1. Einleitung

Einleitung

Weblog, das; -s, <engl.> (Internet-Tagebuch mit Katzenbildern)

Gefälschter Duden-Eintrag von 2004[1]

Blog – das Wort erinnert eher an ein neues Produkt aus dem Hause Lego als an den Bestandteil einer „heimlichen Medienrevolution“[2]. Dennoch trug im Juli 2006 die Duden-Redaktion die abgekürzte Form des Begriffs Weblog in ihr Standardwerk „Die deutsche Rechtschreibung“ ein[3] und verankerte es damit sozusagen offiziell in der deutschen Sprache. Doch was genau ist eigentlich ein Blog[4]?

Eine einfache Erklärung lautet oft: ein Internet-Tagebuch. Für den alltäglichen Umgang reicht sie aus – doch im Grunde ist sie überholt. Längst sind es nicht mehr nur Privatpersonen, die im Internet über Blogs ihr Alltagsleben der Welt mitteilen. Es gibt Blogs zu den verschiedensten Fachgebieten, und auch die Politik und die Wirtschaft haben das sogenannte Bloggen für sich entdeckt.

Laut einer Studie des Instituts EARSandEYES aus dem Jahr 2008 wissen 81% aller deutschen Internet-Nutzer[5] zwischen 18 und 49 Jahren, was ein Blog ist. 15% kennen den Begriff nur vom Namen, vier Prozent haben ihn noch nie gehört[6]. Einer älteren Umfrage von 2005 zufolge kannten 27% aller 14 bis 65 Jahre alten Internet-Nutzer in Deutschland den Begriff[7]. Da die beiden Studien sich in der Stichprobenauswahl unterscheiden, kann man sie nicht 1:1 vergleichen; dennoch wird deutlich, dass Blogs bekannter sind als noch vor einigen Jahren.

Auch die deutsche Wissenschaft hat sich nun mehr dem Thema angenommen. Matthias Armborst monierte 2005 noch in seiner Diplomarbeit, dass es „derzeit keine umfassende wissenschaftliche Darstellung des Phänomens“ gebe[8]. Im Jahr 2007 veröffentlichte er seine Arbeit als Buch[9] und hielt sein Versprechen, diese Lücke ein wenig zu schließen. Auch Ansgar Zerfaß / Dietrich Boelter[10] und Jan Schmidt[11] trugen 2006 mit ihren Publikationen ebenfalls dazu bei, widmen sich jedoch nicht der Rolle von Blogs im Mediensystem. Diesen Schritt tat Anke Nehrenberg 2007 mit ihrer Arbeit[12], die stark auf den Erkenntnissen von Shayne Bowman und Chris Willis[13] aufbaut. Sie vernachlässigt allerdings die Frage, was Blogs eigentlich sind.

Daher beschäftigt sich diese Hausarbeit nicht damit, welche Rolle Blogs in der Gesellschaft oder in Bezug auf den Journalismus spielen. Sie soll nur den derzeitigen Forschungsstand von Blogs so gut es geht komprimiert wiedergeben, um so nichts anderes zu beantworten als eine einfache Frage: Was sind Blogs?[14]

Da diese Hausarbeit dieser recht einfach erscheinenden Frage nachgeht, soll sie den Leser auf einen Streifzug durch das Wesens eines Blogs mitnehmen: Sie beginnt mit den Ursprüngen von Weblogs: Wie sie sind sie entstanden und warum heißen sie überhaupt so? Darauf folgt ein kurzer Einblick in die derzeitige Blog-Welt: Wie viel Blogs gibt es und wieviele Menschen lesen sie?

Das nächste Kapitel widmet sich schließlich der Frage, wie man Blogs definieren kann. Es beginnt mit einer generellen Begriffserklärung – Was sind Blogs? – und geht dann ins Spezielle über: Welche Erscheinungsformen und welche Typen gibt es? Da es auf letztere Frage in der Wissenschafts-Literatur keine eindeutige Antwort gibt, habe ich aus mehreren aktuellen Publikationen selbst eine konstruiert, die meiner Ansicht nach zufriedenstellend ist.

Das letzte Kapitel fasst in Kürze noch einmal alles zusammen, was ein Blog zum Blog macht. Zur besseren Übersicht sind diese Erkenntnisse auch noch einmal grafisch veranschaulicht.

Kapitel 2: Die Geschichte von Blogs


[1]SVENSSON, Alexander: Dichtung und Wahrheit. Der echte Duden-Eintrag zu Weblogs. 2006. URL: http://www.wortfeld.de/2006/07/dichtung_und_wahrheit/ (Stand: 29. März 2009, 22:35 Uhr).

[2]MÖLLER, Erik: Die heimliche Medienrevolution. Wie Weblogs, Wikis und freie Software die Welt verändern. Hannover, 2005. URL: http://medienrevolution.dpunkt.de/files/Medienrevolution-1.pdf (Stand: 12. März 2009, 17:36)

[3]Meldung auf tagesschau.de vom 7. Juli 2006. URL: http://www.tagesschau.de/schlusslicht/meldung109304.html (Stand: 14. März 2009, 15:32 Uhr)

[4]Laut Duden heißt es sowohl das oder auch der Blog. In dieser Arbeit wird das Neutrum benutzt. Eintrag „Blog“ auf http://www.duden.de. URL: http://duden-suche.de/suche/artikel.php?shortname=fx&artikel_id=2002669 (Stand: 14. März 2009, 15:53)

[5] Wenn nicht anders angegeben, ist die maskuline Form als geschlechtsübergreifend zu verstehen.

[6]EARSandEYES, Meinungsforschungsinstitut: Blogs (Online-Befragung mit 1500 Internet-Nutzern in Deutschland). 2008. URL: http://de.statista.com/statistik/diagramm/studie/89004/umfrage/bekanntheit-bzw.-haeufigkeit-des-lesens-von-blogs/#info (Stand: 14. März 2009, 13:55 Uhr)

[7]PROXIMITY, Germany: Corporate Blogging – Chancen für den Dialog (Qualitative Studie mit 2700 Internet-Nutzern in Deutschland). 2005. URL: http://www.bbdo.de/de/home/presse/aktuell/20050/12_05_2005_-_aktuelle.html (Stand: 14. März, 18:50 Uhr)

[8]ARMBORST, Matthias: Bottom-Up statt Top-Down. Alternativer Journalismus in der Weblog-Kommunikation: Potenzial – Handlungsweisen – Ethik – Grenzen. Dortmund, 2005

[9]ARMBORST, Matthias: Kopfjäger im Internet oder publizistische Avantgarde? Was Journalisten über Weblogs und ihre Macher wissen sollten. Münster, 2007

[10] ZERFAß, Ansgar / BOELTER, Dietrich: Die neuen Meinungsmacher. Graz, 2006

[11] SCHMIDT, Jan: Weblogs. Eine kommunikationssoziologische Studie. Konstanz, 2006

[12] NEHRENBERG, Anke: Weblogs im Mediensystem. Grassroots Journalism als demokratisches Element in der massenmedialen Berichterstattung. Saarbrücken, 2007

[13] BOWMAN, Shayne / WILLIS, Chris: We Media. How audiences are shaping the future of news and information. 2003. URL: http://www.hypergene.net/wemedia/download/we_media.pdf

[14] Dabei geht es um die „traditionellen“ Blogs. Erscheinungen wie Podcasts und Mikroblogs wie Twitter haben in dieser Arbeit leider keinen Platz.

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