Nex – Die Philosophie

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Es herrscht also ein Krieg zwischen den demokratisch-liberalen Odobai und den autokratisch-restriktiven Togarev (auf den Grund komme ich später zu sprechen). Allerdings ist eine Gesellschaft nie homogen, also nicht alle Odobai oder Togarev sind gleich, es gibt Schattierungen und Extreme. Ich brauchte ein Koordinatensystem, auf dem ich die politisch-philosophische Einstellung meiner Völker und Charaktere positionieren konnte. Nach langer Recherche durch diverse Philosophie-Seiten und einem Gespräch mit einem Philosophie-Studenten bin ich schließlich auf die Opposition Kant vs. Nietzsche gestoßen.

Diese Opposition ist hart umstritten. Gerade meine Nietzsche-Interpretation stößt bei dem Philosophie-Studenten auf Gegenwehr. Mir hat die Beschäftigung mit ihren Vorstellungen und Ideen anderer Philosoph jedoch immens geholfen [Die Seite textlog.de war dabei sehr hilfreich]. Am Ende bin ich auf folgendes Koordinatensystem gekommen:

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Auf der Y-Achse stehen sich „Kosmopolitisch“ und „Endemisch“ gegenüber. Je kosmopolitischer ein Charakter ist, desto mehr kümmert er sich um die Welt und alle in ihr lebenden Völker als Ganzes. Je endemischer ein Charakter ist, desto mehr gilt seine Loyalität ausschließlich dem eigenen Volk.

Auf der X-Achse stehen sich die subjektive/individuelle Freiheit und die objektive/kollektive Freiheit gegenüber. Die Bezeichnungen leiten sich aus Hegels Bezeichnungen des objektiven und subjektiven Geistes ab, der bei der richtigen „Mischung“ zum absoluten Geist werden kann. [Mehr hier]

Um aber nicht gleich zu tief einzusteigen (komme eventuell später darauf zurück), gehe verwende ich hier nur die Begriffe individuelle und kollektive Freiheit – darunter kann man sich auch leichter etwas vorstellen.

Je stärker ein Charakter sich der individuellen Freiheit verschrieben hat, desto mehr stimmt er platt gesagt mit der Aussage „Jeder ist seines Glückes Schmied“ zu und ist „sozialdarwinistisch“ geprägt. Ein Charakter, der mehr Wert auf die kollektive Freiheit legt, hat sozusagen eine „soziale“ Herangehensweise. Seiner Ansicht nach geht es darum, dass nicht nur der Einzelne seine individuelle Freiheit genießen kann, sondern dass möglichst viele Menschen die Freiheit haben sollten, das tun zu können, was ihnen beliebt – unabhängig von ihren angeborenen oder antrainierten Fähigkeiten.

Ein Charakter mit individueller Freiheit (im Folgenden iF) würde also befürworten, dass sich der Stärkste durchsetzt, weil dieser sich dieses Recht erkämpft hat, während andere sich zum Beispiel nicht genug angestrengt haben. Jemand mit hoher kollektiver Freiheit (kF) widerspricht dem, weil seiner Vorstellung nach der Stärkste nun einmal Glück hatte, mit dieser Stärke geboren oder zu ihr erzogen worden zu sein. Es braucht daher Instrumente, um diese seiner Ansicht nach willkürliche Ungerechtigkeit auszugleichen.

Soweit alles klar?

Dann geht’s weiter mit der Kombination der beiden Achsen: Ein kosmopolitischer (kos) Charakter mit starker kF ist also im Grunde Sozialist. Er möchte, dass alle Völker dieser Welt gleichgestellt sind und es keine willkürliche Ungerechtigkeit mehr gibt. Ein endemischer (end) kF-Charakter hingegen würde dafür plädieren, dass allein in seinem Volk die willkürliche Ungerechtigkeit beseitigt wird, da er sich mit seinem Volk stark verbunden fühlt und/oder sich nicht dazu berufen fühlt, Verantwortung für die Geschicke anderer Völker zu übernehmen.

Ein kos-iF-Charakter ist gewissermaßen Anarchist. Er kümmert sich um die Welt als Ganzes, stimmt aber nicht mit der empfundenen Ungerechtigkeit von kos-kF-Charakteren überein. Seiner Ansicht nach muss man alle Völker der Welt möglichst wenig bis keine Vorgaben machen und sich nur gegenseitig respektieren und tolerieren. Dazu muss man aber nicht Vorschriften machen, sondern die Einstellung selbst ändern, sodass sie in Harmonie miteinander leben. Dabei gilt weiterhin die Prämisse, dass jeder für sein Glück selbst verantwortlich ist – da es keine Vorgaben gibt, die ihn daran hindern könnten.

Ein end-iF-Charakter wäre – um bei einfachen Analogien zu bleiben – ein Chauvinist. Er selbst fühlt nur Verantwortung seinem Volk und sich selbst gegenüber (welche Verantwortung stärker ist, ist je Positionierung auf der X- und Y-Achse entscheidend). Seiner Ansicht nach setzt sich der Stärkere durch, auch zwischen den Völkern. Für ihn hat sein Volk das Recht auf alles, weil es besser als die anderen ist. Genauso denkt er über sich selbst: Alles, was er geschafft hat, hat er geschafft, weil er sich darum bemüht hat – biologische oder erziehungstechnische Gründe spielen eine untergeordnete Rolle.

In den obigen Beispiel-Beschreibungen wurden Prototypen beschrieben. Je nach Positionierung auf der X- und Y-Achse sind die oben genannten Einstellungen stärker oder schwächer ausgeprägt. In einer ersten Skizze habe ich die Gesellschaft der Odobai und Togarev in diesem Koordinatensystem eingeordnet (zur Erinnerung: Oben ist kosmpolitisch, unten endemisch, links individuelle Freiheit, rechts kollektive Freiheit).

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Als nächstes werde ich die Charaktere des Romans in diesem Koordinatensystem einordnen und beschreiben. Das wird einige Zeit in Anspruch nehmen, ist aber wichtig, bevor es mit der eigentlichen Story-Entwicklung weitergeht. Wer übrigens Interesse an der Story hat, kann den ersten Entwurf lesen – auch wenn der mittlerweile schon stark abgeändert wurde [PDF].

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3 Kommentare zu “Nex – Die Philosophie

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