3. Was sind Blogs?

Was sind Blogs?

Viele Publizisten haben sich in den vergangenen Jahren darum bemüht, eine Definition für Blogs zu finden. Bei vielen endete es jedoch in halbgaren Versuchen, sie erklärten, es sei schwer, eine geeignete Definition zu finden[1]. Nicht so bei Jan Schmidt. Seine Begriffsbestimmung lautet:

„Als Weblogs bezeichnet man regelmäßig aktualisierte Webseiten, auf denen Inhalte (meistens Texte beliebiger Länge, zunehmend aber auch Bilder, Videos oder andere multimediale Inhalte) in umgekehrt chronologischer Reihenfolge angezeigt werden. Die Beiträge sind einzeln adressierbar und bieten in der Regel die Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen. Die Gesamtheit aller Blogs wird auch als ‚Blogosphäre‘ bezeichnet.“[2]

Außerdem seien Blogs authentisch, weil sie die Persönlichkeit des Autors repräsentieren, dialogorientiert, weil sie per Kommentarfunktion und E-Mail-Kontakt Kommunikation unterstützen, sowie dezentral aufgrund ihrer Verfügbarkeit im Internet.[3] Ganz ähnlich lautet die Definition von Ansgar Zerfaß / Dietrich Boelter:

„Weblogs (in Kurzform: Blogs) sind Online-Publikationen, die sich durch kurze, umgekehrt chronologisch angeordnete Einträge sowie eine starke Dialogorientierung auszeichnen und besonders expressive, authentische Ausdrucksformen ermöglichen.“[4]

Auch Zerfaß / Boelter gehen im Verlauf des Textes auf die Kommentarfunktion ein und ergänzen noch einige technische Aspekte, auf die hier aber nicht eingegangen werden soll. Außerdem prägen Blogs die „muntere Nutzung von Links“[5], also das verlinken auf andere Blogs oder Websites.

Josef Trappel definiert Online-Medien[6] nach folgenden Merkmalen, die sich stark mit denen von Blogs decken: Hypertextualität („muntere Nutzung von Links“), Digitalität („Online-Publikationen“), Ubiquität („dezentral“), Multimedialität („zunehmend auch Bilder, Videos und andere multimediale Inhalte“) und Interaktivität („dialogorientiert“). Außerdem führt er noch die Aktualität (auch „Immediacy“[7] genannt) auf, die ebenfalls auf Blogs zutrifft: Einträge in Blogs sind sofort verfügbar, haben keinen Publikationsrhythmus.

Wie erwähnt, zeichnen sich Blogs zudem durch Authentizität aus, da die Texte subjektiv geprägt sind. Biz Stone sagt dazu: „A blog is a collection of digital content that, when examined over a period of time, exposes the intellectual soul of its author or authors.”[8] Zusammengefasst sind die Merkmale von Blogs also: Hypertextualität, Digitalität, Ubiquität, Multimedialität, Interaktivität, Aktualität und Authentizität.

In der Blogosphäre wird unter anderem diskutiert, ob Blogs noch Blogs sind, wenn sie keine Kommentarfunktion besitzen – wie etwa das bekannte BILDBlog[9] -, wenn sie nicht mehr aktualisiert werden – wie sehr viele Blogs – oder wenn sie von einem Privatunternehmen betrieben werden – wie etwa der FRoSTA Blog[10]. Ich halte diese Diskussionen für nicht relevant: Nicht allein die Kommentarfunktion gewährleistet Interaktivität – BILDBlog etwa hält immer noch Kontakt mit seinen Lesern[11] –, eine Zeitung ist immer noch eine Zeitung, wenn sie schon lange nicht mehr erscheint – Blogs sind gleichermaßen aktiv oder inaktiv –, und eine Unternehmenszeitschrift ist auch eine Zeitschrift – es ist lediglich eine andere Erscheinungsform. Womit wir beim nächsten Kapitel wären.

Je nachdem in welche Publikation zum Thema Blogs man schaut, entdeckt man eine andere Gliederung nach Erscheinungsformen. Es gibt eine so große Anzahl an Unterkategorien für Blogs – K-Logs, Vlogs, Blawgs, Warblogs und noch viel mehr -, die nach meinem Erkenntnisstand niemand systematisch aufgelistet hat. Das werde ich jedoch auch nicht machen, da es ungefähr so sinnvoll wäre, wie sämtliche Zeitschriftenarten – Anglermagazine, Frauenzeitschriften und so weiter – zu kategorisieren. Viel wichtiger ist es, diese ganze Masse an Erscheinungsformen Gruppen zuzuordnen. Das haben einige Autoren gemacht – allerdings sind sie nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen.

Fangen wir damit an, wo sich die Publizisten einig sind: Es gibt Individual Blogs, die von nur einer Person geschrieben werden, und Group Blogs[12] (auch: textitMultiautoren-Blog genannt[13]), bei denen es mehrere Autoren gibt. Außerdem gliedert Armborst nach Filter-Style und Free-Style Blogs[14]. Ein Filter-Style Blog ist sozusagen die Ursprungsform eines Weblogs: hier werden nur Links empfohlen. Free-Style Blogs hingegen haben eher Tagebuch-Charakter und weisen – vereinfach gesagt – „einen größeren Text-Anteil und eine geringere Link-Dichte auf“.[15] Heutzutage existieren größtenteils Free-Style Blogs oder eine Mischung aus beiden.

Ab jetzt verfolgt jeder Autor eine andere Aufteilung: Armborst gliedert nach „Weblog-Typen“. Zu ihnen zählt er Experten-Blogs, Watchblogs, Warblogs, Journalisten-Blogs (J-Blogs), Untergrund-Blogs, Blogs in PR und Werbung sowie (auch wenn es im Grunde kein eigener Typ ist) Blogs als Einnahmequelle[16]. Zerfaß / Boelter unterscheiden nach privaten und journalistischen Blogs, nach Blogs in der Zivilgesellschaft[17] sowie Blogs von Institutionen, Unternehmen und Parteien als auch Blogs von Politikern und Prominenten[18]. Schmidt / Schönberger / Stegbauer nehmen folgende Gliederung vor: Weblogs als persönliche Tagebücher, Weblogs als Medien der (internen/externen) Organisationskommunikation, Weblogs als (quasi-)journalistische Publikation und Weblogs als Medien der Expertenkommunikation/des persönlichen Wissensmanagements.[19]

Diese drei Kategorisierungen sind einige unter vielen[20], aber nicht ohne Grund herausgesucht: Armborst zählt die gängigsten Arten von Weblogs auf, die anderen Autoren schildern gute Ansätze, wie man Blogs in Gruppen einteilen kann. Im Folgenden sind Armborsts Weblog-Typen näher erläutert[21]:

Expertenblogs: Hier bloggen Personen, die sich als Experte auf einem Fachgebiet sehen und ihr Wissen verbreiten möchten; auch bekannt unter K-Blogs (K für Knowledge[22]). Bekannte deutsche Blogs sind Science Blog[23] und Jurablogs[24].

Watchblogs[25]: Watchblogger beobachten Politker, Unternehmen sowie Journalisten und überprüfen ihre Aussagen und Behauptungen; diese Form ist vor allem in den USA weit verbreitet. Bekannte deutsche Blogs sind das BILDBlog und der NPD-Blog[26].

Warblogs: Warblogs kamen nach den Terroranschlägen am 11. September auf und bezeichneten Blogs, die politische Meinungen zu den Kriegen der USA vertreten. Heute steht der Begriff Warblogger meist für Leute, die direkt aus Krisengebieten berichten. Bekannte Blogs sind InstaPundit[27] und Where is Raed?[28]

J-Blogs: In Journalisten-Blogs schreiben – wie der Name vermuten lässt – professionelle Journalisten; manche aus dem Grund, da sie nicht an redaktionelle Vorgaben gebunden sind, andere um sich besser zu vermarkten. Bekannte Blogger-Journalisten sind Stefan Niggemeier[29] und Christopher Allbritton[30].

Untergrund-Blogs: Dieser Weblog-Typ kommt vor allem in Ländern vor, in denen strenge Medienzensur herrscht; eine große Blogger-Szene hat sich etwa im Iran etabliert, obwohl bereits Blogger wegen ihrer Berichte zu Haftstrafen verurteilt wurden. Bekannte Blogs: The Religious Policeman[31] und das bereits erwähnte Blog Where is Raed?.

Blogs in PR und Werbung: Diese Kategorie bezeichnet Blogs, die – offensichtlich oder unterschwellig – Werbung für ein Unternehmen machen. Erkennbar von Unternehmen veröffentlichte Blogs heißen auch Corporate Blogs[32], wie etwa das erwähnte FRoSTA Blog.

(Blogs als Einnahmequelle[33]: Auch wenn Deutschlands meistverlinkter Blogger Robert Basic im Januar 2009 sein Blog Basic Thinking für 46902 Euro verkauft hat[34], ist es in der Bundesrepublik sehr schwer, mit Bloggen sein Lebensunterhalt zu verdienen[35]. In den USA hingegen sind Blogs eine Verdienstquelle. Berühmtestes Beispiel ist der Blog Gawker[36], dessen Werbeeinahmen 2004 bei etwa einer Viertel Millionen Dollar gelegen haben soll.[37])

Vergleicht man die Kategorisierungen von Zerfaß / Boelter sowie Schmidt et al., erkennt man, dass beide zwischen Privatblogs (Schmidt: persönliche Tagebücher) und Unternehmensblogs (damit sind auch Institutionen und Parteien von Zerfaß / Boelter gemeint; Schmidt: Organisationskommunikation) unterscheiden. Die Kategorien „Blogs von Politikern und Prominenten“ und „Blogs in der Zivilgesellschaft“ fallen je nach Intention der Autoren in die eine oder andere dieser beiden Kategorien oder bilden einen Mix daraus.

Die Frage ist nun, ob man nun zwischen (quasi)-journalistischen Weblogs und Weblogs als Medien der Expertenkommunikation unterscheiden muss. Da sich beide Blogarten meist auf ein Thema fokussieren, sind sie im Grunde vergleichbar mit Fachzeitschriften. Mein Vorschlag ist daher, beide Kategorien in der Gruppe Fachblogs zu vereinen. Unter diese Gruppe fallen all jene Blogs, die keinen Tagebuch-Charakter haben, sondern relevantes Wissen verbreiten[38] – und nicht von Unternehmen, Institutionen und so weiter gesteuert werden.

Daraus ergibt sich folgende Aufteilung:

Privatblogs: Im Grunde ist das die Gruppe der Online-Tagebücher. Auch bloggende Prominente und Politiker zählen hierzu, solange ihr Privatleben im Vordergrund steht.

Unternehmensblogs: Hier unterliegen die Autoren gewissen Richtlinien des Unternehmens (der Institution, der Partei, der Initiative und so weiter), von dem das Blog betrieben wird. Auch verkappt Werbung machende Blogger zählen in diese Gruppe. Weblog-Typen sind unter anderem PR-Blogs und Corporate Blogs.

Fachblogs: Im Gegensatz zu Privatblogs steht hier nicht das Privatleben der Blogger im Vordergrund, sondern ein Fachgebiet. Diese Gruppe spaltet sich weiter auf in (quasi-)journalistische Blogs (Watchblogs, Warblogs, J-Blogs und Untergrund-Blogs) sowie Expertenblogs.

Sicherlich gibt es auch hier Überschneidungen: Ein Privatblog kann Ansätze eines Expertenblogs beinhalten oder kann gar – etwa bei Kriegseintritt – zu einem Untergrund-Blog werden[39]. Doch genauso wie Programmzeitschriften sich auch anderen Themen als dem TV-Programm widmen, tun es auch Blogs. Es geht darum, welcher Kategorie man ein Blog grundsätzlich zuordnen kann.

Kapitel 4: Das sind Blogs!


[1]Vgl. etwa UNGER, Frank: Die Blogosphäre. Inhaltliche Strukturen deutschsprachiger Weblogs. Dresden, 2005. URL: http://static.twoday.net/neuronal/files/magisterarbeit.pdf, S. 6ff und die Aussage von MORTENSEN / WALKER, a.a.O., S. 271

[2]SCHMIDT: Weblogs, a.a.O. , S. 13

[3]ebd., S. 13

[4]ZERFAß / BOELTER, S. 20

[5]ALBY, Tom: Web 2.0. Konzepte, Anwendungen, Technologien. München, 2008

[6]TRAPPEL, Josef: Online-Medien. Leistungsprofil eines neuen Massenmediums. Konstanz, 2007, S. 40ff; Die Tabelle zur Erklärung der einzelnen Merkmale findet sich im Anhang auf Seite <!–[if supportFields]> PAGEREF _Ref226127830 \h <![endif]–>14<!–[if supportFields]><![endif]–>.

[7]Übersetzt: Unmittelbarkeit; das sofortige Vorhandensein (von Informationen)

[8]STONE, Biz: Who let the Blogs out? A Hyperconnected Peek at the World of Weblogs. New York, 2004. Zitiert nach: ALBY, a.a., S. 22. Übersetzt: Ein Blog ist eine Sammlung digitaler Inhalte, die – über einen längeren Zeitraum betrachtet – die intellektuelle Seele seines Autors oder seiner Autoren enthüllt.“

[9]BILDBlog: URL: http://www.bildblog.de

[11]Vgl. ALBY S. 206f (Interview mit BILDBlog-Begründer Stefan Niggemeier)

[12] BOWMAN, a.a.O., S. 23

[13] ALBY, a.a.O, S. 22

[14] ARMBORST: Kopfjäger, a.a.O. , S. 42

[15] ebd., S. 43

[16] ebd., S. 50ff

[17] Damit sind Blogs von Initiativen und Aktivisten gemeint

[18] ZERFAß / BOELTER, a.a.O., S. 23ff

[19] SCHMIDT, Jan / SCHÖNBERGER, Jan / STEGBAUER, Klaus: Erkundungen von Weblog-Nutzungen. Anmerkungen zum Stand der Forschung. kommunikation@gesellschaft, Jg. 6, Beitrag 4., URL: http://www.soz.uni-frankfurt.de/K.G/B4_2005_Schmidt_Schoenberger_Stegbauer.pdf (Stand: 25. März 2009, 19 Uhr)

[20] Thomas Pleil unterscheidet etwa nach privaten Blogs, Media Blogs und PR Blogs. PLEIL, Thomas: Meinung machen im Internet? Personal Web Publishing und Online-PR. In: PR-Guide. Heft 09/04, URL: http://www.oj.h-da.de/fileadmin/dokumente/Pleil_OnlinePR_Blogs.pdf (Stand: 25. März 2009, 19:16 Uhr)

[21] Alle Definitionen und Information stammen – wenn nicht anders angegeben – aus: ARMBORST: Kopfjäger, a.a.O. , S. 50ff. Die erwähnten Blogs stammen teilweise ebenfalls dieser Arbeit, teilweise habe ich sie selbst ausgewählt.

[22] Übersetzt: Wissen

[23] Science Blog: URL: http://www.scienceblogs.de/

[25] Ein lesenswerter Artikel über diese Weblogform erschien in der Zeitschrift message: FENGLER, Susanne: Die große Invasion der www-Watchdogs. In: message. Heft 2/2007, S. 20-23.

[26] NPD-Blog: URL: http://npd-blog.info/

[28] Where is Raed?: URL: http://dear_raed.blogspot.com/

[29] Stefan Niggemeier: URL: http://www.stefan-niggemeier.de/

[30] Back to Iraq: URL: http://www.back-to-iraq.com/

[31] The Religious Policeman: URL: http://muttawa.blogspot.com/

[32] Übersetzt: Unternehmensblogs

[33] Dieser Weblog-Typ wird weiter nicht beachtet, da er im Grunde keine eigene Kategorie darstellt. Er wird nur aufgrund der Vollständigkeit und des Interesses ausgeführt.

[34]SPIEGELOnline: „Basic Thinking“ bringt 46.902 Euro ein. URL: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,601539,00.html (Stand: 25. März 2009, 22:10 Uhr)

[35] Blogging Magazin: Kann man vom Bloggen leben? URL: http://www.blogging-magazin.de/kann-man-vom-bloggen-leben/ (Stand: 25. März 2009, 22:18 Uhr)

[37] Vgl. SCHÖN, Gerti: Bloggst du schon? Weblogs boomen weltweit. In: Medium Magazin. Heft 10/2004, S. 48f.

[38] Natürlich lässt sich darüber streiten, ob Tagebücher nicht auch relevantes Wissen beherbergen. Das ginge für diese Arbeit aber zu weit.

[39] So etwa geschehen mit dem bereits erwähnten Blog Where is Raed?

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