China-Schönschreiber – Gekürzte Passagen

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Spon hat meinen Artikel zu einer finnischen Firma veröffentlicht, die China-freundliche Nachrichten in der Welt verbreitet. Natürlich wurde da einiges gekürzt, weil ich immer viel zu viel schreibe. Vor allem meine Analyse und Vergleiche von Gbtimes fiel dem Rotstift zum Opfer.

So hatte ich etwa geschrieben, dass die Strategie von Gbtimes an die von Radio Free Europe während des Kalten Kriegs erinnert: Statt Reden von Kennedy und Eisenhower hörten die Bürger des Ostblocks Led Zeppelin und John Lennon. Die Sowjetunion sah in dem von der CIA mitfinanzierten Sender eine Propagandamaschine.

Tiefergehende Inhaltsanalyse

Meine Inhaltsanalyse zu Gbtimes war auch ein wenig länger: Im Fall um den Whistblower Snowden titelt Gbtimes etwa “USA reagieren sich an China ab, als Snowden entwischt“ („US vents at China, as Snowden slips away“) und zitiert amerikanische, englische Nachrichtenquellen wie Bloomberg, LA Times und Reuters sowie die Aussage des Sprechers des Weißen Hauses, dass die chinesisch-amerikanischen Beziehungen Schaden genommen hätten.

Danach kommt Chinas Presse zu Wort: So wird zum einen People’s Daily, die offizielle Zeitung der Kommunistischen Partei, zitiert sowie die „Global Times“, eine „nationalistisch geprägte Boulevard-Zeitung“, wie Gbtimes erklärt. Letztere schreibt: „Wir wünschen Snowden viel Glück in dieser schweren Zeit. Sein persönliches Schicksal spiegelt das Spiel zwischen US-Hegemonie und dem weltweiten Streben nach Fairness und Gerechtigkeit wider.“

In einem anderen Artikel erfährt der Leser, dass die “Zentralregierung respektiert, wie Hong Kong mit Snowden verfahren hat” und unter dem Titel “Gesetze Hong Kongs gelten für den Fall Snowdens“ wird eine Umfrage der „Sunday Morning Post“ aus Hong Kong zitiert: Danach waren 49,9 Prozent der 509 Umfrageteilnehmer „dagegen“ oder „sehr dagegen“, dass „die Regierung der Auslieferungsanfrage aus Washington einwilligt“. Nur 17,6 Prozent seien dafür gewesen, dass Snowden übergeben werden sollte.

Als die New York Times berichtete, dass die Verwandten von Chinas Ex-Premier Wen Jibao während seiner Regierungszeit über 2,7 Milliarden Dollar Vermögen anhäuften, publizierte die Redaktion von http://www.gbtimes.com die Artikel „Wen family, state media attack New York Times report” und “NY Times blocked in China after story of Premier’s family’s massive wealth”. Die Reaktionen von Chinas Medien und Staatsfunktionären stehen im Vordergrund, die eigentliche Story wird kurz umrissen, wer mehr wissen möchte, gelangt über einen Link zum Original-Artikel der New York Times.

In Artikeln zum Syrien-Konflikt (“Why China vetoed the UN Resolution on Syria twice”) und zu den Skandalen um Bo Xilai („Bo Xilai’s support grows amongst people, claim western reports“) legt Gbtimes den Fokus auf die chinesische Sichtweise – die westliche wird aber nie verleugnet.

Eine Frage der Definition

Rausgestrichen wurde auch meine Definitionen von Propaganda, PR und Journalismus: Während Journalisten möglichst neutral über ein Thema informieren wollen, wollen Propaganda- und PR-Experten die öffentliche Meinung in ihre Richtung bewegen. Über den Unterschied zwischen PR und Propaganda streiten sich jedoch die Wissenschaftler: Edward Louis Bernays, einer der Väter der PR, setzt sein Fachgebiet mit Propaganda gleich und hatte auch kein Problem damit, es schlicht Manipulation zu nennen.

Andere Wissenschaftler erklären, Propaganda polarisiere, radikalisiere und emotionalisiere oder verbreite schlichtweg Lügen, die PR hingegen gebe den Fakten nur einen gewissen Dreh, neudeutsch: „Spin“.

Und falls sich wer gefragt hat, warum die Firma in Finnland betrieben wird, hat offensichtlich den unscheinbaren Kasten am linken Rand vom Artikel übersehen. Darin steht:

Warum Finnland?

Der CEO von Gbtimes, Zhao Yinong, war Anfang der 90er Jahr nach Finnland eingewandert, schlug sich erst als Taiji-Lehrer durch, hielt dann an Finnlands Universitäten Vorträge über China und stellte fest, so schreibt er in einem Blogeintrag , dass „viele Leute kaum etwas über China wissen und dass es viele Missverständnisse gibt“.

1994 gründete Yinong die Beraterfirma Tradepoint Oy, die chinesischen Unternehmern half, im Westen Fuß zu fassen. Im Jahr 2000 wurde die Firma in Futuvision umbenannt, 2004 kam eine Medienabteilung hinzu, mit dem Einstieg des chinesischen Fonds 2007 wurde die Firma in Global Broadcasting Media Management umbenannt, 2012 in Gbtimes.

Der Umsatz von Gbtimes beläuft sich auf 4,4 Millionen Euro, der von Futuvision Media auf 2,787 Millionen Euro. Wieviel die Chinesen jedes Jahr beisteuern, will Resman nicht sagen. „Kein Unternehmen gibt darüber Auskunft, wie viel welcher Kunde zahlt.“

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Ich finde, die Kürzungen der Redaktion gehen voll in Ordnung, ich bin manchmal einfach zu ausführlich. Aber ich hätte es einfach schade gefunden, wenn die restliche Arbeit nur für die Tonne gewesen wäre. Ich habe zu dem Thema übrigens auch eine 10-seitige Seminararbeit verfasst, die einen etwas anderen, wissenschaftlicheren Dreh hat. Ich werd einen Auszug daraus hier auch noch veröffentlichen.

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Ein Kommentar zu “China-Schönschreiber – Gekürzte Passagen

  1. Merkwürdige Umtriebe. Dennoch, China hat bisher noch nicht versucht sein Staatssystem per Krieg im Deckmantel der Terrorbekämpfung zu exportieren. Wer ein wenig die Augen aufhält sieht von ganz allein was getuerkt ist und was nicht. Man kann sich seine Info-Quelle selbst aussuchen.

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