Wolf Schneider im Videoblog – er sollte beim Schreiben bleiben

Die Süddeutsche hat einen neuen Star-Blogger: den Sprachkritiker Wolf Schneider. Der ehemalige Leiter der Henri-Nannen-Journalistenschule will nun jeden Monat hier etwas über die deutsche Sprache los werden. Bei seinem Debut nimmt er sich eines Themas, das mir auch sehr am Herzen liegt: Feminismus in der Sprache.

Doch so sehr ich Schneiders Stilfibeln mag – jeder Schreiberling sollte „Deutsch für Profis“ und „Deutsch für Kenner“ gelesen haben -, sein Videoblog ist ein großer anspruchsloser Witz. Nach elf Sekunden Einleitung folgen 50 Sekunden Schneider, die so viel Neues und Unterhaltsames bringen wie die hundertste Wiederholung von Police Academy V. Er redet davon, welche Schwierigkeiten die Gleichberichtigung in der Sprache mit sich bringt. „Hat München nun 1,3 Millionen Einwohner oder Einwohnerinnen?“ fragt er und kommt am Ende mit einer ziemlich lahmen Pointe daher, die man meint, schon mal irgendwo gehört zu haben.

Eine Erklärung, warum die weibliche Form in der Sprache vernachlässigt wird, gibt er nicht. Außerdem geht er auch nicht auf die Möglichkeit des „Innen“ ein, wie in BäckerInnen oder SchneiderInnen. Natürlich: Schneider war nie jemand, der sich andere Positionen wirklich angehört geschweige sie Ernst genommen hat. Aber mit diesem Video macht er sich vor allem eins: lächerlich. Diese Aussage hätte ich mir auch in der nächsten Eckkneipe holen können – zwar ohne die klassische Musik und die netten Kameraeinstellungen, dafür aber bei einem kühlen Bier – serviert von einem/r KellnerIn.

(Auf den Blog aufmerksam gemacht hat mich der glücklicherweise gerettete Mediendienst 6 vor 9 von medienlese.com)

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