Schon wieder Killerspiele…

Ich habe gehofft, dass es nicht dazu kommen wird. Nachdem die Horrormeldung über den Amoklauf in Winnenden durch die Medien gerast ist und der erste Schock verdaut war, habe ich ein Stoßgebet an den Gott der Vernunft gesandt: „Bitte liebe Experten: Verschont uns mit ignoranten und unbalancierten Debatten und Berichten über Killerspiele.“ Das hatten wir doch alles schon. Dann liegt am nächsten Morgen die Süddeutsche Zeitung auf dem Tisch. Ich lese den Aufmacher – natürlich der Amoklauf – und in der letzten Spalte kommt er wieder: CSU-PopulistInnenminister Joachim Herrmann, der – wie sollte es auch anders sein – ein Verbot von Killerspielen fordert.

Immerhin war das nur ein Satz. Doch es scheint, als würde dieses leidige Thema wieder neu aufgerollt werden. Arno Frank verpackt auf taz.de in seinen Bericht World of Bullshit sehr gut, dass die „Experten“ ein neues Opfer gefunden haben: World of Warcraft; die neue Suchtgefahr, schlimmer als ein Heroin-LSD-Drogen-Cocktail. Die Welt der Kriegskunst verdirbt die Jugend. Und was machen kluge „Experten“, wenn sie ein neues Opfer gefunden haben? Sie analysieren das Spiel, gehen dem Ganzen auf dem Grund und fragen, warum 15-Jährige teils vier Stunden damit verbringen und die Schule schwänzen? So ein Quatsch.

Wozu der Aufwand? Verbieten ist doch mal wieder viel einfacher. Einige hochintellektuelle Jugendforscher, die einen Hexenmeister selbst dann nicht von einem Paladin unterscheiden könnten, wenn sie gerade von einer Horde Dämonen verprügelt werden, sagen jetzt: Gebt World of Warcraft und andere Online-Spiele erst ab 18 frei! So ist’s richtig: Lasst die 16-Jährigen lieber vor Langeweile zwei Schachteln Zigaretten pro Tag qualmen, als dass sie in einer weltumspannenden Community kommunizieren und einem Hobby nachgehen.

Ich spiele selbst kein WoW, weil ich weiß, dass ich davor Stunden verbringen würde, und ich glaube auch, dass die Suchtgefahr ernst genommmen werden sollte. Es gibt Computerspiel-Sucht, aber wie alle Süchte ist sie nicht einfach mit Verboten zu bekämpfen. Dieser Satz wurde bestimmt schon 100.000 Mal in Kommentaren zu diesem Thema geschrieben, und nun ist es eben das 100.001 Mal; aber anscheinend muss man es immer wiederholen, damit es auch die letzten Deppen Experten mitbekommen haben.

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3 Kommentare zu “Schon wieder Killerspiele…

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