Ausbeuterbetriebe – Weniger empören, mehr diskutieren

1       The Great Non-Debate

Fast jeder in der westlichen Welt kennt die Berichte über die harten Arbeitsbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern, über die Ausbeutung der dort lebenden Menschen – und der Kinder. Immer wenn ein Journalisten-Team oder eine Nicht-Regierungs-Organisation (Non-Governmental Organization, NGO) über einen exemplarischen Fall berichtet, schwappt eine Welle der moralischen Empörung über die Menschen in den Industrienationen. Nach nur wenigen Tagen oder Wochen ebbt diese aber wieder ab, ändern tut sich kaum etwas.

Ian Maitland, Professor für Wirtschaftsethik an der Universität in Minnesota, hat sich diesem Thema gewidmet – und geht dabei nicht der Frage nach, warum das so ist oder was man daran ändern könnte. Sondern er kritisiert die Kritiker. Denn diese seien Maitland zufolge nur daran interessiert, die öffentliche Empörung am Kochen zu halten.[1] Dadurch fördern sie – so der Titel des Aufsatzes – „The Great Non-Debate over International Sweatshops“. Paradoxerweise, so der Autor, würde aber ein Friedensschluss zwischen Konzernen und Kritikern genau das Gegenteil von dem bewirken, was eben jene Kritiker erhoffen.

Würden die Unternehmen, so Maitland, die Forderungen ihrer Kritiker umsetzen – etwa höhere Löhne und bessere Arbeitsstandards –, würde sich die Situation für die Menschen in den Entwicklungsländern laut Maitland nicht verbessern, nein, sie würde sich sogar verschlechtern: Im formalen Sektor stiege die Arbeitslosigkeit, im informellen Sektor sänken die Löhne; Investoren würden sich zurückhalten und so das Wachstum abschwächen, zudem gäbe es weniger Exporte und sowohl Armut als auch Ungleichheit nähmen zu.[2]

Maitland meint mit seinem Text bewiesen zu haben, dass die Prinzipien der Neoklassik auch auf internationale Märkte anzuwenden sind: Nur mehr Wettbewerb könne eine Verbesserung bringen – und eben nicht mehr Regulierung wie sie Sweatshops-Kritiker fordern. Seine Devise lautet daher: „The best cure for sweatshops is more sweatshops.”[3] Aus diesem Grund haben multinationale Konzerne nach seiner Argumentation nicht nur das Recht, nein, sogar die soziale Verantwortung „to transcend their own narrow preoccupation with protecting their brand image and to publicly defend a system which has greatly improved the lot of millions of works in developing countries”[4].

Wie er zu diesem Schluss kommt – ohne nebenbei bemerkt nur einen einzigen Sweatshop persönlich besucht zu haben[5] – werde ich auf den folgenden Seiten beschreiben und kritisch einordnen.

2       Ökonomie und Ironie

Maitland widmet sich den Themen, die seiner Ansicht nach am häufigsten von Kritikern angesprochen werden. Er beschäftigt sich unter anderem mit den Vorwürfen, dass durch Sweatshops der absolute Lebensstandard in den betroffenen Ländern sinkt, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnet und dass multinationale Konzern gemeinsame Sache mit repressiven Staatsregimes machen und diese so unterstützen. Vor allem aber geht es ihm um die Höhe der Löhne und um die Arbeitsbedingungen in den Sweatshops.

2.1      Löhne und Arbeitsbedingungen

Die Sweatshop-Kritiker fordern meist ein Gehalt, das unter der Bezeichnung „living wage“[6] firmiert; also ein Lohn, der es dem Arbeiter erlaubt „to live in dignity as a human being“[7]. Dabei ist es egal, wie viel andere lokale Arbeitgeber ihren Angestellten zahlen.

Maitland hingegen präferiert eine Gehaltsbildung, die er „Classical liberal standard“[8] nennt. Kurz gesagt: Das Angebot und die Nachfrage nach Arbeit bestimmen den Preis, sprich: den Lohn. Die Arbeiter in dem jeweiligen Land wüssten am besten, was sie im Vergleich zu ihren Alternativen verlangen könnten.[9] Dabei geht Maitland von einem „informed worker“ aus, also einen über alles informierten Arbeiter. Auch wenn es diesen in der Realität nicht gibt (asymmetrische Informationsverteilung, Prinzipal-Agent-Theorie), so sind seine Argumente für diese Art der Lohnfindung nicht ganz einfach von der Hand zu weisen.

Wenn Sweatshops in einem Land höhere als auf dem Markt übliche Löhne zahlen – etwa durch einen Mindestlohn –, würde das, so Maitland, Investoren abschrecken. Diese würden sich andere Länder suchen, in denen sie günstiger produzieren können. Dadurch würde der informelle Sektor anschwellen, der wiederum weniger reguliert ist und noch mehr Gefahren für die Gesundheit der Arbeiter birgt als Sweatshops. Zudem würde das Land weniger exportieren, das gesamtwirtschaftliche Wachstum ginge zurück. Armut und höhere Ungleichheit wären die Folgen.[10]

Dabei macht es laut Maitland keinen Unterschied, ob es um die Löhne oder die Arbeitsbedingungen geht. Er zitiert eine Untersuchung der Weltbank, worin es heißt:

„[R]educing hazards in the workplace is costly, and typically the greater the reduction the more it costs. Moreover, the costs of compliance often fall largely on employees through lower wages or reduced employment. As a result, setting standards too high can actually lower workers’ welfare…”[11]

 Auch wenn diese Argumentation dem einen oder anderen missfallen mag, so bildet sie doch die realen Verhältnisse gut ab. Karl Homann drückt es so aus:

“In competition it is those with the lowest moral standards who survive in the long term, because in conflict situations compliance with higher moral standards brings with it competitive advantages. (…) Efficient markets allow moral action only to the extent that it turns out to be profitable.”[12]

Vor diesem Hintergrund begründet Homann eine „framing order“[13], die gewissermaßen per Gesetz moralische Mindeststandards vorschreibt. Solche „framing orders“ gibt es bereits – allerdings nur auf nationalstaatlicher und – im Fall der EU – auch auf supranationaler Ebene. Denn hier lassen sich die Vorschriften durchsetzen und Vergehen bestrafen. Auf globaler Ebene aber gibt es aktuell keine Möglichkeit, höhere Standards oder Löhne international festzusetzen, um so ein Wettlauf des Lohndumpings, eines „race to the bottom“, zu verhindern. Eine globale „framing order“ würde nämlich auch voraussetzen, dass ihre Vorschriften durchgesetzt werden können – doch welche Institution kann wirklich von sich behaupten, in die Souveränität eines Staates eingreifen zu können? Und überhaupt: Will die Welt so eine Institution? Und wer bestimmt, wie diese „framing order“ aussieht?

Bevor ich mich diesen Fragen widme, lohnt es sich, weiter auf Maitlands Text zu blicken. Denn in seiner Argumentation gegen die weiteren Vorwürfe bleibt er zwar konsequent in der Verteidigung der Konzerne, konterkariert dabei aber vollkommen seine eigenen Schlussfolgerungen auf paradoxe, geradezu ironische Weise.

2.2      Ungleichheit und repressive Staatsregimes

Wie eingangs erwähnt, geht Maitland nicht nur auf die Kritik der Löhne und Arbeitsbedingungen ein, sondern widmet sich auch anderen Vorwürfen: der durch Sweatshops mutmaßlich verstärkten Ungleichheit und der Verelendung der Bevölkerung sowie der Unterstützung von repressiven Regimes durch die Konzerne von Industriestaaten. In allen Punkten widerlegt er die Kritiker mit verschiedenen Beispielen: So seien gerade in den ostasiatischen Staaten laut Weltbank-Bericht die Reallöhne gestiegen, und auch die Schere zwischen Arm und Reich habe sich weiter geschlossen.[14] Er gibt zwar zu, dass die Konzerne mit – unter westlichen Wertevorstellungen – fragwürdig legitimierten Regimen kooperieren, erklärt dazu jedoch, dass das im Grunde nichts Schlimmes sei: So habe etwa die indonesische Regierung richtig gehandelt, indem sie Gewerkschaftsbewegungen unterdrückt hat, um so die Löhne niedrig und die multinationalen Konzerne im Land zu halten. Dadurch hat der Staat Arbeitsplätze gesichert, die ansonsten verloren gegangen wären.[15]

Auch diese Aussage mögen einige mit großen moralischen Bauchschmerzen aufnehmen, doch auch sie ist nicht so einfach zu widerlegen. Maitlands Argumentationsweise ist aber in ganz anderer Hinsicht interessant: Er ist ein Verfechter der Neoklassik, er fordert weniger Staat und mehr Markt – und dann wählt er für seine Positiv-Beispiele ausgerechnet ostasiatische Länder aus, bei denen Regierungen massiv in die Wirtschaft eingreifen, bestimmte Entwicklung planen sowie forcieren, indem sie etwa seine junge Industrien geschützt haben und teilweise immer noch schützen.[16]

Gerade die Tiger-Staaten Südkorea, Taiwan, Singapur und China haben eben nicht den Washington Consensus befolgt, also den Ruf nach möglichst wenig staatlicher Regulierung wie sie vor allem die USA und der IWF propagiert, und haben trotzdem – oder gerade deswegen – enormes Wachstum verzeichnet. Ganz im Gegensatz dazu stehen die Länder in Lateinamerika, die geradezu die Musterschüler des neoklassischen Washington Konsens waren und ihr Wachstum hauptsächlich auf Pump aufbauten. Dieses Wachstum war weder nachhaltig noch trug es wesentlich zur Verringerung der Ungleichheit bei.[17]

Es ist geradezu ironisch, dass Maitland als Folge seiner Argumentation weniger Staat und mehr freie Marktwirtschaft fordert und dabei als Beispiele für diese Art der Wirtschaftspolitik Länder anführt, die mit freier Marktwirtschaft nur wenig zu tun haben.[18] Es fällt daher schwer, mit Maitlands Schlussfolgerungen übereinzustimmen. Doch sein Text birgt noch eine weitere – ebenfalls paradoxe – Schwäche.

3       The Need for a Debate

Maitland positioniert sich schon am Anfang des Textes deutlich auf die Seite der Konzerne, indem er Berichte der Kritiker als „aggressive, media-savvy campaign“ bezeichnet, die die „publicity-shy retail giants“ in die Defensive drängen.[19] Die multinationalen Konzerne sind seiner Ansicht nach Opfer von Rufschädigung.

Die Schlussfolgerung von Maitland ist eine ganz einfache: Lasst die Konzerne ruhig machen, dann regelt sich alles von alleine. Selbst wenn seine Analysen stimmen, so geht es doch nicht nur um höhere Löhne oder gute Arbeitsbedingungen: Die Wochenzeitung „Die Zeit“ berichtet in ihrer Ausgabe vom 22. März 2012 unter dem Titel „Sklavin für vier Jahre“[20] über die Ausbeutung junger indischer Frauen, die an Fabriken verkauft werden, dort 12 bis 16 Stunden am Tag arbeiten, das Gelände nicht verlassen dürfen und über Jahre hinweg unter Schlägen, Demütigungen und sexuellen Übergriffen zu leiden haben. Maitland mag mit seinen ökonomischen Ausführungen recht haben, doch „die Schattenseiten entstehen da, wo globales Profitstreben auf vormoderne Traditionen trifft, wo archaische soziale Muster durch die Industrialisierung nicht verändert, sondern zementiert werden“[21] – sie entstehen dadurch, dass Menschen nicht wie Menschen, sondern wie Arbeitsmaschinen behandelt werden, die kaputt gehen und ausgetauscht werden können.

Es geht um die Wahrung der Menschenwürde.

Dass sich die Umsetzung dieses Ziels als schwierig gestaltet, stimmt wohl,  aber deswegen mit reinem Gewissen (!) einfach nichts zu tun, ist eine Haltung, die einer Kapitulation vor dem Status Quo gleichkommt.

3.1      Alte Ansätze in einer neuen Welt

Es stimmt: Eine globale „framing order“ in Form einer demokratisch legitimierten Weltregierung liegt noch in sehr weiter Ferne, und auch eine Institution, die in die Souveränität von Staaten eingreift, diese außer Kraft setzt oder untergräbt, ist weder realistisch noch hinnehmbar – auch wenn sie aus dem Werteverständnis einiger Menschen vermeintlich „Gutes“ tut. Denn eine „framing order“ darf nicht aus dem Gerechtigkeitsempfinden einiger entstehen, sondern muss die größtmögliche Schnittmenge aller Beteiligten enthalten.

Doch selbst renommierte Ökonomen wie Joseph Stiglitz, der mit seinem Buch „Making Globalization Work“[22] verschiedene Vorschläge zu einer aus seiner Sicht gerechteren Welt zusammenstellt, kann sich teilweise nicht von Ideen trennen, die auf nationalstaatlicher Ebene und in Teilen auch auf supranationaler Ebene funktionieren. Auch Stiglitz fordert globale Institutionen, die globale Angelegenheiten regeln sollen, beantwortet aber nicht, wie diese demokratisch legitimiert werden können – und auch nicht, wie sie Vorgaben durchsetzen können.

In der um sich greifenden Institutionalisierung der Welt sehen viele ein neues Mittel, um eine globale „framing order“ zu schaffen; doch ich glaube, man muss sich von dem Gedanken einer solchen Ordnung verabschieden, zu illusorisch ist derzeit eine solche Vorstellung. Die alten Rezepte mit Gesetzen und Regularien funktionieren nicht, da niemand ihre Einhaltung durchsetzen kann; sicher sind Institutionen wie die UNO wichtig zur Völkerverständigung und zum Zusammenwachsen der Welt, überschätzen sollte man ihre Macht aber nicht.

In den vergangenen Jahrhunderten wurde sich vor allem mit dem Verhältnis von Staat zum Bürger auseinandergesetzt, doch ist dieses durch die Entstehung und Verbreitung der Demokratie weitgehend geklärt.[23]

Der Frage, der nun nachgegangen werden muss, widmet sich dem Verhältnis des Staates und seiner Bürger zu großen multinationalen Konzernen. Diese sind teils gar mächtiger als Staaten und können sich durch die Globalisierung über landesbezogene Gesetze hinwegsetzen, indem sie einfach ihre Zentrale verlegen. Es wird Zeit, nicht mehr über Verbote und Regulierungen nachzudenken, sondern anzuerkennen, dass nur Verhandlungen mit diesen Mächten zum Ziel führen können – und dieses Vorgehen ist auch schon länger Realität. Beste Beispiele dafür sind die Banken-Bail-Outs sowie Griechenlands Haircut-Verhandlungen während der Finanzkrise.

Es scheint nicht mehr möglich, große Konzerne effektiv regulieren zu können, zu stark sind ihre Macht und ihr Einfluss. Die Überlegungen dürfen zwar nicht in einer Merkelschen „marktkonformen Demokratie“[24] enden, sondern in einer „marktanerkennenden Demokratie“, wenn man so will.

3.2      Von ideologischen zu realistischen Konzepten

Im konkreten Fall der Sweatshops muss man sich also fragen: Was können Staaten bzw. die Menschen dieses Staates den Unternehmen bieten, damit diese auf bessere Arbeitsbedingungen achten? Und da leistet Maitland eine wertvolle Anmerkung, indem er seinen Kritiker Charles Kernaghan zitiert: „Their image is everything. They live and die by their image.”[25]

Und genau hier gilt es anzusetzen: Ein Markt kann nur funktionieren, wenn alle Teilnehmer am Markt bestens informiert sind. Und das sind sie weder durch die PR-Kampagnen der Unternehmen noch durch die Kampagnen der Nichtregierungsorganisationen, die ebenfalls – das sollte nie vergessen werden – eine ganz eigene Agenda verfolgen. Der Journalismus, der eigentlich zwischen diesen beiden Akteuren steht, hat sich dabei schon länger auf die Seite der NGOs geschlagen.[26] Es braucht daher eine Institution, die zwischen den beiden Fronten steht und vermittelt.

In den USA gibt es die Fair Labor Association[27], die unter der Clinton-Administration eingeführt wurde. Diese Non-Profit-Organisation wird finanziert von großen Konzernen wie Nike, Adidas und Apple und soll die Zustände in den Sweatshops überwachen und auf Missstände aufmerksam machen. In ihren Gremien sitzen Vertreter von Universitäten und NGOs, aber auch Vertreter der beteiligten Unternehmen.

Die FLA schreibt In ihrem Jahresbericht für 2010 unter der Überschrift „Why FLA’s Multi-Stakeholder Approach works“, dass die Institution 149 nicht ankündigte Untersuchungen in 21 Ländern durchgeführt habe und dadurch die Einhaltung von Menschenrechten sicherstelle.[28]

Kritiker vermuten jedoch Interessenkonflikte und erklären die angesetzten Standards für zu niedrig.[29] Die Organisation United Students Against Sweatshops (USAS) meint: “[T]he FLA is in fact not an anti-sweatshop organization, but a smokescreen for corporations committing sweatshop abuses.”[30]

Die USAS repräsentiert dabei genau einen solchen Typus Kritiker, den Maitland in seinem Text so sehr kritisiert. Solche Kritiker arbeiteten nicht an Lösungen, sondern versuchten nur Empörung zu stiften.

Wenn man sich den Auftritt von FLA-Präsident Auret van Heerden auf einer TED-Veranstaltung ansieht[31], erkennt man, dass er – genau wie Maitland – genug hat von der „Great Non-Debate“. Aber im Gegensatz zu Maitland versucht er, aktiv etwas an den Zuständen zu ändern. Er spricht von „Governance Gaps“, davon, dass nationale Regierungen die globalen Probleme nicht lösen können, dass es Zeit wird, NGOs und Unternehmen an einen Tisch zu bringen, an einen Ort, wo sie – ohne sich gegenseitig zu verurteilen – zu Übereinkünften kommen, um an den Problemen zu arbeiten.[32]

Die FLA stellt dabei einen ersten Schritt in diese Richtung dar. Durch die Mitgliedschaft können Unternehmen ihr Image schützen oder verbessern, da die Glaubwürdigkeit der Institution zwar nicht unantastbar, aber auf jeden Fall höher ist als die einer PR-Abteilung. Es geht darum, mehr Transparenz zu schaffen und Öffentlichkeit herzustellen. Das Kaufverhalten wird zwar laut wissenschaftlicher Studien nur teilweise durch Fair-Trade-Siegel beeinflusst[33], aber immerhin: Es wird beeinflusst.

Viele Sweatshop-Kritiker stellen aus ökonomischen Gesichtspunkten maßlose und laut Maitland im Endeffekt sogar schädigende Forderungen, egal, ob deren Umsetzung realistisch ist oder nicht. Maitland hingegen empfiehlt, einfach gar nichts zu tun und die Unternehmen „machen zu lassen“.

Doch wie in der Demokratie auf nationalstaatlicher Ebene geht es auch bei globalen Verhandlungen darum, möglichst viele Meinungen einzubeziehen und einen Kompromiss zu finden. Einen Mittelweg also. Und auch wenn gerne gesagt wird, dass der Mittelweg sehr einfach zu reklamieren ist, so ist er doch meist ein Weg, der realistisch und umsetzbar ist. Und solch ein Mittelweg kann nur aus einer Debatte erwachsen. Deswegen hat Maitland recht, wenn er ein Ende der „Great Non-Debate“ fordert. Maitlands Vorschlag jedoch, den Unternehmen einfach freie Hand zu lassen und abzuwarten, konterkariert allerdings genau diese Forderung auf paradoxe Weise.

Denn Maitland selbst geht nicht auf die Argumente seiner Gegner ein, sondern wischt sie einfach weg, lässt sie nicht zählen, versucht gar nicht erst, einen Kompromiss oder einen Mittelweg zu finden. Er polarisiert und stellt seine Meinung als die einzig richtige dar – und befeuert damit selbst die „Great Non-Debate“, die er doch eigentlich bekämpfen möchte.

4       Literaturverzeichnis

UNITED STUDENTS AGAINST SWEATSHOPS (USAS): Ignoring Nike Workers’ Pleas for Support in Honduras. URL: http://usas.org/campaigns-old/sweat-free-campus/dont-pay-the-fla/about-the-fla/# (Stand: 21.03.2012, 16:09 Uhr)

UNITED STUDENTS AGAINST SWEATSHOPS (USAS): What’s Wrong with the FLA?

URL: http://usas.org/campaigns-old/sweat-free-campus/dont-pay-the-fla/about-the-fla/# (Stand: 21.03.2012, 16:04 Uhr)

ASSOCIATION, FAIR LABOUR: Annual Report 2010. 2011

URL: http://www.fairlabor.org/sites/default/files/documents/reports/2010_annual_public_report.pdf

BUNJES, Mirjam: Journalisten und Greenpeace & Co: Auf der Seite der Guten. 2011.

URL: http://www.evangelisch.de/themen/medien/journalisten-und-greenpeace-co-auf-der-seite-der-guten54985 (Stand: 21.03.2012, 15:54)

DEGEORGE, Richard: Competing with Integrity in International Business. New York, 1993

DICKSON, Marsha A.: Utility of No Sweat Labels for Apparel Consumers: Profiling Label Users and Predicting Their Purchases. In: The Journal of Consumer Affairs. 2001, S. URL: http://www.fas.harvard.edu/~hiscox/Dickson.pdf

HÖFT, Michael: Sklavin für vier Jahre. In: Die Zeit, Ausgabe 13/2012, S. 33

HOMANN, Karl: Competition and Morality. In: Wittenberg Center for Global Ethics, Discussion Paper 4. 2006, S.

MAITLAND, Ian: The Great Non-Debate Over International Sweatshops. In: Tom L. Beauchamp, Norman E. Bowie, Dennis G. Arnold (Hrsg.): Ethical Theory and Business (8th Edition). Upper Saddle River, NJ, 2009

STIGLITZ, Joseph: Making Globalization Work. London, 2006

WELTBANK: Workers in an Integrating World. Washington, 1995

URL: http://econ.worldbank.org/external/default/main?pagePK=64165259&theSitePK=469072&piPK=64165421&menuPK=64166322&entityID=000009265_3961219103803


[1] Vgl. MAITLAND, Ian: The Great Non-Debate Over International Sweatshops. In: Tom L. Beauchamp, Norman E. Bowie, Dennis G. Arnold (Hrsg.): Ethical Theory and Business (8th Edition). Upper Saddle River, NJ, 2009, S. 598

[2]   Vgl. ebd., S. 606

[3]   ebd.

[4] ebd., S. 607

[5] Vgl. ebd., S. 599

[6] ebd.

[7] DEGEORGE, Richard: Competing with Integrity in International Business. New York, 1993, zitiert nach: MAITLAND, a.a.O, S. 599

[8] MAITLAND, a.a.O., S. 599

[9] Maitland referiert auch über den „Home-country standard“, nach dem das Gehalt in den Sweatshops sich am Gehalt des Landes orientieren sollte, in dem der multinationale Konzern seinen Sitz hat. Diese Ansicht wird aber nur von wenigen vertreten und ist auch unter ökonomischen Gesichtspunkten – gerade aus Wettbewerbssicht – schwer zu verteidigen.

[10] Vgl. MAITLAND, a.a.O., S. 605ff

[11] WELTBANK: Workers in an Integrating World. Washington, 1995, S. 77

[12] HOMANN, Karl: Competition and Morality. In: Wittenberg Center for Global Ethics, Discussion Paper 4. 2006,  S. 4

[13] ebd., S. 10

[14] Vgl. MAITLAND, a.a.O, S. 603f

[15] Vgl. ebd., S. 604

[16] Vgl. STIGLITZ, Joseph: Making Globalization Work. London, 2006, S. 70ff

[17] Vgl. ebd., S. 35ff

[18] Ganz abgesehen davon: Maitland hofft, dass sich durch mehr Wettbewerb die Arbeitsbedingungen automatisch verbessern. In gewisser Weise trifft das auch ein, so lagern bereits chinesische Firmen ihre Produktion aus, weil heimische Arbeiter zu teuer geworden sind. Doch die globale Industrialisierung ist nicht vergleichbar mit der historischen Industrialisierung in Europa: Damals waren Transportkosten hoch und Unternehmen waren auf die Arbeiter vor Ort angewiesen. Heutzutage stehen Milliarden Arbeitssuchende zur Verfügung. Kann man also wirklich davon ausgehen, dass in absehbarer Zeit genug Sweatshops entstehen, so dass sich  auf dem globalen Arbeitsmarkt Angebot und Nachfrage so weit annähern, dass die Anbieter von Arbeitskraft Forderungen stellen können?  In einigen Jahrzenten vielleicht. Doch die Probleme bestehen jetzt.

[19] Vgl. MAITLAND, a.a.O., S. 598

[20] HÖFT, Michael: Sklavin für vier Jahre. In: Die Zeit, Ausgabe 13/2012, S. 33

[21] ebd.

[22] STIGLITZ, a.a.O.

[23] Ein „Ende der Geschichte“, wie sie Francis Fukuyama postuliert hat, ist jedoch einfach nur vermessen. Niemand weiß, was noch kommen mag.

[24] Das genaue Zitat der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu gibt es hier: http://www.youtube.com/watch?v=n8WDLLira90

[25] MAITLAND, a.a.O., S. 598

[26] BUNJES, Mirjam: Journalisten und Greenpeace & Co: Auf der Seite der Guten. 2011. URL: http://www.evangelisch.de/themen/medien/journalisten-und-greenpeace-co-auf-der-seite-der-guten54985 (Stand: 21.03.2012, 15:54)

[27] Einer größeren Öffentlichkeit wurde sie bekannt, als Vertreter das Foxconn-Werk, das unter anderem Teile für IT-Konzern Apple herstellt, untersuchten. Die Internet-Seite des Unternehmens lautet: http://www.fairlabor.org/.

[28] Vgl. ASSOCIATION, FAIR LABOUR: Annual Report 2010. 2011, S. 7

[29] Vgl. UNITED STUDENTS AGAINST SWEATSHOPS (USAS): What’s Wrong with the FLA? URL: http://usas.org/campaigns-old/sweat-free-campus/dont-pay-the-fla/about-the-fla/# (Stand: 21.03.2012, 16:04 Uhr)

[30] UNITED STUDENTS AGAINST SWEATSHOPS (USAS): Ignoring Nike Workers’ Pleas for Support in Honduras. 21.03.2012, 16:09 Uhr)

[32] Vor der Gründung der FLA haben Vertreter verschiedener Organisationen über drei Jahre lang miteinander debattiert.

[33] Vgl. DICKSON, Marsha A.: Utility of No Sweat Labels for Apparel Consumers: Profiling Label Users and Predicting Their Purchases. In: The Journal of Consumer Affairs. 2001, S. 113

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