.qxm.de: Google-Suchen auf einen bestimmten Zeitraum einschränken. 2009.

URL: http://www.qxm.de/digitalewelt/2333/google-suchen-auf-einen-bestimmten-zeitraum-einschraenken?com=1 (Stand: 20.09.2011, 19:22 Uhr)

[1] Genauer: Von 2003 bis 2008; vgl. STEINFELDER, Joseph: Exportweltmeister Deutschland – Titel auf Zeit? Der deutsche Außenhandel 2006 und seine Märkte. Eine Publikation des Statistischen Bundesamts. Wiesbaden, 2007 sowie den Statistik-Service der World Trade Organization unter:
http://stat.wto.org/StatisticalProgram/WSDBStatProgramYear.aspx?Language=E

[2] Spiegel.de: Aufschwung in Deutschland. Börsenprofis verdrängen Euro-Krise. 2010. URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,734526,00.html (Stand: 18.09.2011, 16:04 Uhr)

[3] Focus.de: Euro-Krise: EU will zu wettbewerbsfähige Länder bestrafen – Deutschland wehrt sich. 2011. URL: http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/euro-krise-eu-will-zu-wettbewerbsfaehige-laender-bestrafen-deutschland-wehrt-sich_aid_596072.html (Stand: 19.09.2011, 12:01 Uhr)

[4] Spiegel.de: EU-Wirtschaftspolitik: Merkel verteidigt deutsche Export-Vormacht. 2010. URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,683611,00.html (Stand: 19.09.2011, 11:58 Uhr)

[5] Spiegel.de: Exportquoten-Zank: Oettinger empfiehlt Europa den deutschen Weg. 2010. URL: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,683745,00.html (Stand: 19.09.2011, 12:05 Uhr)

[6] welt.de: Zahlmeister Deutschland. 2011. URL: http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article13543376/Zahlmeister-Deutschland.html (Stand: 19.09.2011, 12:14 Uhr)

[7] ARLT, Hans-Jürgen / STORZ, Wolfgang: Wirtschaftsjournalismus in der Krise. Frankfurt/Main, 2010

[8] Vgl. ebd., S. 8f

[9] ebd., S. 10

[10] So zum Beispiel Nobelpreisträger Paul Krugmann (vgl.: HUTTON, Will: Paul Krugman’s fear for lost decade (Interview mit Paul Krugman). 2009. URL: http://www.guardian.co.uk/business/2009/jun/14/economics-globalrecession (Stand: 18.09.2011, 16:29 Uhr)) oder UNO-Volkswirt Heiner Flassbeck (vgl. FLASSBECK, Heiner: Die Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts. Frankfurt am Main, 2010)

[11] Vgl. ARLT, a.a.O., S.8f

[12] Vgl. SCHECHTER, Danny: Der Journalismus hat versagt. In: message. 2009, S. 21

[13] DER SPIEGEL: Der Preis der Überheblichkeit. Eine Wirtschaftskrise verändert die Welt. Hamburg, Heft 40/2008

[14] DIE ZEIT: Amerikas Absturz. Hamburg, Ausgabe 41/2008

[15] KÖHLER, Wolfgang: Im Blindflug durch die Krise. In: message. 2009, S. 16

[16] Vgl. ebd., S. 16

[17] Vgl. SCHECHTER, Danny: Der Journalismus hat versagt, a.a.O., S. 23

[18] Vgl. FELDHAUS, Thomas: Nach der Krise ist vor der Krise. Was kann der Wirtschaftsjournalismus aus der aktuellen Wirtschaftskrise lernen? In: Fachjournalismus. 2009, S. 4

[19] Vgl. ebd., S. 5

[20] Zitiert nach: ebd., S. 6

[21] FROMM, Thomas (sueddeutsche.de): Wirtschaftspresse. „Sie blökten den falschen Sound“ (Interview mit Siegfried Weischenberg). 2009. URL: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaftspresse-sie-bloekten-den-falschen-sound-1.387745 (Stand: 28.09.2011, 21:02 Uhr)

[22] MACARTHUR, John R.: Die Schlacht der Lügen. Wie die USA den Golfkrieg verkauften. München, 1993, zitiert nach: PESIC, Milica: Selbstzensur aus Patriotismus. In: Message. 1999, 1/1999, S. 23

[23] BILKE, Nadine: Qualität in der Krisen- und Kriegsberichterstattung. Ein Modell für einen konfliktsensitiven Journalismus. Wiesbaden, 2008, S. 76

[24] Vgl. EILDERS, Christiane / ALBRECHT, Lüter: Gab es eine Gegenöffentlichkeit während des Kosovo-Krieges? Eine vergleichende Analyse der Deutungsrahmen im deutschen Mediendiskurs. In: ALBRECHT, Ulrich / BECKER, Jörg (Hrsg.): Medien zwischen Krieg und Frieden. Baden-Baden, 2002, S. 103f

[25] Vgl. BILKE, a.a.O., S. 163

[26] Vgl. SPACHMANN, Klaus: Wirtschaftsjournalismus in der Presse: Theorie und Empirie. Konstanz, 2005, S. 16f

[27] Vgl. u.a. HEINRICH, Jürgen: Zur Kritik der Wirtschaftsberichterstattung. Ursachen und Konsequenzen. In: Publizistik. 1991, Bd. 36, Heft 2, S. 217-226,
LOBIGS, Frank: Das Dilemma des populären Wirtschaftsjournalismus. Problembeschreibung und ein Lösungsvorschlag. In: Journalistik Journal. 2009, Heft 1, S. 22-23,
SPACHMANN, a.a.O.

[28] Zum Abschluss dieser Arbeit war sie geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF)

[29] Eine genauere Beschreibung dieser Themen folgt in den entsprechenden Kapiteln 7.1 und 7.2

[30] Mehr dazu in Kapitel 5.2

[31] MAST, Claudia: Wirtschaftsjournalismus. Grundlagen und neue Konzepte für die Presse. Opladen, 1999, S. 178

[32] HEINRICH, Jürgen: Wirtschaftsjournalismus. Zur Fundierung einer rezipientenorientierten Wirtschaftsberichterstattung. In: Publizistik. 1989, Bd. 34, Heft 3, S. 284

[33] FELDHAUS, a.a.O., S. 6

[34] Vgl. MOSS, Christoph: Den „einen“ Wirtschaftsjournalismus gibt es nicht – Spezialisierung vom crossmedialen Alleskönner bis zum Konjunkturexperten. In: DERNBACH, Beatrice / QUANDT, Thorsten: Spezialisierung im Journalismus. Wiesbaden, 2009

[35] ebd., S. 147ff

[36] VIEHÖVER, Ulrich: Ressort Wirtschaft. Konstanz, 2003, S.9

[37] Vgl. VIEHÖVER, Ulrich: Wirtschaftsjournalismus. Handzahm oder bissig. In: message. 2004, S. 38-41

[38] Vgl. FEUSS, Sebastian: Das Popularisierungsdrama. a.a.O.2009, S. 13

[39] Vgl. VIEHÖVER: Ressort Wirtschaft, a.a.O. , S. 9

[40] Vgl. KALT, Gero (Hrsg.): Wirtschaft in den Medien. Defizite, Chancen und Grenzen. Eine kritische Bestandsaufnahme. Frankfurt am Main, 1990

[41] NEUBERGER, Christoph: Rezension zu „KALT, Gero: Wirtschaft in den Medien. Defizite, Chancen und Grenzen. Eine kritische Bestandsaufnahme. Frankfurt am Main, 1990“. In: Publizistik. 1992, S. 263-265

[42] Vgl. ebd.

[43]HEINRICH, Jürgen: Zur Kritik der Wirtschaftsberichterstattung. Ursachen und Konsequenzen. a.a.O.1991, Bd. 36, Heft 2, S. 217-226 S. 217

[44] SCHNEIDER, Franz: Rituale im Defizit. Bemerkungen zur politischen Medienkommunikation. In: MAIER, Hans / SCHNEIDER, Franz (Hrsg.): Politische Sprache. Medienkommunikation und Manipulation (Beiträge zur Gesellschafts- und Bildungspolitik 26). Köln, 1978, S. 35f

[45] ebd., S. 35f

[46] GILLIES, Peter: Wirtschaftsjournalismus im Umbruch. Anforderungsprofil und Qualifizierung im Wandel. Berlin, 1989, a.a.O., S. 124

[47] Vgl. SCHNEIDER, a.a.O., S. 35f.
Gillies erläutert indes diese Kritik beispielhaft an der Berichterstattung der Steuerreform von 1987-1989: GILLIES, a.a.O., S. 103ff.

[48] Vgl. HEINRICH: Zur Kritik an der Wirtschaftsberichterstattung, a.a.O., S. 220

[49] ebd., S. 220

[50] Vgl. ebd., S. 220

[51] Vgl. ebd., S. 222

[52] ebd., S. 222

[53] LOBIGS, a.a.O., S. 22

[54] ebd., S. 22

[55] ebd., S. 23

[56] Vgl. ebd., S. 23

[57] Vgl. TNS Infratest Sozialforschung: Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften 2008. Mannheim, 2009

[58] Vgl. Telepolis.de: Der Wortlaut der Rede von MdB Martin Hohmann zum Nationalfeiertag. 2003. URL: http://www.heise.de/tp/artikel/15/15981/1.html (Stand: 19.09.2011, 16:13 Uhr)

[59] sueddeutsche.de: CDU nach dem Hohmann-Rauswurf. Merkel will über „vernünftigen Patriotismus“ diskutieren. 2003. URL: http://www.sueddeutsche.de/politik/cdu-nach-dem-hohmann-rauswurf-merkel-will-ueber-vernuenftigen-patriotismus-diskutieren-1.895465 (Stand: 14.09.2011, 13:36 Uhr)

[60] Fast wortgleich: KRONENBERG, Volker: Patriotismus in Deutschland. Perspektiven für eine weltoffene Nation. Wiesbaden, 2005, S. 32

[61] Vgl. DANN, Otto: Nation und Nationalismus in Deutschland 1770-1990. München, 1993, S. 14f und KRONENBERG, a.a.O., S. 43ff

[62] ebd., S. 44

[63] KRONENBERG, a.a.O., S. 44

[64] Vgl. ebd., 44ff

[65] HABERMAS, Jürgen: Staatsbürgerschaft und nationale Identität. In: HABERMAS, Jürgen: Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaats. Frankfurt am Main, 1990, S. 632ff

[66] Vgl. STERNBERGER, Dolf: Verfassungspatriotismus. Frankfurt am Main, 1990, S.13ff

[67] ebd., S. 16

[68] TRAPPEL, Josef: Online-Medien. Leistungsprofil eines neuen Massenmediums. Konstanz, 2007, S. 36ff

[69] Tabelle entnommen aus: ebd., S. 35

[70] RIDDER, Christa-Maria / ENGEL, Bernhard: Massenkommunikation 2010: Funktionen und Images der Medien im Vergleich (Ergebnisse der 10. Welle der ARD/ZDF-Langzeitstudie zur Mediennutzung und -bewertung). In: Media Perspektiven. 2010, Heft 11, S. 537

[71] Vgl. ebd., S. 542

[72] Vgl. ebd.

[73] Horizont.net: IVW Online: Bild.de überholt Spiegel Online. 2008. URL: http://www.horizont.net/aktuell/digital/pages/protected/IVW-Online-Bild.de-ueberholt-Spiegel-Online_87022.html (Stand: 19.09.2011)

[74] Siehe dazu die Grafik im Anhang A II und auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung http://www.agof.de.

[75] Siehe www.agof.de (Anmerkung: Ein Vorteil bei dieser Wahl: ftd.de hat vor seinem Archiv eine Bezahlschranke eingebaut – und damit den Zugriff auf seine Artikel eingeschränkt.

[76] Vgl. zum Beispiel: BAX, Daniel (Taz.de): Verordneter Patriotismus. Deutschpflicht schon im Kindergarten? Dietzenbach ist kein Vorbild. 2006. URL: http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2006/10/10/a0161 (Stand: 28.09.2011, 9:40 Uhr)

[77] DIEKMANN, Andreas: Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. Hamburg, 2008

[78] DAALMANN, Angela: Fußball und Nationalismus. Erscheinungsformen in Presse- und Fernsehberichten in der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika am Beispiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1994. Berlin, 1999

[79] Eine genauere Definition findet sich in den entsprechenden Kapiteln 7.1 und 7.2.

[80] Vgl. WELKER, Martin / WÜNSCH, Carsten / BÖCKING, Saskia / BOCK, Annekatrin / FRIEDEMANN, Anne / HERBERS, Martin / ISERMANN, Holger / KNIEPER, Thomas / MEIER, Stefan / PENTZOLD, Christian / SCHWEITZER, Eva Johanna: Die Online-Inhaltsanalyse: methodische Herausforderung, aber ohne Alternative. In: WELKER, Martin / WÜNSCH, Carsten (Hrsg.): Die Online-Inhaltsanalyse. Forschungsobjekt Internet. Köln, 2010, S. 10

[81] ebd.

[82] So schreibt Sebastian Holzapfel in einer Rezension über das 2008 erschienene Buch „Journalismus Online – Partizipation oder Profession“: „Rund zwölf Jahre nach den ersten Forschungen zum Thema Journalismus und Internet beschleicht einem beim Lesen des Bandes noch immer das Gefühl: Mit jedem Schritt betreten wir Neuland.“ (HOLZAPFEL, Sebastian: Noch immer mit jedem Schritt Neuland betreten (Rezension zu „QUANDT, Thorsten / SCHWEIGER, Wolfgang: Journalismus Online – Partizipation oder Profession? Wiesbaden, 2008“). In: message. 2008, Heft 4, S. 98

[83] Vgl. HERBERS, Martin R. / FRIEDEMANN, Anne: Spezielle Fragen der Reliabilität und Validität bei Online-Inhaltsanalysen. In: WELKER, Martin / WÜNSCH, Carsten (Hrsg.): Die Online-Inhaltsanalyse. Forschungsobjekt Internet. Köln, 2010, S. 241

[84] Vgl. WELKER, Martin et al.: Die Online-Inhaltsanalyse: methodische Herausforderung, aber ohne Alternative, a.a.O., S. 11

[85] Viele Beispiele dazu hat zum Beispiel das Watchblog BildBlog gesammelt – und täglich kommen neue hinzu (www.bildblog.de)

[86] Zwar zeigt der Google Cache teilweise ältere Überschriften oder Texte einiger Artikel an, doch kann auch hier nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob dies die Ursprungsversion ist.

[87] Vgl. QUANDT, Thorsten (Hrsg.): Journalismus online – Partizipation oder Profession? Wiesbaden, 2008, S. 720
Die angesprochene Archivierung wäre im Übrigen eine leicht zu lösende Aufgabe, derer sich am besten jetzt angenommen wird: Universitäten mit Journalistik-Studiengängen oder Institute, die sich Medien widmen, könnten mit einfachen Mitteln („Cron-Job“) die Startseiten der deutschen Online-Medien archivieren; sei es als html-Version oder als Screenshot. Es wäre weder teuer noch aufwendig, doch es sollte in Angriff genommen werden. Unter http://okayfail.com/2011/nytimes-timelapse.html kann man das Ergebnis eines solchen Projekts sehen: Ein Blogger hat versehentlich (!) von September 2010 bis Juli 2011 alle zwei Stunden ein Screenshot der New-York-Times-Homepage erstellt und diese Datenmasse dann (absichtlich) in einem Video verarbeitet.

[88] Vgl. WELKER, a.a.O., S. 11

[89] Vgl. ebd., S. 11

[90] Vgl. ebd., S. 20

[91] Ein echtes Ärgernis, da gerade die Multimedialität ein Alleinstellungsmerkmal von Online-Medien ist. Doch wie die Arbeit an der Untersuchung gezeigt hat, waren es ohnehin hauptsächlich textliche Inhalte oder von der Agentur Reuters eingebettete und unbearbeitete Videos. Trotzdem: Eine umfassende Online-Inhaltsanalyse sollte den Aspekt der Multimedialität in Zukunft immer berücksichtigen.

[92] http://www.qxm.de: Google-Suchen auf einen bestimmten Zeitraum einschränken. 2009. URL: http://www.qxm.de/digitalewelt/2333/google-suchen-auf-einen-bestimmten-zeitraum-einschraenken?com=1 (Stand: 20.09.2011, 19:22 Uhr)

[93] Vgl. RÖSSLER, Patrick / WIRTH, Werner: Inhaltsanalysen im World Wide Web. In: WIRTH, Werner / LAUF, Edmund (Hrsg.): Inhaltsanalyse. Perspektiven, Probleme, Potentiale. Köln, 2001, S. 298

[94] LIEBHART, Ernst H.: Nationalismus in der Tagespresse 1949 – 1966. Studien zur Anwendung quantifizierender Inhaltsanalyse. Messenheim am Glan, 1971

[95] DAALMANN, a.a.O

[96] Vgl. DIEKMANN, a.a.O., S. 607f

[97] Zwischen Bericht und Meldung wird nicht wie üblich nach Zeilenlänge unterschieden, da selbst die kleinsten Meldungen meist eine DIN-A4-Seite einnehmen. Es stehen die formalen Kriterien im Vordergrund: Folgen diese dem typischen Nachrichtenschema (Lead-Satz, Gliederung nach abnehmender Wichtigkeit, Höchstmaß an Objektivität) werden Artikel als Meldungen charakterisiert. Ist das nicht der Fall und der Autor analysiert, schreibt szenisch oder verwendet weitere Kriterien von Feature, Reportage, Analyse oder anderen verwandten Darstellungsformen (die hier wegen Unschärfe und Aufwand nicht weiter ausdifferenziert werden) fällt der Artikel in die Kategorie Bericht. Vgl. VON LA ROCHE, Walther: Einführung in den praktischen Journalismus. München, 2004, S. 65ff

[98] s.o.

[99] Klickstrecken sind eine originäre Darstellungsform im Internet: Es wird immer ein Bild mit Unterzeile angezeigt, per Klick gelangt man zum nächsten Bild. Für diese Untersuchung wurden die Unterzeilen kopiert, in ein Word-Dokument eingefügt und dieses dann abgespeichert. Die Bilder wurden, wie oben angeführt, nicht berücksichtigt.

[100] Nach der Analyse stellte sich heraus, dass es interessant gewesen wäre, diese Kategorie noch weiter aufzuschlüsseln, etwa in Personen und Parteien oder zumindest in Regierung/Opposition. Im Zuge des qualitativen Teils wird zwar darauf eingegangen, doch eine quantitative Analyse wäre hier sicher aufschlussreich – aber wiederum auch noch komplexer – gewesen.

[101] Vgl. DIEKMANN, a.a.O., S. 589

[102] ebd.

[103] Über diese Entscheidung lässt sich natürlich sehr ausführlich diskutieren. Es gibt sicher auch andere Kategorisierungsmöglichkeiten, alle mit ihren Vor- und Nachteilen. Hier wurde sich für die einfachste entschieden, um möglichst komplexitätsreduzierend zu arbeiten.

[104] FROMM, a.a.O.

[105] Mehr dazu in Kapitel 7.2.

[106] Siehe dazu Anhang B.

[107] Die Original-Meldung dazu findet sich heute noch hier: http://www.ft.com/intl/cms/s/0/225bbcc4-2f82-11df-9153-00144feabdc0.html (Stand: 26.09.2011, 21:19 Uhr)

[108] ebd.

[109] Jeweils die Ausgabe vom 16. März 2010

[110] So getan am Montag, 12. September, 2011, 16:50 Uhr

[111] Diese Erkenntnis hat der Verfasser aus eigenen Beobachtungen gewonnen.

[112] Namentlich erwähnt wird er übrigens – in dieser archivierten Fassung – nicht; nach dem Bild über dem Artikel zu schließen, handelt es sich aber um Hans-Peter Keitel.

[113] Das wird in dem Kontext nicht ersichtlich.

[114] Hier kann aber davon ausgegangen werden, dass es sich um einen Agenturtext handelt, weil die exakt gleiche Formulierung auch bei Handelsblatt.com auftaucht. Allerdings hätte der Redakteur diese auch redigieren können.

[115] Und auch inhaltlich kann hier kritisiert werden: Schließlich stellt Spiegel Online hier nur die Veränderung der Arbeitskosten dar – und nicht die absoluten Zahlen. Wenn niedrige Arbeitskosten ein wenig zulegen, ist das noch lange nicht dasselbe, als wenn hohe Arbeitskosten noch weiter steigen.

[116] Wie auch schon bei Spiegel Online vermerkt, handelt es sich hier wohl um die Formulierung einer Agentur (die aber auch redigiert hätte werden können)

[117] Der Grund dafür ist höchstwahrscheinlich, dass sich die ersten beiden Meldungen stark auf Agenturmaterial gestützt haben und von (freien) Ticker-Journalisten verarbeitet wurden.

[118] Die Währung, die Griechenland vor Einführung des Euro hatte.

[119] Über die Beurteilung des Wortes „Prass-Wirtschaft“ als eine negative Konnotation ließe sich streiten, da der Begriff im Kern etwas Wahres hat; dennoch ist er sehr undifferenziert, verallgemeinernd und vor allem: abwertend.

[120] Umgangssprachlich eher als „die fünf Wirtschaftsweisen“ bekannt.

[121] Sowohl Bofinger als auch Dullien sind eher dem Keynesianismus zugewandt. Dieser sieht (grob gesagt) die Nachfrage – und nicht das Angebot – als entscheidende Größe für Produktion und Beschäftigung in einer Volkswirtschaft an.

[122] Näheres zum Thema Weblogs findet sich im Anhang A I und unter anderem bei SCHMIDT, Jan: Weblogs. Eine kommunikationssoziologische Studie. Konstanz, 2006

[123] Aufgeschlüsselt nach Ländern: DQ-MQ: 21 (0,12); AQ-MQ: 30 (0,17); DQ-WQ: 32 (0,18); AQ-WQ: 13 (0,07)

[124] Dies wird auch „Dekontextualisierung“ genannt – ein Strukturmerkmal der Auslandsberichterstattung allgemein. Vgl.: HAFEZ, Kai: Die politische Dimension der Auslandsberichterstattung. Band 1: Theoretische Grundlagen. Baden-Baden, 2002

[125] Vgl. MEIER, Klaus: Journalistik. Konstanz, 2007, S. 184

[126] MEIER, Klaus: Journalismus in Zeiten der Wirtschaftskrise. Neun Thesen zum Strukturwandel der Medien. In: Journalistik Journal. 2009, Heft 1, S. 14-17

[127] Vgl. ebd.

[128] Beispielhaft ist hier die Debatte um den Vorschlag von Peter Sloterdijk, eine freiwillige Abgabe der Steuern einzuführen: Diese Diskussion nahm ihren Ausgang in der Zeit, erstreckte sich aber weit darüber hinaus auf die FAZ, den Spiegel, den Freitag, Cicero, die Junge Welt und viele weitere Medien. Später wurden die Beiträge sogar in dem Buch „Angriff der Leistungsträger? Das Buch zur Sloterdijk-Debatte“ zusammengefasst.

[129] Das gegenseitige Verlinken ist ein essentielles Merkmal der Blogosphäre. Vgl. SCHMIDT, a.a.O.

[130] MOORE, Charles: I’m starting to think that the Left might actually be right. 2011. URL: http://www.telegraph.co.uk/news/politics/8655106/Im-starting-to-think-that-the-Left-might-actually-be-right.html (Stand: 28.09.2011, 18:18 Uhr)
Auf diesen Kommentar hin gab es weitere Kommentare unter anderem auf faz.net und auf tagesanzeiger.ch

[131] Gerade in Medienblogs wie http://www.bildblog.de oder stefan-niggemeier.de wird dieses Thema gerne rauf- und runterdiskutiert.

[132] Ein Vorreiter in dieser Form des Korrespondenten-Berichts ist seit Jahren die „Neue Züricher Zeitung“.

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